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Gegenwind 234 - März 2008
Klimaschutz
und Kohlekraftwerke
Klimaschutz ist teuer – kein Klimaschutz ist unbezahlbar.
(hk) Mit dieser
Erkenntnis des britischen Ökonomen Sir Nicholas Stern eröffnete der
Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Rainer Baake eine
Veranstaltung der Wilhelmshavener Bürgerinitiative gegen Kohlekraftwerke und für
Klimaschutz am 26. Februar in Wilhelmshaven.
Die Veranstaltung hob sich wohltuend von der auf der vorigen Seite
beschriebenen Veranstaltung der E.on ab, denn mit Rainer Baake hatte die
Bürgerinitiative einen Glücksgriff getan. Während man auf der E.on-Show bei
jedem Wortbeitrag seitens des Podiums merkte, dass es sich um eine
Lobbyveranstaltung des Energieriesen E.on handelte, auf der es nicht um die
Diskussion mit dem Bürger, sondern einzig um die Propagierung der
E.on-Konzernziele ging, konnte der Geschäftsführer der DUH mit nachprüfbaren
Zahlen und beschreitbaren Wegen aufwarten.
Zur Person Baakes: Der gelernte
Diplom-Volkswirt Rainer Baake war zwischen 1998 und 2005 beamteter
Staatsekretär im Berliner Umweltministerium unter Jürgen Trittin und als
solcher verantwortlicher Organisator aller "umweltpolitischen
Großbaustellen" der rotgrünen Regierungszeit – vom Atomausstieg über die
Klimapolitik und das Kyoto-Protokoll, den Ausbau der erneuerbaren Energien
und die Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes bis hin zur
Abfallpolitik. Seit 2006 ist Baake der Bundesgeschäftsführer der Deutschen
Umwelthilfe.
Baake sparte nicht mit Lob für die
Anstrengungen der Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Klimaschutzziele der
Bundesrepublik durchzusetzen. Und genau darum ging es in Baakes Vortrag: Was
muss getan werden, um diese Ziele (Reduktion der CO2-Erzeugung um 40% bis 2020)
zu realisieren?
Von Anfang an machte er deutlich, dass diese Ziele nicht mit Reförmchen erreicht
werden können, sondern dass hierfür große gemeinschaftliche Anstrengungen nötig
sind.
Der Titel seines Vortrages lautete „Klimaschutz und neue Kohlekraftwerke – ein
unauflöslicher Widerspruch“ – und diese These belegte Rainer Baake mit harten
Daten und Fakten, die, so Baake, „allesamt entweder direkt von der
Bundesregierung oder vom Bundesamt für Statistik stammen und jederzeit
nachprüfbar sind.“
Zu den
Fakten:

Um jetzt die
Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, dürfen die neuen fossilen
Kraftwerke maximal 21 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr emittieren. Daraus ergibt
sich, dass die durchschnittlichen CO2-Emissionen der zwischen 2006 und 2020 in
Betrieb gehenden fossilen Kraftwerke 368 g pro KWh nicht überschreiten dürfen.
Fossile Kraftwerke emittieren unterschiedliche CO2-Mengen. Während ein modernes
Braunkohlekraftwerk 950 Gramm pro KWh emittiert, gelangen aus einem
Steinkohlekraftwerk immerhin noch 750 g/KWh in die Atmosphäre, einzig das Erdgas
liegt mit 365g CO2 pro Kilowattstunde unter dem zur Erreichung der
Klimaschutzziele errechneten Wert von 368 Gramm.
Vortrag von Rainer Baake zum
Download:

Die
Schlussfolgerungen hieraus:
1. Klimaschutz und Atomausstieg sind vereinbar, wenn die Ziele bei der
Einsparung, dem Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Koppelung (KWK)
ernsthaft umgesetzt werden.
2. Der Umbau des bestehenden Kraftwerksparks muss beschleunigt werden.
Insbesondere alte, ineffiziente Kohlekraftwerke müssen nachgerüstet oder
stillgelegt werden. Dadurch würde Spielraum geschaffen, um die hohen Emissionen
der schon genehmigten und im Bau befindlichen Braun- und Steinkohlekraftwerke zu
kompensieren.
