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Gegenwind 229 - August 2007

vom 18. Juli 2007
ausgesessen von Imke Zwoch
Gegen 20 Uhr
gingen die belegten Brötchen im Chill-out-Room neben dem Ratssaal beängstigend
zur Neige, nicht jedoch die Argumente, die zwar schon im Vorfeld des
Ratsbeschlusses zum Grundschulkonzept abschließend ausgetauscht worden waren,
aber im Hohen Haus unbedingt noch mal wiederholt werden mussten.
v
Nicht betroffen
In Verbindung mit dem Freitod eines leitenden
Angestellten des hiesigen Jobzentrums wurden finanzielle Unregelmäßigkeiten in
der ARGE verlautbar, in die auch städtische Gelder fließen. Die LAW wollte
wissen, ob der Rat über das Ergebnis der Untersuchungen zu den Vorkommnissen
informiert wird. Klaus Grimminger, Geschäftsführer des Job-Centers, lieferte
dazu folgende Infos: „Nach bisherigen Ermittlungen handelt es sich
höchstwahrscheinlich um den Tatbestand der Veruntreuung von Geldern aus dem
Eingliederungstitel der Agentur für Arbeit (SWL = sonstige weitere Leistungen).
Städtische Mittel sind in diesem Aufgabenbereich nicht eingesetzt … Nach
bisherigen Recherchen ist nicht davon auszugehen, dass städtische
MitarbeiterInnen an den Unregelmäßigkeiten beteiligt waren bzw. sind. Nach
Abschluss der Untersuchungen wird die Verwaltung die zuständigen Ratsausschüsse
ausführlich über das Ergebnis informieren.“
v
Kurz und bündig
Vierzehn Tage vor der Ratssitzung müssen Anträge im
Rathaus eingegangen sein, damit sie auf die Tagesordnung gesetzt werden. Bei der
elektronischen Datenübermittlung kann das, trotz rechtzeitiger Absendung, auch
aus technischen Gründen in die Hose gehen, wie jetzt bei einem Antrag der BASU.
In diesem Zusammenhang erläuterte Stadtrat Stoffers allerdings, dass es reicht,
den Titel des Tagesordnungspunktes einzureichen – für die sorgfältige
Vorbereitung kann man sich dann zwei Wochen Zeit nehmen. Davon will die BASU
zukünftig Gebrauch machen.
v
Scheingefecht
Die SPD-Fraktion lehnte es
ab, dass die ehemalige Helene-Lange-Schule in der Rhein-/Ecke Virchowstraße als
neues und einziges Grundschulzentrum der Südstadt ausgebaut wird.
Oberbürgermeister Eberhard Menzel war anderer Ansicht war als seine GenossInnen,
und der Ausgang der Abstimmung – für das neue Schulzentrum, gegen die
Oldeoogeschule – stand schon vor der Diskussion fest.
Ratsvorsitzender Norbert Schmidt bat darum, in dieser öffentlichen Debatte keine
Namen von Investoren oder Geldsummen zu nennen. Dabei ist „der, dessen Name
nicht genannt werden darf“, allen, die sich halbwegs für das Thema
interessieren, längst bekannt: Bodo Behnke. Vor einigen Jahren kaufte und
sanierte der Immobilienkaufmann das leer stehende Spinnerei-Gebäude an der
Weser-/Neckarstraße, das die Stadt (bzw. ihre Tochter WTF) seitdem für die
Nutzung als Küstenmuseum für etwa 40.000 Euro monatlich von ihm mietet (s.
Gegenwind 166 v. März 2001). Nach einem ähnlichen Modell soll das oben genannte
von Behnke erworbene Schulgebäude von der Stadt genutzt werden. Die Gegner des
geplanten Schulzentrums bezweifeln, dass dies aus städtischer Sicht die
wirtschaftlichste Lösung ist. Auch halten sie den Standort direkt an der stark
befahrenen Virchowstraße für ungeeignet, zu groß sind nach ihrer Meinung die
Gefahren und auch die Lärmbelästigung für die Kinder. Gleichzeitig steht mit der
Oldeoogeschule eigentlich ein Standort zur Verfügung, der hinsichtlich
Ausstattung und Lage allen Anforderungen genügt. Dort wurde in den vergangenen
Jahren viel Geld und Herzblut investiert. LehrerInnen, Eltern und ihre
Unterstützer im Rat sehen keinen vernünftigen Grund, warum diese nun zu Gunsten
des „Modell Behnke“ geschlossen werden soll.
