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Gegenwind 233 - Januar/Februar 2008
Zu viel der Ehre! 2. Teil
Agnes-Miegel darf nicht Namensgeberin für eine
Schule sein
(hk)
Bereits im letzten Gegenwind berichteten wir über den Vorstoß des
Wilhelmshavener Ratsherren Johann Janssen (LAW) zur Umbenennung der
Agnes-Miegel-Schule. In einer Sendung des Nordwest-Radios am 16. Januar 2008
machte der Historiker Martin Wein klar, dass Agnes Miegel als Namensgeberin
einer Schule nicht taugt.
Zu der einstündigen
Sendung des Nordwest-Radios war neben Johann Janssen und Martin Wein auch die
Vorsitzende der Agnes-Miegel-Gesellschaft, Marianne Kopp, im Pumpwerk
erschienen. Die Stadt Wilhelmshaven (Jens Graul) fehlte aus gesundheitlichen
Gründen und der Schulleiter der Agnes-Miegel-Schule, Heinz Bültena, wollte an
der Sendung nicht teilnehmen, hatte sich allerdings vorher den Fragen des
Nordwest-Radios gestellt. Vertreter der Parteien und des Schulausschusses hatten
eine Teilnahme an der Sendung abgelehnt.
So war es dann logisch, dass sich niemand außer Frau Kopp für eine Beibehaltung
des Schulnamens einsetzte.
(Auf der Internetseite
http://www.radiobremen.de/nordwestradio/unterwegs/00003974.php können
diejenigen, die die Sendung verpasst haben, sich die Wortbeiträge anhören).
Und die Argumente, die
dagegen sprechen, Agnes Miegel dadurch zu ehren, dass man nach ihr eine Schule
benennt, sind vielfältig. Miegels Aktivitäten während des Faschismus waren
eindeutig. In der Preußischen Akademie der Künste sah sie mit an, wie
Schriftsteller wie Heinrich Mann die Akademie verlassen mussten, wie andere, die
sich weigerten, ein Treuegelöbnis an Adolf Hitler zu unterschreiben, die
Akademie verließen, verfolgt und ins Exil getrieben wurden, Carl von Ossietzky
im KZ landete. Auch die Bücherverbrennungen im Mai 1933 hat sie miterlebt.
Agnes Miegel richtete sich mit dem System ein, ihre Veröffentlichungen lagen
exakt auf der Linie der inzwischen herrschenden Nazi-Ideologie. Das
Hitler-Regime hofierte sie entsprechend, und bevor Miegel 1940 der NSDAP
beitrat, bekam sie Auszeichnungen und Ehrungen, die zum Teil auf die direkte
Fürsprache von Nazi-Größen wie Joseph Goebbels zurückgingen.
Johann Janssen: “Agnes Miegel wirkt nach wie vor und ist brandgefährlich.”
Martin Wein fasste zusammen, warum man sich in Wilhelmshaven so schwer mit der
Umbenennung tut: “Der Umgang der Stadt mit Geschichte ist schwierig, weil die
Stadt auch eine schwierige Geschichte hat.”
Die Vorsitzende der Agnes-Miegel-Gesellschaft, Frau Marianne Kopp, war dann auch
nicht in der Lage, der Kritik an der Namensgebung etwas entgegenzusetzen: “Agnes
Miegel hat einen guten Namen, dazu stehe ich”, das war dann noch beinahe der
aussagekräftigste Beitrag der Germanistin. Auf die Frage des Moderators, ob
Agnes Miegel auch heute noch als Vorbild taugt, sagte Frau Kopp: “Das kann ich
nur unbedingt unterstützen, denn in ihrem Werk ist sie immer eine Verfechterin
von Menschlichkeit und Toleranz. Ich halte es für völlig verfehlt, Agnes Miegel
auf eine knappe Handvoll Gedichte festzunageln, die sie in einer Epoche
schrieb.”
Einige Werke Miegels, die vom Nationalsozialismus beeinflusst sind: Hymne an
Ostpreußen, Heilige Heimat, Sonnenwendreigen, An Deutschlands Jugend, Viktoria,
An den Führer, Memelland, Dem Führer!, Dem Schirmer des Volkes, An die
Reichsfrauenführerin Scholtz-Klink.
Doch machen Sie sich
selbst ein Bild von den Qualitäten Agnes Miegels:
An Deutschlands Jugend
Herbst 1939 (Auszüge)
Jugend Deutschlands!
Singend voran den Völkern zogst Du in Deinen Tag, den Tag der Zukunft!
herrlicher Frühling, uns aus Trümmern erblühter, Du, in denen wir lieben, die
für Euch starben,-
(...)
Aber das Schicksal, unseres Volkes Lose von Anbeginn zeichnend mit der Rune des
Kampfs, warf wieder die Stäbe in dem ehernen Streithelm, - da dröhnten die
Straßen wieder vom Marschtritt der Heere, vom Rollen der Panzer, dröhnte der
Himmel über den Erntefeldern wieder von dem Hornissengesang der Geschwader.
Unter dem Sprühn der Herbstgestirne liegen, unter der flammenden Fackel des
roten Kriegssterns, bang und stumm, verhüllte Mutter, die Städte.
Von dem zerstampften Lande, jenseits der Grenze dringt wie Seufzen das Grollen
ferner Geschütze – Tubaton, die Namen der Festen rufend, uns ins Herz gebrannt
unauslöschlich, nun wieder über die Welt hinhallend wie damals!
(...)
Aber dies: wir stehen, wir Deutsche, Volk das zu Volk fand, folgend dem Ruf des
Führers, stehen wir zum erstenmal, nicht Gatten und Brüder nur allein, wir
stehen, Frauen und Kinder, alle im Kampf und stehen gefassten Herzens, auf uns
zu nehmen wie sie die Schrecken des Krieges: Feuer und Nacht und Not und
grausames Sterben, wie es das Schicksal bestimmt.
Doch es liebte noch immer die Tapferen.
Und wir sehen Dich, Jugend, uns herrlich vorangehn! Wagend den frühen Kampf, -
die einen im Felde, Knaben, gefallener Brüder Antlitz tragend, junge Saat,
gestreut in die Furchen der Erde, die das Blut ihrer Väter getrunken und ewig
Ruhm unsres Namens trägt, -
(...)
Hinter dem furchtbaren Mäher Krieg, bei dem sausenden Sang seiner Sense
schreitest Du, Jugend Deutschlands, zu sammeln und bergen in des harten Alltags
nie ruhendem Dienste, was die Mutter gab, die uns alle geboren. (...)
Aus “Ostland” 1939
Kann eine
Schriftstellerin, die eine solche Sprache spricht, die solche Sätze zu Papier
bringt, kann eine solche Schriftstellerin Namensgeberin einer Schule sein?
Gegenwind 233 - Januar/Februar 2008
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