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vom 16. Mai 2012
aus der Besenkammer
aufgetaucht: Imke Zwoch
Die letzten
Ratssitzungen waren eher als UNRAT zu bezeichnen. Das senkte, verstärkt durch
unsere allgemeine
Schaffenskrise, die Motivation, sich überhaupt darüber auszulassen. Unsere
schwere Entscheidung, vorläufig nur noch online in Erscheinung zu treten,
verschaffte aber gleichzeitig Auftrieb und siehe, passend dazu benahmen sich
unsere Ratsvertreter in der Maisitzung mal ganz passabel. Zur Belohnung gibt's
hier taufrische Digits.
◊ Relaunch
Nach
langwierigem innerparteilichen Gemetzel treten die ehemaligen Ratsvertreter der
Freien Wähler Wilhelmshaven, Frank Uwe Walpurgis und Horst Walzner, jetzt als
Unabhängige Wählergemeinschaft Wilhelmshaven (UWG) an. Walpurgis ist
gleichzeitig Vorsitzender der im März gegründeten UWG.
◊ RPA Reloaded
Neue Leiterin
des Rechnungsprüfungsamtes (RPA) ist Heike Hansemann. 1981 begann sie ihre
Ausbildung in der Stadtverwaltung, studierte später nebenbei noch Ökonomie und
durchlief zahlreiche Dienststellen und Aufgaben, hat also einen prima Ein- und
Überblick. Das RPA ist eine unabhängige Institution, die direkt dem Rat (nicht
dem OB bzw. der Verwaltung) gegenüber verantwortlich ist. "Ich bin für Sie alle
da", betonte Hansemann bei ihrer Vorstellung im Rat, "und wünsche mir eine
vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Gruppierungen und der Verwaltung."
Genauso sympathisch offen und optimistisch war einstmals Hansemanns Vorgänger
Udo Weiß angetreten. Schon kurz nach seinem Amtsantritt 2008 hatte er den
Ratsmitgliedern in einem 50seitigen Bericht die schwierige Situation in seinem
Amt geschildert. Vergebens: Im März 2012 warf er das Handtuch und rechnete in
einem offenen Brief schonungslos mit den Gepflogenheiten ab, die ihn daran
hinderten, sein Amt so (unabhängig) auszuüben, wie es der Gesetzgeber (Niedersächsisches
Kommunalverfassungsgesetz -NKomVG) vorsieht: "Die lang geübte
Zermürbungstaktik einer Verwaltung, die sich seit vielen Jahren geschickt einer
ernsthaften Prüfung entzieht (und sei es nur durch personelles Ausbluten des RPA),
und das offen praktizierte, mehrheitliche Desinteresse eines Rates, der das
Treiben schweigend begleitet, haben mir am Ende die Aussichtslosigkeit meiner
Bemühungen deutlich gemacht. ... Rat und Verwaltung sind sich überwiegend einig,
dass das RPA (wenn überhaupt) zwar gesetzlich vorgeschrieben sein mag, ansonsten
aber in seinem operativen Geschäft weitestgehend zu ignorieren ist und dessen
Anmerkungen und Feststellungen, vielleicht sogar Beanstandungen (Pfui!),
entweder Majestätsbeleidigung (Verwaltung) oder Einmischung in das politische
Geschäft (Rat) darstellen. Dass sich ein RPA durch seine Feststellungen und
Empfehlungen konstruktiv an der Optimierung der Verwaltung beteiligt, wird nur
zu gern vernachlässigt ..."
Frau Hansemann wünschen wir, dass sie nicht genauso verheizt wird.

◊ Rejected
Um dem
vorzubeugen, legte die Gruppe Grüne/WBV/Piraten einen Antrag auf Änderung der
Rechnungsprüfungsordnung (RPO) vor. Die jetzige Fassung stammt übrigens von 1985
und ist noch von OB Janßen und Oberstadtdirektor Schreiber unterzeichnet. Die
Kommunikation zwischen RPA, Rat und Verwaltung ist dort vor allem durch den
Austausch von Schriftstücken definiert. Die beantragte Neufassung sieht hingegen
ausdrücklich vor, dass die Leitung des Rechnungsprüfungsamts (RPA) persönlich an
den Sitzungen des Rates und aller Ausschüsse teilnimmt und sich auch an
Beratungen beteiligt. Die Begründung des Antrags nimmt eindeutig Bezug auf
Missstände der Vergangenheit: "Um die Einbindung des RPA zur Unterstützung des
Rates zu stärken, erscheinen die obigen Änderungen notwendig und sinnvoll. Nur
eine enge Einbindung und stets aktuelle Informationen auf beiden Seiten
gewährleisten die Rechtsstellung des RPA gemäß § 154
NKomVG, nachdem das RPA dem Rat unmittelbar unterstellt ist. Ein passives
Teilnahmerecht an allen –auch nichtöffentlichen Sitzungen - des Rates
unterstützt die gesetzliche Norm. Das Recht auf aktive Teilnahme an Sitzungen,
in denen Prüfungsberichte des RPA beraten werden, sichert zudem, dass
ausführliche und/oder weiterführende Informationen jederzeit verfügbar sind. Die
direkte Unterrichtung dient ebenfalls der vollständigen Information und eröffnet
zugleich die Möglichkeit, ggf. aufgezeigte Mängel verzugslos zu beraten".