In Schutz nahmen SPD-Vertreter den Stadtelternrat, für dessen Engagement bei der
Entscheidungsfindung sich Menzel ausdrücklich bedankte. Dieses ehrenamtliche
Gremium fühlte sich vor allem durch Anwürfe aus der Jamaika-Gruppe ziemlich
angeschossen, wie StER-Vorsitzender Bernd Rahlf in der Einwohnerfragestunde zum
Ausdruck brachte.
Schulentwicklungsplan
Grundschulen 2007-2013 (kursiv: Anträge des StER, die vom Rat angenommen
wurden)
1. Der Rat der Stadt Wilhelmshaven bekennt
sich zu seiner Verantwortung für ein bedarfsgerechtes, qualitativ und
quantitativ ausreichendes wohnortnahes Grundschulangebot. Er wird deshalb die
Standorte der Wilhelmshavener Grundschulen vor dem Hintergrund der
demographischen Herausforderungen und der wachsenden Ansprüche an die
Grundschule bis zum Beginn des Schuljahrs 2010/11 neu ordnen.
2. Zum Schuljahr 2008/09 wird im Gebäude
der ehemaligen Realschule Helene-Lange-Schule eine neue Grundschule
eingerichtet, zugleich werden die Grundschulen Allerstraße, Oldeoogeschule und
Kathrinenfeld aufgehoben. Die GS Kathrinenfeld wird erst aufgehoben, bis
die GS Mühlenweg mindestens den Bau- und Ausstattungsstand des Schulgebäudes
der GS Kathrinenfeld erreicht hat.
3. Zum Schuljahr 2009/10 werden die
Grundschulen Neuende und Neuengroden aufgehoben. Die beiden katholischen
Grundschulen Ansgarischule und Elisabethschule werden im Gebäude der
ehemaligen Orientierungsstufe Altengroden zu einer neuen katholischen
Grundschule zusammengefasst. Für den außerschulischen Lernort „Bildung für
Natur und Technik“ wird rechtzeitig ein angemessener neuer Standort
bereitgestellt.
4. Zum Schuljahr 2010/11 wird die
Grundschule Albrechtstraße aufgehoben. Die GS Sengwarden wird bis 2012 als
„Schule im Dorf“ erhalten. 2012 erfolgt eine erneute Überprüfung der
Schulqualitätskriterien gem. dem aktuellen Schülerbestand.
5. Der Rat der Stadt Wilhelmshaven wird
die erforderlichen Einzelbeschlüsse über die Aufhebung oder Einrichtung der
jeweiligen Standorte rechtzeitig zu den einzelnen Schuljahren fassen und dabei
auch die Einzugsbereiche so festlegen, wie es den Anforderungen einer
gleichmäßigen Auslastung der Standorte und den Anforderungen einer
wohnortnahen Beschulung entspricht.
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Saubere Lösung? (1)
Die LAW sorgt sich um die Zukunft der städtischen
Reinigungskräfte. Zusammen mit dem Hausmeisterdienst sollen sie in den
städtischen Eigenbetrieb GGS (Grundstücks- und Gebäudeservice) überführt werden,
zudem wird die Reinigung von Schulen weiter privatisiert. Im Rahmen einer
Kleinen Anfrage erkundigte sich LAW-Ratsmitglied Johann Janssen, ob und wie sich
das auf die Arbeitsbedingungen auswirkt. Dezernent Jens Stoffers gab Auskunft:
Nach einem einjährigen Kosten- und Leistungsvergleich, der im Ergebnis für die
Fremdreinigung durch private Anbieter sprach, hatte der Rat Ende 2004 diese
strukturellen Änderungen beschlossen. Seitdem wurden 17 städtische Gebäude (etwa
ein Drittel der Fläche) auf Fremdreinigung umgestellt. Von der Überführung der
städtischen Kräfte in die GGS verspricht man sich „Synergieeffekte“ und
Einsparung von Personalkosten (was auch sonst?). Die Tarifverträge und die damit
verbundenen Leistungen und Arbeitszeitregelungen sollen bestehen bleiben, auch
Verträge zur Altersteilzeit behalten ihre Gültigkeit – dazu ist die Stadt als
Mitglied im Kommunalen Arbeitgeberverband verpflichtet. Der Personalabbau soll
im Rahmen der „natürlichen Fluktuation“ erfolgen.
