Bunter Herbst

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Sep 032012
 

“Bunter Herbst” in Wilhelmshaven

Vom 4. bis 10. November sollen in Wilhelmshaven unter dem Titel “Bunter Herbst” zahlreiche Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus stattfinden. Schulen, Vereine und andere Organisationen und Institutionen sind aufgerufen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und Angebote beizusteuern, ob Vorträge, Ausstellungen, Musik, Theater – Hauptsuche bunt und vielfältig.

Zur Zielrichtung gab – oder gibt – es allerdings unterschiedliche Auffassungen.

gw20120903_2b1Die Häufung rechtsextremistischer Umtriebe und Straftaten in Wilhelmshaven im vergangenen Jahr sowie die Aufdeckung der unfassbaren Gräueltaten des Zwickauer Nazitrios hatten dem Wilhelmshavener Bündnis gegen Rechts großen Zulauf beschert, auch Ratsfrauen und -herren verschiedener Couleur ließen sich bei den Versammlungen blicken.

In der Folge wurde seitens der Stadt und mit Ratsbeschluss ein “Arbeitskreis Extremismus” gegründet, der mehrfach tagte, um ein Programm zu entwickeln. Allerdings war da nicht nur von Rechtsextremismus die Rede, auch mit Linksextremismus und Islamismus wollte man sich beschäftigen. Das war angesichts der brennenden aktuellen Probleme mit Nazis ein Schlag ins Gesicht des Bündnisses. Durch die Verallgemeinerung “gegen Extremismus” wurden die Probleme mit den braunen Pack verwässert, wenn nicht durch die Gleichsetzung verharmlost. Dabei räumten erst kürzlich wieder Polizeiexperten ein, dass Straftaten aus dem linken Spektrum in Umfang und Schwere gegenüber denen von rechter Seite zu vernachlässigen sind.

Die Sprecher des Bündnisses gegen Rechts waren dementsprechend wenig begeistert und nicht bereit, bei einem so unspezifischen Krimskrams mitzumachen, was Doro Jürgensen (DGB) in dem Arbeitskreis auch zum Ausdruck brachte.

Der “Bunte Herbst” ist ein Teil des Maßnahmenpaketes, das der Arbeitskreis Extremismus erarbeitet hat. Vertreter/innen zahlreicher Vereine, Verbände und Organisationen folgten der Einladung zum ersten Vorbereitungstreffen im Juli, der Ratssaal war gut gefüllt. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Oberbürgermeister übernahm Jugendamtsleiter Carsten Feist die Moderation. Nach seiner Präsentation des zeitlichen und inhaltlichen Rahmens (“der Oberbürgermeister erwartet um die 100 Einzelveranstaltungen”) gab es einige Anregungen aus dem Publikum. So wurde darauf hingewiesen, dass die Bedeutung des Jahrestages der Reichspogromnacht (9.11.) im Gesamtkanon der einwöchigen Veranstaltungsreihe nicht untergehen darf. Kritisiert wurde auch der zu späte “Einsendeschluss” für die Programmbeiträge, der Zeitraum für Druck und Verteilung der Programmhefte schien unrealistisch und wurde mit allseitiger Zustimmung vorverlegt. Sehr wichtig ist auch die inhaltliche und zeitliche Abstimmung untereinander. Es macht wenig Sinn, wenn z. B. drei Organisationen parallel eine Lesung oder eine Filmvorführung zum selben Termin vorbereiten. Zu diesem Zweck kündigte Feist eine Internetplattform an. Am Schluss konnte jede/r einen Anmeldezettel mit Kontaktdaten für ihre/seine Organisation ausfüllen.

Unter www.wilhelmshaven.de / Umwelt & Energie (?? Okay, Nazis laufen unter politische Umweltverschmutzung und die Mitwirkenden der Aktionswoche bringen hoffentlich viel Energie auf) findet sich ein Grußwort von OB Wagner mit Einladung zum Mitmachen. Leider wieder oder immer noch mit der Verallgemeinerung “Extremismus in allen Facetten soll in unserer Stadt keine Chance haben … Im Rahmen der Aktionswoche sollen die Beteiligten unterschiedliche Angebote machen, in denen sie ein klares Bekenntnis für Toleranz und Demokratie ausdrücken und sich gleichzeitig gegen jede Form von Extremismus stellen”. Ein klares Bekenntnis des OB konkret gegen die Gewalt von Rechts und das weit verbreitete, leicht zu entzündende rechte Gedankengut – das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen jährte sich gerade zum 20. Mal – würde ihm besser zu Gesicht stehen und dem Konzept die Beliebigkeit nehmen.

Immerhin waren unter diesem Text bis Ende August schon sieben Veranstaltungen eingepflegt, vom multikulturellen Laternenumzug bis zur Antifaschistischen Stadtrundfahrt des Bündnisses gegen Rechts. Die Qualität des Gesamtprogramms steht und fällt mit der Kreativität, und dem Engagement aller Mitwirkenden und der Zielgenauigkeit ihrer Beiträge. Schön wäre, wenn da wirklich was Handfestes bei rauskäme. Das Ganze darf nicht dazu dienen, dass Rat und Verwaltung das Thema Rechtsextremismus unter “seht ihr, wir haben ja was gemacht” abhaken dürfen. (iz)

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