|
| |
Gegenwind 214 - Januar / Februar 2006
Leserbriefe
„WHO
IS WHO“ beim GEGENWIND?
Habe ich da die Ankündigung eines Ratespiels
verpasst? Wann ist Einsendeschluss, und was kann man gewinnen?
(cs) Schon seit längerer Zeit frage ich mich, wer oder was sich eigentlich
hinter den rätselhaften Kürzeln im einleitenden Teil der Gegenwind-Artikel
verbirgt.
Bisher dachte ich, daraus könne man - verbunden mit dem Impressum - den Autor
des jeweiligen Beitrages ableiten. Das ist aber immer öfter auch ausgewiesenen
Um-die-Ecke-Denkern nicht mehr möglich. Unschwer zuordnen kann man (ub), (hk)
oder (iz). Selbst (red) scheint entschlüsselbar. Schon anspruchsvoller, aber
auch nicht unlösbar ist dagegen (noa). Aber wer in Dreiteufelsnamen verbirgt
sich hinter (jes) oder (jm) ? Liebe (red), Aufklärung tut Not!
Neuerdings taucht zudem immer öfter (jt) auf. Der
erschließt sich dem regelmäßigen Leser leicht (alle, die lieber selbst raten
wollen, bitte nicht weiterlesen!) als Ratsherr Joachim Tjaden. Der schreibt auch
gern mal einen Leserbrief oder berichtet über seine neue Wählergemeinschaft –
wie in der aktuellen Ausgabe 213. Gleich 4 Beiträge können wir da von ihm lesen;
denn nicht zu vergessen die Kolumne „ACKIS Rundschlag“. Nix dagegen, solange er
das unter seinem vollen Namen und damit als Gastautor identifizierbar tut. Lese
ich nun aber auch noch das nicht erläuterte Kürzel (jt), beginne ich mich zu
fragen, ob Acki Tjaden nun nicht mehr nur als Leserbriefschreiber, Gastautor
und Kolumnist fungiert, sondern auch noch zum vollwertigen Redaktionsmitglied
avanciert ist? Das wäre nur folgerichtig, immerhin ist er faktisch längst
tragende Säule des schreibenden Gegenwind-Teams. Da kann nur die (Vorsicht,
Lob!) erstaunliche Produktivität von (noa) mithalten. Wieso steht Tjaden dann
aber nicht im Impressum? Kann das Kürzel (jt) gar der eher unbewusste Versuch
sein, zu kaschieren, dass der Gegenwind zunehmend zum persönlichen Presseorgan
von Tjaden mutiert? Kann man jetzt auch Leserbriefe mit Initialen
unterschreiben, die trotzdem Chance auf Veröffentlichung haben? Oder handelt es
sich nur um interne Vermerke fürs Archiv, die eine spätere Zuordnung der – nicht
öffentlichen - Verfasser zu ihren Beiträgen erleichtern sollen? Fragen über
Fragen für jemanden, der sich im Presserecht so gar nicht auskennt.....
Falls es sich doch um ein Preisausschreiben handeln sollte,
teilt doch bitte nochmal die Spielregeln mit. Für mich wichtige Fragen: Wird
auch freie Suggestion gewürdigt? Wie anders kann man Erfolg haben? Sind
Fördermitglieder des Gegenwind-Vereins von der Teilnahme ausgeschlossen?
Und last but not least: Was ist mit Theda? In der
Hoffnung, mir mit diesem Leserbrief nicht gänzlich die Chancen auf den
Hauptgewinn verdorben zu haben, verbleibe ich mit aufmunternden Grüßen
Claus Schulz
Weserstraße 33, 26382 WHV
Guten Morgen
Sonntag???
Die in Wilhelmshaven ansässige "Guten Morgen
Sonntag"-Redaktion veröffentlichte in ihrer Ausgabe Nr. 1/ 2006 als "Gespräch
der Woche" einen Bericht über eine in Wilhelmshaven lebende selbsternannte
Kartenlegerin namens Brigitte Mengeler unter dem Rubrum "Nicht mit den Wimpern
klimpern".
Da war in dem Bericht u.a. folgendes zu lesen: „... Psychopathen mit krimineller
Energie werden nach ihrer (Anm.: Frau Mengelers) Vorhersage die Bürger
verunsichern. ‚Ich denke da an die ehemalige Jugendherberge, wo entsprechende
Wohngruppen eingerichtet werden sollen; da ist nichts eingezäunt’". ....