v
Jetzt doch
Lange hat sich die SPD gegen die Einführung einer „Aktuellen Stunde“ im
Rat gesperrt – mit der neuen „Jamaika“-Mehrheit wurde sie nach der letzten
Kommunalwahl dann doch durchgesetzt. Erstmals wurde nun davon Gebrauch gemacht –
ausgerechnet von der SPD! Thema war die Verlegung des Wochenmarktes in F’Groden
von der Posener Straße zurück auf den Kirchplatz. Nach diesem Beschluss (gegen
die Stimmen der SPD) in der vergangenen Ratssitzung waren Marktbeschicker und
Geschäftsleute Sturm gelaufen. Damit wirklich alle Interessen berücksichtigt
werden, schlug SPD-Sprecher Wilfrid Adam, wieder im Rückgriff auf eine
Vereinbarung im Jamaika-Kooperationspapier, vor, einen „Runden Tisch“ zum Thema
einzurichten und nach ausführlicher Diskussion erneut über den Standort zu
beschließen. Die 30 Minuten, die eine „Aktuelle Stunde“ dauern darf, wurden von
allen voll ausgenutzt, um bekannte Argumente nochmals aufzuwärmen bzw.
umzurühren. Adam beendete dies mit dem Hinweis, der Appell sei da – eine
„Aktuelle Stunde“ beinhaltet keinen Antrag bzw. Beschlussvorschlag.
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Saubere
Lösung? (2)
Die Mehrheit des Rates nickt immer noch routinemäßig ohne große
Diskussion weitere Bauvorhaben und damit Versiegelungsmaßnahmen in der Stadt ab.
Gleichzeitig sind die Probleme durch steigende Regenwasserabflüsse Thema Nummer
eins – sprich Abschlag von Mischwasser am Südstrand -, und man diskutiert, wie
man die (durch Hausabwässer verunreinigten) Wassermassen kostengünstig in den
Griff kriegt. Allein die LAW wagte jetzt den Ansatz einer ganzheitlichen
Betrachtung, wo nicht nur Symptome, sondern auch Ursachen zur Diskussion
gestellt werden. Nämlich: Soll es mit der Versiegelung von Flächen so
weitergehen wie bisher? Warum werden, z. B. in der Genossenschaftsstraße, keine
Bäume nachgepflanzt? Zudem werden versiegelte Flächen wie Gehwege mit der
chemischen Keule von sogenanntem „Unkraut“ befreit. „Unkraut wächst da, wo wenig
oder kein Lauf ist, warum wird nicht entsiegelt?“ wollte Johann Janssen wissen.
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Die Verwaltung rechtfertigte die Versiegelung bzw. die ausbleibende Entsiegelung
von Flächen mit zu hohen Kosten für die Unterhaltung sowie der
Verkehrssicherheit, auch wurde auf den „historischen und gestalterisch
wertvollen Charakter“ bestimmter Flächen verwiesen. Folgekosten wie das
Regen-/Mischwasserproblem wurden nicht angesprochen, oder anders gesagt, sie
belasten andere Haushaltstitel und werden deshalb vernachlässigt. Historie?
Historische Plätze, wie vielleicht der Banter Markt, wurden zu einer Zeit
durchgepflastert, als sie tatsächlich genutzt wurden und als das gesamte
Stadtgebiet noch von unversiegelten Flächen durchzogen war. Moderne
Entwicklungen und Erfordernisse sollten bei der Sanierung berücksichtigt werden.
Und ob die Neuversiegelung gewaltiger Flächen wie z. B. zwischen Rhein- und
Jadestraße gestalterisch wertvoll und vor allem notwendig war, ist mehr als eine
Geschmacksfrage. Nee, eine wegweisende Antwort der Verwaltung auf ein ernst zu
nehmendes Thema war das nicht.
L
Was den Einsatz von Herbiziden angeht, wurde auf
einen „Modellversuch“ der Stadtreinigung mit Ausnahmegenehmigung der
Landwirtschaftskammer verwiesen. In einem „umweltschonenden“ Verfahren würden
die „Pflanzenschutzmittel“ (?) direkt auf die Wildkräuter aufgestrichen. Dieser
„Modellversuch“ dauert jetzt übrigens schon etwa 5 Jahre (s. „Umweltsplitter“
vom November 2002 – Gegenwind 185). Wann und wie wird er ausgewertet, was sind
die Ergebnisse? Damals setzte sich übrigens FDP-Ratsherr Michael von Teichman
vehement gegen diese Praxis ein. Ob dort oder anderswo, vielleicht sollte sich
Johann Janssen im Rat zu diesem Thema Verbündete suchen, damit es nicht einfach
im Protokoll versinkt.
