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Emsige Stille In Sachen Südzentrale tut sich mehr als man spürt (iz) Veröffentlicht am 26.04.2012 Seit längerem hört und liest man kaum was Neues in Sachen Erhalt - oder Abriss - der Südzentrale. Das heißt aber nicht, dass es nix Neues gäbe. Nur wurde in den vergangenen Jahren so viel Porzellan zerschlagen, dass man jetzt um so sensibler mit den Eigentümern und weiteren Beteiligten umgehen muss.
Anlass zur Euphorie bestehe noch nicht, räumte Nietiedt ein, zumal innerhalb der Eignergesellschaft unterschiedliche Meinungen zwischen "unbedingt erhalten" und "so schnell wie möglich abreißen" bestehen. Andererseits wären sie klug beraten, nichts übers Knie zu brechen: Die Vermarktung des gebäudefreien Geländes würde sich nicht einfach gestalten, denn die Nutzungsmöglichkeiten sind beschränkt. Die (für eine hafenwirtschaftliche Nutzung interessante) südlich anschließende Kaikante ist bereits anderweitig privat vergeben; eine Wohnbebauung wäre nicht mit dem Lärm des östlich angrenzenden Hafenbetriebs vereinbar; eine ganztags lärmintensive gewerbliche Nutzung mit Verladekränen, LKW-Verkehr etc. würde wiederum mit der westlich anschließenden Wohnbebauung kollidieren. So, wie die Südzentrale jetzt dasteht, als Puffer zwischen Hafenbetrieb und Wohnquartier, und mit den nachstehend aufgeführten Nutzungsmöglichkeiten, ist es einfach perfekt. Wichtig ist, dass überhaupt ein Investor gefunden wird, der eine Nachnutzung - welche auch immer - im Auge hat. Butter bei die Fische Was es kostet, die Südzentrale zu sanieren und für die zukünftige Zweckbestimmung baulich herzurichten, wie viel Zeit einzuplanen ist und welche Nutzungen überhaupt möglich sind, bewegte sich bislang im Reich der Spekulationen, Wunschträume bzw. Abneigungen. Fans ohne Fachkenntnis stapelten eher tief, Skeptiker nannten astronomische Summen. Auch hier hat der Verein “Butter bei die Fische gegeben” und konstruktive Fleißarbeit geleistet. Unter Federführung von Hochbauingenieur André Winter wurden realistische, mit fachlicher Kenntnis und Erfahrung unterlegte Szenarien erarbeitet. Ø Szenario A - Sicherung des Gebäudebestandes und dessen temporärer Nutzung: Kosten 1,5 Mio Euro, Umsetzung: kurzfristig (1-2 Jahre); diese Kosten sind bei den folgenden Szenarien jeweils schon eingerechnet Ø Szenario B - Herrichtung als Veranstaltungsort für diverse Nutzungen: 4,1 Mio Euro, mittelfristig (5 bis 10 Jahre) Ø Szenario C - Nutzung als Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD): Kosten für die technische Anlage[1] sind unabhängig von Gebäudekosten, Umsetzung mittelfristig (2-5 Jahre) Ø Szenario D - Einbau von Büromodulen als Haus-in-Haus-Konstruktion z. B. für die Hafenwirtschaft: 6,5 Mio Euro, 2-5 Jahre Ø Szenario E - Umnutzung zu Versammlungs- und Veranstaltungszwecken: 9,25 Mio Euro, langfristig (5-10 Jahre) Für die letztgenannte Variante werden die höchsten Anforderungen an Wärme-, Schall- und Brandschutz und Raumklima gestellt[2]. Mit dem vorhandenen Raumvolumen könnte allerdings kein Ersatz für die marode Stadthalle geschaffen werden, machte Winter deutlich. Zur Verfügung stehen das Maschinenhaus, also die zentrale Halle mit der eindrucksvollen Jugendstilfront, mit ca. 1200 m², rechts davon das alte Kesselhaus (gut 1000 m²), links das Schalterhaus (knapp 700 m²) und Nebengelass mit kleineren Räumen. Abzüglich der erforderlichen Flächen für Foyer, Garderobe, Technik etc. würden etwa 500 Besucher Platz finden, der große Saal der jetzigen Stadthalle bietet auf 1400 m² bestuhlt bis zu 1422 Plätze. Winter warnte davor, “Wolkenbilder” zu zeichnen. Seine Szenarien orientieren sich an dem, “was das Denkmal vertragen kann” - auf keinen Fall umfangreiche Anbauten, die den eigentlich erhaltenswerten Kern des Ensembles erschlagen.