Angesichts einer derart unterstellenden, diskriminierenden Aussage der
Kartenlegerin einerseits und der diesbezüglichen und insoweit erheblich
schlimmeren, weil vor allem wohl unseriösen, verantwortungslosen
Berichterstattung andererseits frage ich die "Guten Morgen Sonntag"-Redaktion,
wer mit Frau Mengeler dieses redaktionelle Gespräch denn führte und wer das
veröffentlichte Gespräch zuerst suchte: Die "Guten Morgen
Sonntag"-Redaktion oder Frau Mengeler selbst?
Dagegen wirkt der Schluss des Berichts mit der Aussage der Kartenlegerin "Ich
bin an meine Schweigepflicht gebunden" nur noch wie ein hilfloser Versuch, eine
wohl kaum aus den Karten gelesene, rein persönliche Meinung wiedergebende
Bürgerverunsicherung bzgl. der von ihr geäußerten psychopathischen kriminellen
Energie wieder auszubügeln. Was hat die Kartenlegerin eigentlich gegen
zukünftige psychisch erkrankte BewohnerInnen der ehemaligen Jugendherberge? Ist
es vielleicht die nicht sehr große räumliche Distanz zu ihrem Domizil in der
Fritz-Reuter-Straße? Ihre geäußerten erheblichen persönlichen Aversionen gegen
kranke Menschen haben jedenfalls nichts mit der Ausübung ihrer Tätigkeit des
Kartenlegens zu tun.
Insgesamt ist der Bericht ein Beispiel dafür, wie man ihn so nicht hätte
veröffentlichen dürfen, das hätte die "Guten Morgen Sonntag"-Redaktion in einer
Redaktionskonferenz besprechen oder vielleicht schon vorher besser aus dem
Kaffeesatz lesen können ...
Hans-Günter Osterkamp
Peterstraße 79, 26382 Wilhelmshaven
Liebe Leute vom
Gegenwind,
als langjähriges Mitglied und Vorstand der Wilhelmshavener
Alternativen Liste und Förderer eurer Zeitung möchte ich zur Dezember-Ausgabe,
in der ihr J. Tjaden, wie ich meine, recht unkritisch ein sehr breites Forum
bietet, sich offensiv gegen links-orientierte Gruppierungen (WASG, PDS, Walli
etc.) auszusprechen, folgende Stellungnahme mit der Bitte um Veröffentlichung in
eurer nächsten Ausgabe vorlegen:
Nicht zuletzt seit dem Austritt von J. Tjaden aus der Walli wird von
verschiedenen Seiten versucht, die Walli totzureden, bis hin zu übler Nachrede
und persönlichen Beleidigungen.
Vielleicht haben wir nicht alles erreicht, was wir uns vorgenommen hatten,
nämlich: mit den Menschen zusammen (nicht stellvertretend für sie),
basisdemokratisch, Alternativen zu der gängigen Politik, wie sie seit
Jahrzehnten in Wilhelmshaven (s. Dreckiger Sumpf, Wilhelms wahnsinnige Erben
usw.!) praktiziert wird, aufzuzeigen und zu leben.
Nun - die Walli ist nicht tot. Wir als Personen leben ja
noch und unsere Gedanken und Vorstellungen von einer veränderten und gerechten
Gesellschaft, die wir in unserem Programm ausdrückten, existieren nach wie vor.
Dass wir gegen das Hafenprojekt sind, war und ist nur ein Aspekt. Meiner
zugegeben unmaßgeblichen Meinung nach wird Wilhelmshaven hier die Arschkarte
ziehen: Die Bürger der Stadt und der Region werden die damit verbundenen
Umweltzerstörungen und Belastungen zu tragen haben, die Gewinne hieraus werden
jedoch woanders eingesackt. Zweifelsohne, einige gut bezahlte Jobs, nämlich die
der „Macher“, sind durch das Projekt soweit gesichert, Arbeitsplätze darüber
hinaus werden jedoch bei einem modernen computergesteuerten Containerhafen
bekanntlich nur sehr spärlich geschaffen und in der Region nach wie vor rar
gesät bleiben (bei einer Investitionssumme - aus Steuergeldern wohlgemerkt -
von acht- bis neunhunderttausend Euro ein Tropfen auf den heißen Stein; in
Wilhelmshaven suchen etwa zehntausend Menschen einen Arbeitsplatz!).
In seinem Leserbrief in der Dezember-Ausgabe des Gegenwind
schreibt J. Tjaden, dass sein Beitritt zur WSAG unter massivem Protest der
Walli-Mitglieder stattfand.