Auf den Friedhöfen dürfen, so die Verwaltung, auf Grund gesetzlicher Regelungen
grundsätzlich Spritzmittel eingesetzt werden, was nach Bedarf (maximal 2mal pro
Jahr) ausschließlich auf wassergebundenen Wegeflächen passiert. Ansonsten
erfolge, außer einmal jährlich auf der „Rambla“, kein Einsatz von Spritzmitteln.
Und all das Zeugs bzw. dessen Ab- und Umbauprodukte landen irgendwann im
Wasserkreislauf. L
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Gesunde Kinder
wünscht sich die SPD und beantragte deshalb
verschiedene Maßnahmen, um Fehlentwicklungen und deren Ursachen frühzeitig zu
erkennen und diesen entgegenzuwirken. Dazu gehören zum Beispiel flächendeckende
Eingangsuntersuchungen auch für Kindertagesstätten und ein Netzwerk für „frühe
Hilfen“. Biehl befürchtete, dass damit genau die Kinder nicht erreicht würden,
die am meisten betroffen sind – weil die Eltern sich KiTa oder Kindergarten
nicht leisten können, oder „die verschwinden, weil die Eltern die Schulden für
das Mittagessen nicht zahlen können.“ Trotz des – berechtigten und
nachdenkenswerten – Einwandes schloss er sich dem einstimmigen Beschluss für den
Antrag an.
v Saubere
Lösung? (3)
Gleich mehrere neue Kohlekraftwerke sollen, wie der
OB in den letzten Wochen verlauten ließ, im Norden der Stadt entstehen – im
Hinblick auf den Klimawandel kein besonders origineller Vorschlag. Der Beitritt
Wilhelmshavens zu SolarLokal (einer bundesweiten Imagekampagne für Solarstrom)
vor einigen Monaten klingt da schon interessanter. Die LAW wollte jetzt im
Detail wissen, wie ernst es der Stadt – auch als Vorbild für BürgerInnen - mit
der Einsparung von Energie bzw. CO2 ist. Dazu Umweltdezernent Jens
Graul: Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix beträgt beim städtischen
Stromlieferanten GEW derzeit 15,5% (Bundesdurchschnitt: 11,1%). Eine Anfrage an
die GEW für die Versorgung von drei repräsentativen Gebäudekomplexen mit 100%
Ökostrom ist erfolgt. Im Rahmen eines Contractings zwischen Stadt und
Stadtwerken wurden 14 Gebäude energietechnisch saniert. Im Zusammenhang mit dem
Vertrag zur Wärmelieferung durch die GEW werden Heizanlagen fortlaufend von Öl-
auf Gasfeuerung umgerüstet und Brennwert- oder Niedertemperaturheizkessel
eingesetzt. In Stadtverwaltung und Schulen kommen fast nur Leuchtstoff- und
Energiesparlampen zum Einsatz. In 14 Schulen wurden die Leuchten in den
Klassenräumen komplett erneuert, das Programm wird fortgesetzt. 2007 wird die
Sanierung der Beleuchtung im Rathaus abgeschlossen.
Interessant wäre zu erfahren, wie viel Energie und CO2 dadurch
bereits eingespart wurde.
v
Ins Trudeln
brachte der Wechsel von Gerold Tholen von der LAW zur
BASU nicht nur die Sitzverteilung der Gremien, sondern auch MitarbeiterInnen der
Verwaltung: Bei der Abwicklung des Verfahrens zur Umbesetzung der Ausschüsse gab
es ziemliches Durcheinander. Je nach Größe des Ausschusses musste zwischen
Grünen und BASU und ggf. auch SPD gelost werden. Im Einzelnen ist die neue
Zusammensetzung der Gremien dem Ratsinformationssystem zu entnehmen. Spannend
wurde es bei einem Deal zwischen Grünen und BASU, als es um die Neubesetzung der
Ausschussvorsitze ging: Die BASU verzichtete auf das Los für den
Verwaltungsausschuss, durch den Werner Biehl (Grüne) möglicherweise seinen Sitz
und damit Bürgermeister-Posten verloren hätte; dafür trat Biehl den Vorsitz im
Umweltausschuss an Joachim Tjaden (BASU) ab, die Grünen wiederum konnten sich so
den Kulturausschuss greifen. Nachdem alle kapiert hatten, dass und weshalb
dieser Schachzug verfahrensrechtlich zulässig ist, ging das so über die Bühne.
