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Gegenwind 245 - Juni 2009 Nichts passiert Auch durch die Europawahl 2009 werden keine Probleme gelöst – es entstehen nur neue (hk) Lange Gesichter gab es quer durch die Parteien – das Wahlvolk traut den Europapolitikern nichts zu. Zu groß ist das Ohnmachtgefühl gegen den angestrebten europäischen Zentralismus, zu groß die Abneigung gegen die ausufernde Bürokratie, gegen europaweite Bespitzelungs- und Großmachtspläne. Wir wollen uns anschauen,
wie Wilhelmshaven gewählt hat. Da fällt zunächst einmal auf, dass die
Rechtsextremen endlich mal ein klägliches Dasein führen. Republikaner und DVU
wurden von nicht einmal 300 WilhelmshavenerInnen gewählt, was allerdings kein
Grund sein kann, den Kampf gegen die Faschisten einzustellen. Sie werden
weiterhin versuchen, innerhalb der Gesellschaft eine Rolle zu spielen, so wie es
ihnen in anderen Bundesländern und anderen europäischen Staaten schon gelungen
ist. Da ist Wachsamkeit Bürgerpflicht!
Wirklich zufrieden kann wohl nur die FDP sein – wie oft wurde sie schon totgesagt, doch dann gibt es immer wieder Leute, die auf Waschmittelreklame und Westerwell’sche Worthülsen anspringen. Und so konnte es passieren, dass eine Partei, die nichts anderes zu bieten hatte als ‚Wir haben eine Krise, weil wir nicht in der Regierung mitbestimmen. Mit uns gäbe es keine Krise’ von den WilhelmshavenerInnen aus der 1999er Bedeutungslosigkeit (2,5%) auf fast 12% katapultiert wurde.
Auch die Christdemokraten sehen sich als Sieger der Wahl; und in Wilhelmshaven haben sie immerhin 0,2 Prozentpunkte dazugewonnen. Schon erstaunlich für eine Partei, die mit nichts außer einem Kandidaten namens ‚Europa-Mayer’ in den Wahlkampf zog. Dabei kann man kaum von einem Wahlkampf sprechen, und Europa spielte sowieso keine Rolle.
Die Wilhelmshavener Sozialdemokraten können einem schon fast leid tun: Im freien Fall trudeln sie seit 1979 von der absoluten Mehrheit (53,9%) auf klägliche 28,1% bei dieser Europawahl – das Möllemannsche Ziel von zu erreichenden 18% dabei fest im Blick. Doch das Mitleid für die Wilhelmshavener Sozialdemokraten hält sich in Grenzen. Hat eine Partei, die sich von einigen wenigen unfehlbaren und überheblichen Parteifürsten in den Boden stampfen lässt, etwas Besseres verdient?
Und die Grünen? In Wilhelmshaven traditionell recht stark (vom 1999er 4,4%-Ausrutscher einmal abgesehen) erreichten sie in diesem Jahr sogar einen zweistelligen Prozentsatz. Und das trotz der peinlichen Europawahlkampagne namens “WUMS”. Vielleicht haben sich ja viele WilhelmshavenerInnen den Klasse-Spot der Grünen im TV angesehen, der mit dem WUMS endete: Dann könnte man verstehen, dass so viele für die Grünen stimmten. Mal sehen, was davon im Europaparlament ankommt.
Wir haben in unserem Schaubild Die Linke zur Nachfolgeorganisation der PDS gemacht. Das ist zwar nicht so ganz korrekt – trifft aber die Wählerschichten wohl am Besten. Die Werte bis 2004 gehen also aufs Konto der PDS, der diesjährige Wert wurde von der Linken erreicht. Die 6,4% sind übrigens das niedersachsenweit beste Ergebnis für die Linke! Doch man hatte eigentlich mehr erwartet, schließlich stand die Messlatte in Wilhelmshaven seit der Landtagswahl 2008 auf 11,3%. Da kommt dann trotz des Erfolges ein wenig Unzufriedenheit auf. Die Linke war übrigens die einzige Partei, die sich auch mal europakritisch (z.B. Ablehnung der Lissabon-Verträge) zeigte. Hier hätte sich ein offensiveres Auftreten mit Sicherheit motivierend auf die Nichtwähler ausgewirkt. So blieb letztendlich auch der Wahlkampf der Linken im europäischen Einheitsbrei stecken.
Seit vielen Jahren belegen
wir anhand der geringen Wahlbeteiligung, wie wenig legitimiert die Herren und
Damen in Brüssel, Berlin, Hannover... sind. Und es ist ja nicht durchweg
Faulheit oder Politikverdrossenheit, die zum Nichtwählen führen. Es ist ja auch
oft ein bewusster Schritt zu sagen, dass man nicht wählen geht. Und das wird
gerade bei der Europawahl deutlich – denn das Europarlament macht in besonderer
Weise deutlich, wie unbedeutend der Wille der WählerInnen ist. Wenn das Volk
nicht spurt, dann wird es auf irgendeine Weise beschissen, wie z.B. mit der
Umwandlung der europäischen Verfassung (die ja bekanntlich von mehreren
Mitgliedsstaaten abgelehnt wurde) in einen Vertrag, bei dem das Volk nicht mehr
gefragt werden muss. Eindrucksvoll ragt die Säule der Nichtwähler in den Himmel. Die Ergebnisse der Parteien dagegen wirken schon beinahe peinlich (was sie ja auch sind). Bei dem Herren im Röckchen handelt es sich nicht um eine Verfremdung des Rüstringer Friesen sondern um ein Logo der attac-Aktion „Wir zahlen nicht für eure Krise!“
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