Unsere Einwände richteten sich nicht in erster Linie gegen seinen Beitritt als
solchen, sondern gegen die Aussage, in den verbleibenden Mitgliederinnen und
Mitgliedern sowie Unterstützerinnen und Unterstützern der Walli gleich ein
adäquates Wählerpotential zu haben (s. Gegenwind vom März 2005). Dies empfand
die Mehrheit von uns als undemokratisch und als Übergriff und
Instrumentalisierung. Zu Recht, wie ich im Nachhinein meine, ist J. Tjaden doch
inzwischen wieder aus der WASG ausgetreten. Dass wir ihm nicht unkritisch
überallhin gefolgt sind, nahm er meines Erachtens zum Anlass, die Walli zu
verlassen. Weiß er, außer dass er im Rat der Stadt bleiben will, überhaupt noch,
wo er politisch hinwill? Geht es ihm noch um Inhalte oder vielleicht doch nur um
persönliche Profilierung?
Ob die WASG, die in der Tat in ihren politischen Aussagen
- Weg mit Hartz IV
- Schluss mit weiterer Privatisierung und dem Verhökern
von Volkseigentum
- die Unterwerfung des Menschen unter die Interessen der
Wirtschaft lehnen wir ab
- Arbeitslose dürfen nicht für jeden Lohn an jedem Ort in
jede beliebige Arbeit gepresst werden
- Demokratie ist grundsätzliche Voraussetzung für eine
gerechte, menschenwürdige und friedliche Gesellschaft usw.,
von allen demokratischen Parteien den Vorstellungen der
Walli noch am nächsten ist, in der Lage sein wird, das umfangreiche
Arbeitspensum und die Themenvielfalt für eine wirkungsvolle kommunale Politik zu
leisten, wird sich zeigen.
Ohne seine wahrhaft engagierte Arbeit schmälern zu wollen –
J. Tjaden versucht, mit derlei Aussagen und seinem Agieren links-ökologische,
oppositionelle Potenziale zu schwächen, statt dazu beizutragen, sie durch ein
breites Bündnis zu stärken. J. Tjadens neu gegründete Gruppierung BASU
(Bildung, Arbeit, Soziales, Umwelt) umfasst erst einmal nur Schlagworte ohne
inhaltliche Aussage.
Wer sollte schon auf einen Zug aufspringen wollen, von dem man nicht weiß, wohin
er fährt? Besser mit dem “Langsamsten“ (um Tjadens Terminus zu verwenden) in die
richtige Richtung als mit Volldampf in die verkehrte!
Ich meine: Nur gemeinsam (ein Jeder nach seinem Vermögen) werden wir etwas
ausrichten können, wollen wir die starren politischen Strukturen auch nur ein
Stück weit aufbrechen.
Karl-Josef Dellwo
Wilhelmshavener Alternative Liste
P.S. Ob der Durchbruch zum Bau eines neuen Jugendzentrums
in WHV-Nord wirklich so positiv für die dortige Jugend wird, kann man
anzuzweifeln. Erstens wird den Jugendlichen etwas vorgesetzt, statt mit ihnen
zusammen etwas in ihrem Sinn zu erarbeiten, und zweitens geben die Stadtoberen
wieder etwas in private Hände, was eigentlich ihnen obliegt. Zu befürchten ist,
dass die Jugendlichen und auch die Stadt sich zur Führung und Unterhaltung des
Jugendzentrums den Bedingungen des Eigentümers werden unterordnen müssen; dies
gilt sowohl für die Aktivitäten der Jugendlichen als auch für die dann zu
entrichtende Miete.
Sehr geehrte Damen
und Herren,
mit Entsetzen habe ich von dem Bericht in der Zeitung
"Gegenwind" gehört und mir sogleich den Bericht besorgt.
Vieles ist für mich unverständlich. Zum Beispiel zum Thema Betriebsklima. Ich
kann nur sagen, dass ich seit über 3 Jahren in der Firma bin und bei uns in der
Abteilung "Schreibbüro" ein angenehmes Klima herrscht. Jeden Tag freue ich mich
auf meine Kollegen, mit denen wir immer unsere Späße machen. Sicherlich ist
unser Gelache der Chefin auch schon mal zuviel gewesen. Auch wir bekamen dann
einen Rüffel, den aber zu Recht, denn manchmal übertreiben wir es auch.
Natürlich kann ich nichts zu jeder Abteilung sagen, aber ich denke, es gibt
immer solche und solche.
