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Gegenwind 224 - Januar / Februar 2007
Jade-Allee
Von der City ans Wasser – von der
Nordseepassage zum Banter Siel
(hk) Dass Wilhelmshaven schrumpft, ist allgemein bekannt –
dass Wilhelmshavens Politiker und Verwaltungschefs dabei sind, dieser
Entwicklung entgegenzutreten, ist dagegen noch nicht so öffentlich geworden.
Aber es ist so. Eine der Kampagnen, die Wilhelmshaven vor noch größerer
Bedeutungslosigkeit bewahren soll, ist die Jade-Allee.
Die Jade-Allee soll den südlichen Ausgang der
Nordseepassage mit dem Jadebusen verbinden. Dass an dieser Stelle rein zufällig
gerade die Fäkalien der Stadt durch das Banter Siel in den Nationalpark
Wattenmeer gelangen, ist dabei nur ein Schönheitsfehler, der eigentlich nicht so
bekannt werden sollte.
Die Leute des Bremer Planungsbüros plan-werkStadt und der Oldenburger
Stadtentwicklungsgesellschaft re.urban stellten auf der Bauausschusssitzung
Anfang Januar ihre vorbereitende Untersuchung zur Jadestraße / Wiesbadenbrücke /
Innenhafen vor.
Dabei geht es um die Überplanung des Gebietes vom Valoisplatz über die
Deichbrücke, vorbei an Pumpwerk und Wiesbadenbrücke, auf der linken Seite das
Gelände des neuen Columbia-Hotels,
rechts die
ehemalige Prince-Rupert-School (heute Erwartungsgelände für den
Biotechnologiepark), vorbei an der Banter Ruine über den Grodendamm, durch das
Gelände des Freizeit- und Gartenvereins Banter See hin zum Banter Seedeich und
zum bereits erwähnten Banter Siel.
Hier soll nach dem Willen unserer Stadtplaner die Jade-Allee entstehen – eine
Prachtstraße die die Wilhelmshavener City mit dem Meer verbindet. Und damit soll
dann eben die Abwanderung gestoppt und die Zuwanderung gefördert werden. Das
jedenfalls geht aus dem oben erwähnten Gutachten hervor (Seite 28 und Anhang).
Für die
Untersuchung liegen mehrere Anlässe vor:
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Für eine Reihe von
Grundstücken im Untersuchungsgebiet bestehen Bau- und sonstige
Nutzungsabsichten, die für eine geordnete städtebauliche Entwicklung einer
Einordnung in ein Gesamtkonzept bedürfen.
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Die ehemals militärisch
genutzten Flächen sind verfügbar geworden bzw. werden es in absehbarer Zeit
sein, die ohne eine unterstützende Maßnahme nur schwer einer qualifizierten
Neunutzung zugeführt werden können.
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Mit diesem
Entwicklungsbereich wird das stadtentwicklungsplanerische Ziel verfolgt,
Innenstadt und Innenhafen an ihrer engsten Nahtstelle räumlich, funktional und
stadtgestalterisch zusammenzuführen.
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Es besteht ein
städtisches Interesse daran, die mit dem Bau des JadeWeserPorts zu erwartende
Nachfrage nach Bauflächen auf die Binnenentwicklung der Stadt zu lenken und
dafür ein qualifiziertes Stadtquartier in besonderer Lage anzubieten.
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Mit dem Bau des
JadeWeserPorts gehen wassernahe Freizeitflächen verloren, die auf den Flächen
des Untersuchungsgebietes zumindest
teilweise ersetzt werden können.
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Mit neuen Stadtquartieren
am Wasser soll das spezifische Image Wilhelmshavens gestärkt werden.
Quelle: Vorbereitende
Untersuchungen Jadestraße / Wiesbadenbrücke / Innenhafen, September 2006
Eine solche Planung ist nötig, denn die Gegend dort sieht
ja wirklich schlimm aus. Doch wie sieht nun die Planung konkret aus?
Abriss
der Sporthalle Süd
Auf der Seite 22 wird die Sporthalle Süd als „Fehlnutzung“
bezeichnet. Ein Abriss, wie ihn der SPD-Politiker Norbert Schmidt fordert, würde
eine Fehlentwicklung für die Bevölkerung der Südstadt bedeuten – es sei denn,
man sorgt für einen adäquaten Ersatzbau.
Ersatz für Campingplatz Geniusbank
Auch das ist wieder typisch Wilhelmshaven: Da wird im
Stadtnorden das Freizeit- und Campinggebiet Geniusbank geschliffen. Um dafür
jetzt einen Ersatz zu bieten, will man die Freizeitgärten (lt. Untersuchung auch
eine Fehlnutzung) zwischen Banter See und Banter Seedeich platt machen, um hier
dann z.B. einen Campingplatz zu errichten. Das sind Geschichten aus dem
Tollhaus!