Die LAW verlor mit Tholen auch den Fraktionsstatus und damit die Grundmandate
für alle Ausschüsse bis auf einen. Janssen entschied sich für den Ausschuss für
Soziales und Gesundheit.
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Klare Worte
durfte Johann Janssen
anlässlich Tholens Fraktionswechsel sprechen. Er fasste sich kurz: Tholen sei
für die LAW und deren Ziele in den Rat gewählt worden, und es sei undemokratisch
und den WählerInnen gegenüber unfair, das ihm übertragene Mandat nun anderweitig
auszuüben, statt es an die LAW zurückzugeben. Dass der Ratsvorsitzende ihm die
Möglichkeit zu dieser Stellungnahme gab (J),
mag damit zu tun haben, dass Norbert Schmidt es ebenfalls nicht leiden kann,
wenn Ratsmitglieder nach der Wahl das Lager wechseln.
v
Selbsterkenntnis
Erst eine ganze Zeit später
wurde bemerkt, dass die SPD sich bei der Neubesetzung der Vorsitze einen
Ausschuss gegriffen hatte, der bereits vergeben war. Dazu Adam: „Ist doch klar –
wenn ich ‚Straße und Grün’ sage, meine ich ‚Grundstücke und Gebäude!’“ In der
Tat.
v
No Dumping
Die LAW beantragte, dass bei
der Vergabe städtischer Aufträge nur solche Firmen berücksichtigt werden, deren
Beschäftigte nach den offiziellen Tarifabschlüssen behandelt und bezahlt werden.
CDU-Sprecher Günther Reuter beantragte Nichtbefassung, da dies bereits beachtet
würde. Die Rechtsabteilung der Verwaltung bestätigte, dass die Stadt die
Tariftreueerklärung unterzeichnet habe. Gegen Janssen und bei zwei Enthaltungen
(Tjaden, Tholen) schloss sich der Rat Reuters Antrag an. Ob die jetzige
Kontrolle wirklich alle beteiligten Subunternehmer erreicht, sei dahingestellt.
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No Swimming
Eigentlich wollte die SPD
ihren Antrag aus der letzten Sitzung nochmals einbringen, wonach Hartz
IV-EmpfängerInnen und andere Bedürftige besondere Ermäßigungen für das neue
Schwimmbad „Nautimo“ erhalten sollen. Nun machte sie doch einen Rückzieher,
denn, so Ursula Aljets, es waren zwischenzeitlich „weitreichende Regelungen“ für
Familien oder Schüler getroffen worden, und man denkt laut darüber nach, auch
für wenig frequentierte Öffnungszeiten Rabatte anzubieten. Erwachsene
Arbeitslose wissen damit allerdings immer noch nicht konkret, ob sie sich den
Badespaß werden leisten können. Tjaden fand es schade, dass kein entsprechender
Beschluss zu Gunsten Betroffener zur Abstimmung stand – „alle Fragen sind
geklärt“, und schon in der letzten Sitzung zeichnete sich trotz Widerspruchs
eine knappe Mehrheit dafür ab. Wirklich schade.
L
v
Kein Sinn für
Interesse?
Eigentlich sollte der Termin für die Neuwahl des
Ausländerbeirats verschoben werden, nun denkt man eher darüber nach, dieses
Gremium ganz abzuschaffen. „Die Begeisterung der Ausländer im Beirat tendiert
gegen Null“, meinte Uwe Reese (SPD). Biehl ergänzte: Bei der Gründung des
Beirates sei dieser notwendig gewesen, nun gäbe es Gesetze, die die Rechte der
ausländischen MitbürgerInnen gewährleisten. Janssen wusste, dass die
Migrationsberatung zurzeit etwas vorbereitet, das den Beirat ersetzen könnte.