Zum Thema Betriebsrat kann ich nichts sagen, da dieses
Thema bei uns im Büro noch nicht aktuell war. Sicherlich ist es in einem Betrieb
dieser Größenordnung unüblich, keinen zu haben.
Mitarbeiter, welche die Firma verlassen müssen, reden sicherlich in 90 % der
Fälle nicht positiv über ihre vorigen Vorgesetzten.
Aber ist es nicht das Recht der Chefin und ihrer Zubringer (auf die ist jeder
Chef angewiesen), über das Wohl der Firma und der Mitarbeiter zu entscheiden.
Dazu gehört nun auch mal, dass nicht jeder bleiben kann. Auch befristete
Verträge sind durchaus legitim, unsere Regierung verlängert schließlich die
Probezeiten ständig.
Bestätigen kann ich nur die Aussage, dass Frau Reichelt so
etwas wie eine Mutter für die Mitarbeiter ist. Zeigen Sie mir einmal die Chefin,
die sich so bemüht, eine so tolle Weihnachtsfeier zu organisieren! Eine Frau,
welche so beschäftigt ist und sich dieses trotzdem nicht nehmen lässt. Beim
Treffpunkt begrüßt Frau Reichelt so gut wie jeden Mitarbeiter mit Namen und
freut sich über jeden, der kommt. Solche Feiern sind ein Erlebnis und führen
auch zum Kennen lernen in dem immer größer werdenden Betrieb. Auch hat sie immer
ein offenes Wort für Probleme der Mitarbeiter. Wenn möglich, hilft sie, Probleme
zu beseitigen. Natürlich ist so eine Angelegenheit ein gegenseitiges Nehmen und
Geben. So soll es auch sein. Viele persönliche Dinge aus dem Leben der
Mitarbeiter gehen an ihr nicht vorüber. Ob eine Geburt, eine Prüfung, eine
Hochzeit oder vielleicht ein Todesfall in einer Familie, sie ergreift sofort die
Initiative und geht zum Mitarbeiter, um zu gratulieren (mit Geschenk) oder
Trauer auszusprechen. Ich selber habe diesen Fall erlebt und mich über die
persönliche Teilnahme gefreut. Auch 1/2 Jahr nach dem Tod meines Schwiegervaters
erkundigt sie sich noch, wie unsere Mutter/Schwiegermutter zurechtkommt. Das ist
ein schönes Gefühl.
Ich habe erlebt, wie sehr Frau Reichelt die Behauptungen gekränkt haben,
natürlich steht sie bis zu einem gewissen Grad darüber. Aber das war wohl doch
ein bisschen dicke. Man muss sich auch vor Augen halten, was diese Frau
aufgebaut hat und wie vielen Menschen und deren Familien sie eine Zukunft
bietet. Ich bin selbst schon 46 Jahre alt, was meinen Sie wohl, wie viele
Bewerbungen ich vorher geschrieben habe? Ich bin froh, dass ich, wenn natürlich
auch in abgespeckter Form, dort in Sande arbeiten kann.
Neider gibt es in der heutigen Zeit immer, leider auch von
Kollegen und ehemaligen Kollegen. Sicherlich liegt das eine oder andere auch im
Argen, aber wo herrscht jeden Tag nur Sonnenschein? Positives Denken und
Handeln, das lebt uns unsere Chefin täglich vor. Hut ab vor dieser Frau und was
sie für diese Region macht! Nicht unerhebliche Spenden gehen auf ihr Konto. Sie
vergisst nicht die Kranken usw.
Schade, dass vieles in dem Bericht so negativ dargestellt wurde!
Mit freundlichem Gruß
Marion Schlundt
Das ist für mich kein
Rufmord!
Betroffen habe ich den Bericht über Reichelt gelesen. Ich selbst habe eine ganze
Weile in dieser Firma gearbeitet, bis ich aus unerfindlichen Gründen meine
Kündigung bekam.
Meine Meinung über Frau Reichelt und Frau P. ist nicht die beste. Man wird
unterdrückt, wo es nur geht. Es gibt absolut keine Motivation der Mitarbeiter.
Es wird nur das Schlechte hervorgehoben, da kommt kein Lob über die Lippen von
Frau Reichelt oder Frau P.
Es herrscht ein Rede- und Lachverbot!