Mit dem abgestuften Nutzungs- und Kostenkonzept hat der Verein potenziellen Investoren einen roten Teppich ausgerollt. Die können auf diese kostenlose Vorleistung zurückgreifen, die - umgesetzt in konkrete Projektpläne - den Weg zu Fördertöpfen der Denkmalpflege oder KfW-Krediten ebnet. Von der Vision zur Wirklichkeit Der Verein hat mittlerweile mehr als 125 Mitglieder aus allen Kreisen und Schichten der Bevölkerung. Es ist immer wieder erstaunlich (und erfreulich), welche Kräfte da frei werden. So wird Vereinsmitglied Prof. Dr. Hartmut Luft (Jade-Hochschule) eine Expertise zur touristischen Nutzung erstellen. In einer begeisterten und begeisternden “Vorlesung” präsentierte er dem Verein seine Idee von der Südzentrale als “Eingangsportal zu den touristischen Räumen” in Wilhelmshaven. Kommunikationswissenschaftlich betrachtet wäre die Südzentrale - ein einmaliges Baudenkmal, dazu an diesem exponierten Standort - ideal, um nach dem “AIDA[3]”-Prinzip die Gäste der Stadt anzusprechen:. Die Gäste sind vom Gebäude gefesselt, es ist der geheimnisvolle innerliche Zugang zur Stadt, sie identifizieren sich und bleiben, informieren sich im “Welcome Center”, finden auf einer integrierten Marktfläche regionale Produkte und planen ihren weiteren Aufenthalt. “Städtetouristen wollen nicht drei Wochen gepflegte Langeweile”, weiß Prof. Luft, “sie wollen erleben, wie die Welt morgen aussieht”. Deshalb wären auch weitere Informations- und Erlebniselemente zu Themen wie Energie, Meerestechnik, Logistik dort gut untergebracht. Klassische und nachgefragte maritime Wellness- und Gesundheitsangebote (z. B. Thalassotherapie) könnten das Angebot abrunden. Für die nächsten Monate hat sich der Verein einige Ziele gesetzt: Gespräche mit den Fraktionsspitzen im Rat der Stadt, Fachbeiträge zum neuen Flächennutzungsplan in Hinsicht auf die Einbindung der Südzentrale zur Nutzung wirtschaftlicher Chancen, Erarbeitung eines Energiekonzepts für das Gebäudeensemble sowie Öffentlichkeitsarbeit (Infomaterial, Veranstaltungen). Arno Wiemers, einhundertstes Mitglied im Verein zum Erhalt der Südzentrale und Akteur in verschiedenen Wirtschaftsgremien, erinnerte abschließend daran, was man in Wilhelmshaven trotz knapper Kasse schaffen kann, wenn viele Kräfte an einem Strang ziehen: "Die Vision JadeWeserPort wurde auch Wirklichkeit". Dem ist nichts hinzuzufügen. n Aktuelles, Hintergrundinfos, Beitrittsformulare zum Verein u. a. unter www.suedzentrale.de Ein eindrucksvolles Beispiel für die Wiederauferstehung eines 20 Jahre leer stehenden und bereits vom Verfall bedrohten Baudenkmals bietet die Lokhalle Göttingen http://www.wiki-goettingen.de/index.php?title=Lokhalle [1] Ein GuD kostet ca. die Hälfte eines Kohlekraftwerks gleicher Leistung, bei einem elektrischenWirkungsgrad von bis zu 60% (KoKW: um die 40%) [2] Hinsichtlich der Energieeffizienz hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aktuell bessere Bedingungen der KfW-Förderung für denkmalgeschützte Gebäude geschaffen: Die KfW wird zum 01.04.2012 für denkmalgeschützte Gebäude und besonders erhaltenswerte Bausubstanz den Standard „KfW Effizienzhaus Denkmal" einführen. Die Förderkonditionen entsprechen dem Effizienzhaus 115, jedoch werden in diesem Standard keine Anforderungen an die Verbesserung der Gebäudehülle gestellt. Lediglich an den Jahres-Primärenergiebedarf wird eine moderate Anforderung gestellt, dieser darf max. 60% über dem Referenzgebäudewert liegen. Die Bestätigung des energetischen Niveaus muss in diesem Programm durch einen „Energieberater für Baudenkmale“ erfolgen. [3] Aufmerksamkeit erzeugen - Interesse erregen - Wünsche (Desire) wecken - Aktionen bewirken |
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