Na ja. Vielleicht sollte man die MigrantInnen mal selbst fragen, warum sich ihr
Engagement im Beirat in Grenzen hält?
v
Groschengrab
Immer mal wieder schiebt die Stadt Geld in verschiedenste Gesellschaften
zum Wohle des Aufschwungs, sprich des JadeWeserPorts. Diesmal ging’s um 25.000
Euro für die Ende 2006 gegründete Vermarktungsgesellschaft „JadeWeserPort
Logistics Zone GmbH“. Grundlage ist eine Grundsatzvereinbarung und der darauf
basierende Kooperationsvertrag zwischen der Stadt und dem Land Niedersachsen.
Dazu zählt auch die Gründung einer Vermarktungs- und
Immobilienmanagement-Gesellschaft. Die Beteiligung kann erstmals im Jahr 2012
gekündigt werden. Weitere Gesellschaftsanteile (zwischen 1,5 und 5,5% des
Stammkapitals von 100.000 Euro) wurden den Landkreisen Friesland, Wittmund und
Wesermarsch zum Kauf angeboten. Man wolle „im Spiel der großen Global Player
mitmachen“, zitierte Adam Detthold Aden. Dieser Beschluss sei ein Startsignal
für den JWP. „Das ist nun schon das dritte Startsignal – im Sport bedeuten drei
Fehlstarts den Wettkampfabbruch“, lästerte Tjaden. Gegen seine und Janssens
Stimme wurde die Beteiligung an der „Logistics Zone“ beschlossen.
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Groschenquelle
Mit EU-Mitteln (EFRE) soll ein „Integriertes Wachstums- und
Entwicklungskonzept“ umgesetzt werden. Umstritten war, ob auch Gelder zur
Wieder-Öffnung der ersten Einfahrt für touristische Zwecke (Wassersportler)
beantragt werden sollen. Die CDU hält das für „Spökenkiekerei“. Menzel wies
darauf hin, dass auch die Schleusung von Yachten durch die 4. Einfahrt für die
Stadt nicht umsonst sei, man zahle dafür „einen gewissen Beitrag“ an den Bund.
(Interessant, am Rande, dass man Yachtbesitzer für ihr Freizeitvergnügen klaglos
bezuschusst, bei mittellosen Schwimmern aber einen Aufstand davon macht.)
Norbert Schmidt nannte weitere Maßnahmen, z. B. die Erneuerung der südlichen
Rathausfassade, die noch den „Charme der 50er Jahre“ ausstrahle. Man erwägt,
dort auch neue Fenster einzubauen. (Licht und Sauerstoff für den Pressetisch
statt den muffigen Vorhang im Nacken – ich bin dafür!) Übrigens taucht auch die
Südzentrale in der Vorschlagsliste auf (ggf. Förderung als historisches Erbe
durch das für 2009 vorgesehene Programm „Städtischer Denkmalschutz“). J Das
Konzept wurde mit knapper Mehrheit zustimmend zur Kenntnis genommen.
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Reflektionen
Am Rande einer Debatte hatte Holger Barkowsky (SPD) die Frage
aufgeworfen, wie von Teichman überhaupt noch durch die Tür des Ratsaals passen
würde mit dem riesigen Heiligenschein auf seinem Kopf. Angesichts der Option auf
neue Fenster in der Südwand des Sitzungssaals bat von Teichman darum, dafür
Sorge zu tragen, dass der Glanz seines Heiligenscheins nicht durch die starke
Lichteinstrahlung beeinträchtigt wird.
v
Schon wieder
’n Startschuss
Über 200 Seiten umfassten die Vorlage zur Änderung des
Flächennutzungsplanes sowie der darauf basierende Bebauungsplan für den
sogenannten Hafengroden. Tjaden riskierte die Frage, ob auch alle Ratsmitglieder
diese vorab studiert hätten: „Die Festsetzungen könnten uns einholen –
beschließen Sie nicht eine Vorlage, die Sie nicht kennen.“ Er verwies auf
unschöne Entwicklungen nach der Ansiedlung der Firma NOEX – „da hätten wir auch
genauer gucken sollen“. Hier erntete er keinen Widerspruch – wohl aber zu seiner
ersten Aussage. „Reflexartig reagierte der OB auf die Hafengegner“, schlug
Menzel selbst mir vor für die Zusammenfassung dessen, was folgte. Meinetwegen.
Punkt. Was Menzel von Tjaden hält, müssen wir nicht immer wieder abdrucken. Neu
allenfalls, dass der OB die Klagen der Hafengegner für „Rechtsmissbrauch“ hält.
