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Gegenwind 210 - August 2005 Gut aufgehoben Wilhelmshavener Frauen erhalten optimale Brustkrebsvorsorge (iz) Arbeitslosigkeit, Bevölkerungsschwund, Überalterung, Privatinsolvenzen, Scheidungen, Singles, Jugendkriminalität und dicke Kinder: Wenn Wilhelmshaven mal irgendwo zu den ,,Spitzenreitern“ zählt, ist das in der Regel kein Grund zum Jubeln. Wir freuen uns, jetzt eine löbliche Ausnahme melden zu können: In Sachen Brustkrebsvorsorge hat unsere Stadt die Nase vorn. Am 24. August 2005 startet im Stadtgebiet das ,,Mammographie-Screening“, die kostenlose Reihenuntersuchung für alle Frauen der besonders gefährdeten Altersgruppe zwischen 50 und 69 Jahren. Mitte Juli fand im ,,Oceanis“ die erste von mehreren Informationsveranstaltungen dazu statt, mit überwältigender Resonanz. Mit etwa 90 Wilhelmshavenerinnen, darunter auch unsere Frauenbeauftragte Ellen Wolbergs, war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Wittmunder Radiologe Dr. Gerold Hecht erläuterte als projektverantwortlicher Arzt allgemeinverständlich die Hintergründe, Besonderheiten und Vorteile des Mammographie-Screenings und beantwortete Fragen der Zuhörerinnen. Frühe Umsetzung Nach den vorangegangenen, erfolgreich verlaufenen Pilotprojekten (s. GEGENWIND Nr. 195 / Februar 2004 ,,Mammobil am Ziel“) ist die Brustkrebs-Früherkennung für Frauen der genannten Altersgruppe seit April 2005 Regelleistung der Krankenkassen. Allerdings muss für alle Screening-Regionen bundesweit erst die entsprechende Logistik und Infrastruktur geschaffen werden. Die Pilot-Regionen Weser-Ems, Bremen und Wiesbaden sind dabei im Vorteil. Doch so richtig in die Puschen gekommen ist bisher einzig das Screening-Büro in Wittmund (Pilotregion Weser-Ems, jetzt Region Niedersachsen Nordwest), das neben den ländlichen Pilotbereichen in Friesland und im Ammerland nun auch für ganz Ostfriesland, die Wesermarsch und die umliegenden Städte zuständig ist. Davon profitiert auch Wilhelmshaven bzw. die hier lebenden Frauen. Kurze Wege Die Röntgenaufnahmen werden in der Praxis Achenbach in der Marktstr. 1 (,,Coca-Cola-Haus“) gemacht, allerdings abseits des sonstigen Praxisbetriebs, in getrennten Räumen, mit besonderen Geräten und von speziell geschultem Personal. Sollten die Aufnahmen auf einen verdächtigen Befund hindeuten, steht direkt vor Ort das renommierte Brustzentrum im Reinhard-Nieter-Krankenhaus zur Verfügung. Hier kann durch weitergehende Untersuchungen der Verdacht entweder ausgeräumt werden oder, falls er sich bestätigt (was nur bei einzelnen unter 1000 Frauen der Fall ist), ein Tumor entfernt und nachbehandelt werden. Die Frauen haben also keine weiten Wege und können, falls sie betroffen sind, in der Nähe von Familie und Freunden therapiert werden. Hohe Qualität Wilhelmshavener Frauen gehören also bundesweit zu den ersten, die an der kostenlosen Früherkennung nach modernsten medizinischen, technischen und psychologischen Qualitätsstandards teilnehmen können.
Große Eigenverantwortung Brusttumore sind bei Frauen die häufigste krebsbedingte Todesursache. Die Mammographie ist genau genommen keine Vorsorge, sondern eine Früherkennung. Sie kann nicht die Entstehung von Brustkrebs verhindern, aber die Heilungs- und Überlebenschancen Tausender betroffener Frauen jährlich deutlich verbessern. Vorsorge heißt, den Risikofaktoren die Stirn zu bieten: Übergewicht vermeiden, viel Sport treiben, dazu eine ausgewogene Ernährung mit hohem Gemüseanteil. Auch die Teilnahme am Screening liegt in der Verantwortung jeder Frau selbst, keine wird gezwungen. Bei vielen überwiegt noch die Angst vor einer Diagnose, die sie lieber nicht wüssten; oder die Angst, dass ihre weiblichen Körperteile nach Fehldiagnose voreilig verstümmelt werden. Letzteres ist durch die Qualitätsstandards des Screenings auszuschließen. Ersteres ist verständlich, heißt aber auch Verzicht auf die in den meisten Fällen gute Nachricht: Befundfrei! Viele Multiplikatorinnen Die Pilotregion Weser-Ems hat mit etwa 70% aller eingeladenen Frauen die höchste Teilnahmequote unter den Pilotregionen erreicht. Das mag zum einen daran liegen, dass im ländlichen Raum eine mobile Screening-Einheit, der Röntgenbus ,,Mammobil“, zu den Frauen in die kleinen Orte fast vor die Haustür kam. Weiterhin hat das Büro Weser-Ems als einziges öffentliche Informationsveranstaltungen durchgeführt (die auch jetzt zum Auftakt in neu hinzugekommenen Kommunen wie Wilhelmshaven angeboten werden). Einen großen Anteil an dem Erfolg haben aber die Landfrauenverbände und andere Organisationen im ländlichen Raum. Sie sind auch im Beirat für die Screening-Region vertreten und transportieren Informationen, Erfahrungen und Meinungen zu diesem Gesundheitsprogramm. Solche Netzwerke sollten auch in Wilhelmshaven genutzt werden. Wichtig wäre z. B., Vertreterinnen der ausländischen Vereine als Multiplikatorinnen zu gewinnen, um sprachliche und kulturelle Hemmnisse für potenzielle Teilnehmerinnen auszuräumen. Gegenwind 210 - August 2005 Vorherige Seite Titelseite Nächste Seite
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