3. Fossile Kraftwerke dürfen in Zukunft nur noch als KWK-Anlagen genehmigt und
errichtet werden und als Brennstoff Gas verwenden. Neue Kohlekraftwerke – ohne
CO2-Abscheidung - sind mit einer ernsthaften Klimaschutzstrategie, die am
Atomausstieg festhält, unvereinbar.
Der
Vorschlag der Deutschen Umwelthilfe zur Erreichung der Klimaschutzziele:
1. Beseitigung
des Rechtsanspruchs auf Genehmigung von klimaschädlichen Kohlekraftwerken
2. Pflicht zur Kraft-Wärme-Koppelung
3. Mindestwirkungsgrade für fossile Kraftwerke = Verbot von konventionellen
Kohlekraftwerken (ohne CO2-Abscheidung).
Viel Diskussionsstoff
Die Ausführungen Rainer Baakes bargen
natürlich viel Diskussionsstoff – und hier vermisste man dann doch die Damen und
Herren des Stadtrates und der Verwaltung, aber zumindest im Stadtrat scheint man
ja lernresistent zu sein. Neben den Abgeordneten der Grünen, LAW und BASU
bildete der für die CDU im Stadtrat sitzende Bernhard Rech eine Ausnahme.
Doch die Diskussion war auch so spannend und wurde von Rainer Baake konsequent
und kompetent geführt.
Wir dokumentieren einige
wichtige Diskussionsbeiträge:
Die Kraft-Wärme-Kopplung soll Pflicht
werden. Was ist mit Standorten, an denen das nicht möglich ist?
Baake: Die Kraft-Wärme-Kopplung ist
ein unerlässlicher Pfeiler der CO2-Reduzierung. Wenn sie an einem Standort nicht
möglich ist, dann handelt es sich um einen falschen Standort, und es darf dort
kein Kohlekraftwerk errichtet werden.
In Wilhelmshaven verspricht die
Electrabel Möglichkeiten zur KWK genau wie die CO2-Abscheidung zu
berücksichtigen, gleiches verspricht auch die E.on.
Baake: So geht das auf keinen Fall.
Nur wenn die Betreiber nachweisen, dass ihre Anlage mit KWK und CO2-Abscheidung
in Betrieb geht, kann ein solcher Antrag befürwortet werden. Absichtserklärungen
zur Nachrüstung sind nichts wert.
Das Konzept der DUH basiert stark auf
dem Einsatz von Gas zur Stromerzeugung. Begeben wir uns damit nicht in eine neue
Abhängigkeit?
Baake: In Deutschland gibt es eine
Gas-Phobie. 80% unserer Heizungen laufen mit Gas. Aber sobald Gas in Konkurrenz
zur Kohle tritt, werden alle ganz nervös und beschreien die Abhängigkeit! Mit
der Abhängigkeit vom Gas wird nur Panikmache betrieben! Die DUH setzt auch
verstärkt auf Biogas, denn Biogas ist CO2-neutral – das, was aufgenommen wird,
wird auch wieder abgegeben.
Was nützt es, wenn wir in Deutschland
die besten und teuersten CO2-Reduzierungen realisieren – muss nicht zuerst auf
die CO2-Reduzierung in den Entwicklungsländern gedrängt werden?
Baake: Ich habe viele Verhandlungen
mit Vertretern der 3. Welt geführt, als es um die Durchsetzung des
Kyoto-Protokolls ging. Es funktioniert nicht, wenn wir diesen Ländern nicht ein
Beispiel geben. Wenn wir auf Kernenergie setzen, dann kann ich das den Ländern
der 3.Welt nicht versagen. Wir müssen intelligente Lösungen vorleben.
In weiteren Beiträgen machte Rainer Baake
klar, dass die Lichter in Deutschland nicht ausgehen werden, dass die
Auswirkungen des CO2 auf das Klima nachgewiesen sind. Leugner der
CO2-Auswirkungen wird es immer geben, sie sind aber völlig unbedeutend und nicht
in der Lage, das Wissen über den Klimawandel in Frage zu stellen.
Deutsche Umwelthilfe im Internet:
www.duh.de
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