Dass nicht allein diese, sondern auch Fehler im Planungs- und Vergabeverfahren
den ersten Spatenstich verzögert haben, sagte er nicht.
Janssen brachte in Erinnerung, dass Tjaden kein verirrter Einzelkämpfer ist.
Auch er bekannte sich als Gründer der Antiport-Initiative, zu deren Zielen er
immer noch stehe. „Man darf nicht von DEN Menschen sprechen, die möglichst bald
Kräne auf dem Terminal sehen wollen, sondern allenfalls von einer Mehrheit.“
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Und zum Abschluss: Der
aktuelle Fäkalbericht
„Heute, 14 Uhr: Starkregen in Wilhelmshaven. Ab 14 Uhr 20: Beginn
der Abschläge am Banter Siel. 16 Uhr: Beginn der Badezeit am Südstrand“,
berichtete Monika Giesche-Emmerich, Sprecherin der BI gegen Fäkaleinleitungen am
Südstrand („Kaiserliche KanalarbeiterInnen“) brandaktuell bei der anschließenden
Einwohnerfragestunde. In diesem Sinne bedankte sie sich beim Rat für die vorab
gefassten Beschlüsse zur Verbesserung der Situation. Zunächst sollten nur
Maßnahmen zur Verminderung der Mischwasser-Einleitungen getroffen werden, man
entschied sich dann aber, parallel die (vermutlich teuerste, aber wirksamste)
Variante „Trennkanalisation“ auch prüfen zu lassen.
Lange Zeit wurde der BI quer durch den Rat vorgeworfen, sie seien
Nestbeschmutzer. Nicht die Dreck-Einleitungen waren von Übel, sondern die
Menschen, die dies öffentlich machten. Noch zur Eröffnung der Fäkal- pardon:
Badesaison gab es vom OB derartige Vorwürfe. Mittlerweile gibt es wohl einen
Sinneswandel. Menzel schimpfte im Rat nur noch auf Tjaden, weil auf dem
BASU-Bürgerportal fiese Karikaturen zum Thema veröffentlicht sind. Für die
Grünen, die anfangs auch mehr um das touristische Image als um die
Wasserqualität fürchteten, sagte Werner Biehl jetzt: „Dass die Vorlage (zur
Verbesserung der Situation) heute auf dem Tisch liegt, ist engagierten
BürgerInnen zu verdanken.“ Tjaden mahnte, „nicht auf BürgerInnen einzuschlagen,
die sich kümmern“. Es wäre schön, wenn Rat und Verwaltung daraus lernen und auch
bei anderen Initiativen dieser Art – von Anfang an - den konstruktiven Ansatz
erkennen und ein ebensolches Miteinander suchen würden.
Beschluss Mischwassereinleitung
in den Jadebusen
Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass die
derzeitige Praxis der Mischwassereinleitung in den Jadebusen über das Banter
Siel den gesetzlichen Anforderungen und anerkannten Regeln der Technik
entspricht.
Gleichwohl hält der Rat diese Praxis für
auf Dauer kaum vereinbar mit der Bedeutung des Südstrandes als Badegewässer
und Naherholungsgebiet. Er begrüßt deshalb, dass die Wilhelmshavener
Entsorgungsbetriebe zum Beginn der Badesaison erste Maßnahmen zur Reduzierung
der Mischwasserabschläge um etwa 20% eingeleitet haben.
Die WEB werden beauftragt, auf Grundlage
der vom Institut für wissenschaftlich-technische Hydrologie (ithw) und dem
Forschungszentrum Terramare vorgelegten Zwischenergebnisse, die Maßnahmen zur
Optimierung des bestehenden Mischwassersystems (Feinsiebung, Abtrennung von
Gebieten, Aktivierung von Speichervolumen im Kanalnetz und Erhörung der
Pumpenleistung zur Zentralkläranlage) vertiefend untersuchen zu lassen und
daraus Vorschläge für konkrete Maßnahmen ab dem Jahre 2008 zu entwickeln und
in den Wirtschaftsplan einzustellen.
Parallel wird von den WEB ein
unabhängiges, mit Druckentwässerung und Freigefälleentwässerung vertrautes
Institut / Hochschule mit einer Machbarkeitsstudie für ein Trennsystem
beauftragt.
Ziel soll es sein, die Auswirkungen der
Abschläge über das Banter Siel auf 20% des dargestellten Umfangs zu
reduzieren.
Gegenwind 229 - August 2007
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