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Gegenwind 224 - Januar / Februar 2007
Boomtown ade
Zerplatzen Wilhelmshavens Milliardenträume?
(hk/jt) Was waren das für Schlagzeilen im letzten Jahr!
Wilhelmshaven entwickelte sich plötzlich zur Boomtown. Die Firmen priesen ihre
Milliardeninvestitionen täglich neu an. Die Umweltschützer wussten schon gar
nicht mehr, mit welchem Projekt sie sich auseinandersetzen sollen, um die
schlimmsten Umweltprobleme in den Griff zu bekommen.
Hoch flogen die Erwartungen Wilhelmshavens – die Zahl der
bald geschaffenen Arbeitsplätze war schon kaum noch zu beziffern. Eine
Gesellschaft zur Handhabung des Ansturms der Arbeitermassen wurde gegründet.
Doch dann ganz plötzlich:
ConocoPhillips zieht seine 2 Milliarden schweren Investitionspläne zurück – legt
sie, so die allgemeine Hoffnung in Wilhelmshaven, erst einmal auf Eis.
Dann der nächste Knock-out: Von einem Tag auf den anderen zieht ICI-Ineos alle
Planungen für Wilhelmshaven zurück. Die nächsten Milliarden gehen den Bach
runter. Einen üblen Beigeschmack hat die Entscheidung der INEOS: Wenn keine neue
Chlorgas-Anlage auf dem Voslapper Groden gebaut wird, muss die Anlage in
Rüstersiel in Betrieb bleiben. Damit würde auch die Chlorgasleitung zwischen den
beiden Betrieben weiter betrieben werden. Nicht gerade ein Pluspunkt für den
geplanten JadeWeserPort!
Was bleibt von den Milliardenträumen?
Da wäre zum einen die Deutsche Flüssigerdgas Terminal
Gesellschaft dftg. Die Planung für die Anlandung von verflüssigtem Erdgas hat
inzwischen wohl schon ihr Silber-Jubiläum feiern können. Alle Jubeljahre wieder
tauchen die Planungen aus der Versenkung auf – die Teilhaber schauen sich um im
Land, stellen fest, dass es immer noch zu teuer ist, Erdgas auf –162 Grad
abzukühlen und auf Schiffe zu pumpen, um es dann einige tausend Seemeilen
entfernt wieder in den gasförmigen Zustand zu versetzen und zum Verbraucher zu
befördern. Gibt es inzwischen höhere Fördergelder vom Bund? Wenn nicht, dann
taucht man eben wieder für einige Jahre ab. Das ist auch keine sichere Bank für
die industrielle Entwicklung Wilhelmshavens.
Doch die Kraftwerke – da passiert bestimmt
etwas.
Der letzte Hoffnungsschimmer ist die mögliche Ansiedlung
eines Kraftwerks des belgischen Stromkonzerns Electrabel. Die Entscheidung wurde
vom Konzern für Anfang 2007 angekündigt. Ob die e-on ihr Kraftwerk Wilhelmshaven
noch erweitern wird, steht ebenfalls in den Sternen – feste Zusagen gibt es auch
hier noch nicht.
Was bleibt, ist der JadeWeserPort – doch auch da kommt man
nicht so richtig weiter.
Nachdem die Ankündigungen, der JadeWeserPort würde im Jahr 2006 in Betrieb
gehen, verklungen waren, kamen immer wiederkehrende Ankündigungen, dass der
nötige Planfeststellungsbeschluss in den nächsten Monaten kommen wird. Zuerst
war es das Jahresende 2004 (kein Druckfehler), dann das Frühjahr 2005, der
Sommer 2005, der Herbst 2005, der Spätherbst 2005. Diese Meldungen wurden
seitdem in gleicher Reihenfolge wiederholt, nur das Jahr wurde angepasst.
Das hat sich jetzt grundlegend geändert. Das Land Niedersachsen, die
JWP-Realisierungsgesellschaft, die Wasser- und Schifffahrtsdirektion und der OB
haben sich jetzt darauf verständigt, jegliche Zeitangaben für den möglichen
Baubeginn des JWP wegzulassen, was die Ankündigung des Stadtkämmerers, die Stadt
wolle im Jahr 2007 ca. 800.000 Euro in Infrastrukturmaßnahmen im Umfeld des JWP
stecken, nicht gerade einleuchtender macht.
Wie schrieben die VDI-Nachrichten unter der Überschrift „Schlicktown zu
Boomtown“im Frühjahr des letzten Jahres über den ach so erfolgreichen
Wilhelmshavener Wirtschaftsförderer: Doch wenn
Wirtschaftsförderer Wolfgang Frank über den Deich am Voslapper Groden schaut,
dann sieht er zwischen den tanzenden Schneeflocken auch einen breiten
Silberstreif über dem 315 ha großen Brachland. Schon in drei Jahren sollen sich
hier Container aus aller Welt türmen: Denn hier entsteht der JadeWeserPort,
Deutschlands einziger Tiefwasserhafen. Nur wenige Kilometer entfernt lassen sich
schon die Silhouetten einer Raffinerie erkennen und eines neuen
Flüssiggas-Terminals sowie die Anlagen einer neuen Chemiefabrik zur Herstellung
von Chlor- und Vinylchlorid-Produkten."Das ist aber nur ein Teil dessen, was
hier passieren wird", sagt der Wirtschaftsförderer mit sichtlichem Enthusiasmus,
"am Ende wird ein Drittel des gesamten Stadtgebietes mit neuen Firmen und neuen
Arbeitsplätzen bebaut sein." Und alles nur wegen des neuen Tiefwasserhafens.
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