Frau P. stellt sich sehr oft am Tag auf die obere Station (G), um von dort oben
einen tollen Überblick zu haben, damit sie dann die Mitarbeiter gleich zur
Schnecke machen kann, oder sie geht durch die verschiedenen Stationen, um zu
schauen, wer nun schon wieder quatscht.
Damit aber nicht genug, jeden Monat haben die Angestellten
Panik, weil es dann wieder heißt: Frau P. geht mit dem Fehlerzettel durch. Das
macht ihr wohl Freude, weil sie dann mal wieder zeigen kann, was sie dort für
eine Stellung hat! Sie nimmt die Mitarbeiter nicht zur Seite, um ihnen zu sagen,
wie viele Fehler sie gemacht haben, nein, sie macht es vor allen anderen. Damit
dann noch nicht genug, es werden dann noch die Fehler hochgerechnet. Ein
Beispiel: Man hat in einem Monat nur zwei Tage gearbeitet, den Rest hatte man
Urlaub, in diesen zwei Tagen hat man einen Fehler gemacht. Das wird dann
hochgerechnet auf „ungefähr elf Fehler“! Und wehe, man fängt an zu diskutieren,
fragt, wie das angehen kann! Dann hat man gleich alle Chancen auf einen
Festvertrag verspielt! Man kann dort nur überleben, wenn man ein Kuscher ist, zu
allem Ja und Amen sagt, die Schnauze hält und nur auf die Mollen schaut! Ich
habe oft gesehen, wie Frau P. die Kollegen so fertig gemacht hat, dass diese
weinend zur Toilette gegangen sind! Sehr viele Kollegen meinen, dass Frau P.
einfach völlig überfordert ist. Sie lässt dann ihren Frust bei den Kollegen ab.
Dieser Spruch, den Frau Reichelt zitiert hat (“Gute
Menschen lernen von den schlechten mehr als schlechte von den guten“), würde
nicht auf die Kollegen passen, sondern auf Frau P.! Ich finde es schrecklich,
dass Frau Reichelt so denkt! Entweder sie ist eine supertolle Schauspielerin,
oder sie hat keine Ahnung, was in ihrem Betrieb abläuft. Auf jeden Fall ist Frau
Reichelt keine Mutter, die sich um die Mitarbeiter kümmert, nein, man kommt
nicht mal in ihre Nähe. Sie will auch gar nicht wissen, was los ist, so schaut
sie immer, wenn sie durch ihren Betrieb läuft. Sie will nicht angesprochen
werden, das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Einmal im Jahr kommen irgendwelche Prüfer ins Haus, die dann auch die
Mitarbeiter fragen, ob alles in Ordnung wäre. Da gibt es wohl ein Punktesystem,
geht wohl bis 100, die Leute trauen sich logischerweise nicht mal annähernd die
Wahrheit zu sagen; Frau Reichelt würde ja sofort erkennen, welche Abteilung
keine 100 Punkte bekommen hat, und dann würden Köpfe rollen.
Zum Trinken muss ich auch noch etwas loswerden. Es gibt
dort ein Zwei-Klassen-System. Techniker, alle im Büro, die Verpackung und (im
Sommer) Station G – diese Mitarbeiter dürfen trinken.
Warum dürfen die anderen Kommissionierer/innen nicht trinken, warum müssen sie
zuschauen, wenn andere die Flasche ansetzen? Kassierer bei Karstadt hin oder
her, das ist nicht fair, entweder alle oder keiner! Man hängt mit trockener
Kehle rum, und andere dürfen neben einem trinken! Selbst wenn man Frau P.
erzählt, dass man eine Blasenentzündung hat und etwas trinken muss, sagt sie,
dass man aus dem Wasserhahn auf der Toilette trinken soll, man darf nicht einmal
in solchen Fällen auf der Toilette ein Getränk hinstellen.
Betriebsrat, das ist auch so ein Thema. Kein Angestellter
von Reichelt wird sich outen, das steht fest, und Frau Reichelt weiß das! Weil
die Kollegen dann schneller ihre Kündigung haben, als sie schauen können! Der
Arbeitsmarkt sieht immer schlechter aus. Die Menschen, die Arbeit haben, wissen,
dass genug vor der Tür stehen, die ihren Job haben wollen. Alle Kollegen
brauchen diesen Job, auch wenn sie ihn ätzend finden – sie haben einfach Angst,
und das wird ausgenutzt!
Marion Hock
Gegenwind 214 - Januar / Februar 2006
Zum Seitenanfang
Vorherige
Seite Titelseite
| |
Informationen und Kultur:
















|