Kein Umzug JadeStahl
Der Bauausschussvorsitzende Bernhard Rech machte von
vorneherein klar, dass „keine wirtschaftliche Aktivität unter den Planungen
leiden darf“. Doch welchen Wert hat eine in erster Linie auf Freizeit, Erholung
und Wohnen ausgerichtete Planung, wenn wenige Meter davon entfernt mit lautem
Getöse der Schrott der halben Welt verarbeitet wird? Zum Lärm kommen noch die
Staubentwicklung und die Geruchsbelastung durch das Verbrennen von
Isoliermaterial.
Ebenfalls problematisch ist der Verbleib der Firma RCL (Aufbereitung von
Sperrmüll und Plastikmüll). Von dieser Firma weht oftmals ein übler
Verwesungsgeruch über den beplanten Bereich durch die Verwesung organischen
Materials, das den dort verarbeiteten Wertstoffen anhaftet.
Altlasten
Der Skandal um die Altlasten auf dem Gelände des geplanten
Columbia-Hotels ist uns allen noch geläufig. Die Untersuchung geht davon aus,
dass praktisch im gesamten Bereich mit Altlasten zu rechnen ist:
Da das gesamte Gebiet zwischen Hafenentstehung um 1900 und Abzug
der Bundeswehr ca. 2003 militärisch-industriell genutzt wurde, ist
flächendeckend mit Altlasten zu rechnen.
Es gibt Hinweise, wonach große Mengen an Treibstoff im Boden versickert sein
müssen – sei es durch Zerstörung des „Bunkers 16“, durch Schäden an der sog.
„Schweröl-Ringleitung“ oder durch Ablassen von Treibstoff aus sonst bei
Fliegerangriffen explosionsgefährdeten Kesselwagen. Derartige Vorfälle führen
fast immer zu großflächigen Verschmutzungen. Insofern kommen auch beauftragte
Altlasten-Gutachter zu dem Schluss, dass sich eine lokale Eingrenzung möglicher
Verdachtsflächen erübrigt und von einem Generalverdacht auszugehen ist.
Ähnliches gilt für Blindgänger, wobei diese allerdings leichter zu lokalisieren
und zu bergen sind. Ein Verdacht wird im konkreten Planungsfall durch
Luftbildauswertung präzisiert. (Untersuchung Seite 25)
Für die Stadtplaner stellen
diese Altlasten erst einmal kein Problem dar: Das müssen die jetzigen
Grundstückseigentümer (zumeist der Bund) in den Griff bekommen, meinte
Stadtbaurat Kottek.
Einen typisch nach
Wilhelmshaven schmeckenden Bonbon gab es noch gratis dazu.
Alles schon beantragt
Wie das in Deutschland mit der Demokratie läuft, ist
vielen bekannt: Das Volk wählt sich seine Vertreter, die die Politik bestimmen.
Und diese Politik muss dann von der Exekutive (also der Regierung, der
Verwaltung...) umgesetzt werden. Damit dabei aber nichts schief läuft, hat man
in Wilhelmshaven den Weg etwas verändert. Die Verwaltung hat die Planungen
nämlich schon längst beschlossen und die entsprechenden Fördermittel beim Land
und beim europäischen EFRE-Förderprogramm angemeldet. Der Stadtrat (der die
Gesetze macht) darf dann noch über die Farbe des Gehwegpflasters beschließen –
und natürlich die Beschlüsse der Verwaltung absegnen.
Die Katze ist aus dem Sack
Seit Monaten geistert die Sporthalle Süd (Weser- /
Jadestr.) durch die Köpfe der Stadtplaner – liegt sie doch genau in deren
Blickfeld von der Nordseepassage in Richtung Deichbrücke. Sie behindert die
Realisierung des Kottekschen Traumes von der Sichtachse von der Innenstadt zum
Meer. Immer wieder gab es leichte Andeutungen, dass es doch sehr schön wäre,
wenn diese Sporthalle dort nicht stände. Einen „stadtplanerischen Fehltritt“
nannte ein Mitglied des Bauausschusses die Lage der Sporthalle. Aber kann man
Sporthallen einfach abreißen? Und dann gerade noch die Sporthalle in der
Südstadt, die ja bekanntlich im Präventionsplan des Stadtteils eine so
bedeutende Rolle spielt! Nun hat sich der aufstrebende SPD-Berufspolitiker
(WZ vom 27.01.07) Norbert Schmidt ein Herz gefasst und es klar ausgesprochen:
Man müsse, so Schmidt laut Wilhelmshavener Zeitung vom 25. Januar 2007,
„mittelfristig auch über den Abriss der Sporthalle Süd nachdenken, die die Achse
von der Passage bis ans Wasser versperrt.“ (hk)
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