Bei Vorlage des Antrags beeilte sich die Verwaltung zu versichern, dass sie im
Juni ohnehin eine überarbeitete Fassung der RPO präsentieren wollte. Für
Gruppensprecher Werner Biehl ein Déjà-vu: Auch andere Vorlagen der
Oppositionsgruppe, z. B. die Resolution gegen Rechts, oder zum Erhalt der
historischen Gebäude am Fliegerdeich, seien mit der Begründung zurückgewiesen
oder vertagt worden, da werde sowieso schon dran gearbeitet, bzw. da müsse unter
Einbeziehung der großen Fraktionen was zu entwickelt werden - nach der Devise
"wir folgen auf keinen Fall einem Antrag von denen". Bei diesem Antrag zur RPO
habe er extra SPD und CDU rechtzeitig vorher informiert - vergebens? "Uns ist es
also doch möglich, Politik zu machen - indirekt", stichelte Biehl. Denn auch
wenn Anträge seiner Gruppe abgewiesen oder abgelehnt würden, seien sie offenbar
eine "Initialzündung", damit zu dem jeweiligen Thema überhaupt was passiere.

Für FDP-Vertreter
Michael von Teichman wäre es "eine ganz neue Masche, dass das
Rechnungsprüfungsamt regelmäßig dem Rat berichtet". OB Andreas Wagner versprach:
"Wir werden die Anregungen ernst nehmen, sofern sie es wert sind, eingearbeitet
zu werden."
"Wir wollen Ihnen die Transparenz geben, die Sie brauchen". Wollen? Müssen, laut
Kommunalverfassung!
CDU-Sprecher
Hellwig nörgelte, jetzt würde man schon 15 Minuten über einen zurückgezogenen
Tagesordnungspunkt diskutieren. Stefan Becker (WBV) verwies auf folgenden
Fallrückzieher:
◊
Rückzug
Seit alters her
zogen sich unsere Ratsfraktionen zur Haushaltsklausur auf die Insel Wangerooge
zurück. Die Spesen und anfallenden Gehälter inkl. Überstunden für mitreisende
Verwaltungsangestellte zahlten die BürgerInnen. 2006 trennte man sich auf Antrag
der BASU mit Mehrheitsbeschluss von dieser lieb gewonnenen, aber kostspieligen
Sitte. (s. Ratssplitter
Gegenwind Nr. 222 vom Oktober 2006): "Haushaltsklausuren finden ab den
Haushaltsberatungen für den Haushalt 2008 in Wilhelmshaven statt. Dem Wunsch
einer Partei oder Gruppe nach auswärtiger Klausurtagung kann entsprochen werden,
wenn die Partei oder Gruppe ... Mehrkosten für die städtischen Mitarbeiter
übernimmt". Die CDU stimmte damals mit ihrer Jamaica-Koalition (mit Grünen und
FDP) für diese Sparmaßnahme. Die SPD enthielt sich. Jetzt wagte sie vereint mit
der CDU den Vorstoß, diesen Beschluss zurückzunehmen und die Klausuren auch im
Umkreis von 80 km um WHV zuzulassen. Fast. Denn im Vorfeld der Ratssitzung hatte
die BASU so laut Alarm geschlagen, dass die schwarz-rote Mehrheitsgruppe ihren
Antrag auf Wiedereinführung der Inselklausur zurückzog.
Eine Definition
für "Klausursitzung" ist "Sitzung, bei der sich die Teilnehmenden in
Abgeschiedenheit begeben". Das geht auch im übertragenen Sinne: Der Clubraum
einer hiesigen Gaststätte bietet nicht weniger Intimität als jener auf einer
Nordseeinsel. Und der räumliche Bezug zu den Menschen, Gebäuden, Straßen,
Einrichtungen der Stadt, um die es bei den Haushaltsberatungen geht, kann auch
nicht schaden. Also: Hiergeblieben!
◊
Rasen
Unser
Chefredakteur mauert seit 35 Jahren gegen einen Sportteil im Gegenwind, hier
jubeln wir ihm einen unter: Seit zwei Jahren diskutiert man die Erneuerung des
Rasenplatzes auf dem
ESV-Gelände an der Güterstraße. Die Verwaltung hatte eine Sanierung für
350.000 Euro vorgeschlagen, der Rat entschied sich jedoch für einen
Kunstrasenplatz nach DIN für maximal 700.000 Euro (inkl. Flutlicht und
Ballfangzaun). Da auf dem Platz die ganze Woche über intensiv trainiert wird,
würde ein Natur-Rasenplatz zu stark strapaziert werden, sagen die Sportler. Also
Kunstrasen.
Dann stieß man bei Bodenuntersuchungen auf erhebliche Altlasten. Damit das
Grundwasser nicht gefährdet wird, müsste man zunächst Füllsand auftragen, um den
Untergrund so vorzubelasten, dass spätere Setzungen reduziert werden, und
darüber noch 70 cm Boden aufbauen, um die Drainage über der vorhandenen
belasteten Schicht einzubauen. Damit stiegen die geschätzten Kosten auf 900.000
Euro.
Der Verein wäre auch mit einem kleineren Spielfeld ohne Zaun und Flutlicht
zufrieden, doch auch das würde mit 750.000 Euro immer noch über der vom Rat
verordneten Schmerzgrenze liegen. Und wenn man auf den Bodenauftrag und die neue
Drainage verzichtet? Die vorhandene alte Entwässerung ist unzureichend und nicht
intakt - wenn man nach ein paar Jahren alles wieder aufreißen muss, gibt es zu
Recht großes Geschrei.
Fazit der Verwaltung: Innerhalb des vom Rat gesteckten Finanzrahmens ist die
Einrichtung eines DIN-gerechten Kunstrasenplatzes auf dem Sportgelände an der
Güterstraße nicht möglich. Deshalb wird seitens der
GGS keine Ausschreibung erfolgen. Wat nu?
Veröffentlicht am 17. Mai 2012
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