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Gegenwind 210 - August 2005 Höllenhunde und Heuschrecken Vom leichtfertigen Umgang mit Wohnraum (hk) Die Warnungen vor dem Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft Jade im Jahre 2000 an die Deutsche Bank waren noch nicht verhallt, da verkaufte eben diese Deutsche Bank die Wohnungsbaugesellschaft an die, nicht von ungefähr nach dem Höllenhund der griechischen Mythologie, benannten Fondsmanagementgruppe Cerberus.
Kein Problem Die Stadt Wilhelmshaven fühlt sich den 18.000 Mietern der
Jade verpflichtet und sieht in der Bestellung der zwei zusätzlichen
Geschäftsführer kein wirkliches Problem. Oberbürgermeister Menzel kündigte laut
Wilhelmshavener Zeitung vom 22. Juli an, dass „die Stadt jetzt die mit der
Cerberus-Gruppe bestehenden Verträge überprüfen werde“.
Am 26. Juli meldete sich dann Walter Heide von Radio Jade zu Wort: Die Wohnungsbaugesellschaft ist im
Weltmarkt angekommen. Ein halbes Jahr war relative Ruhe bei
der Jade, nur die Beschäftigten klagten über ein raueres Betriebsklima. Jetzt
hat Cerberus zwei weitere Geschäftsführer bestellt. Die Stadt pocht darauf, dass
sie befürchtete Veränderungen bei der Wohnungsbaugesellschaft durch das Veto des
einzigen städtischen Vertreters im Beirat blocken kann.
Die Wohnungswirtschaft ist kein
eigentliches Geschäftsfeld von Cerberus. Aber bei mehr als 100.000 bisher
gekauften Wohnungen gibt es ganz hervorragende Perspektiven. Umbauen,
Renovieren, Abreißen erzielt, auch wenn dies nur in der Planung ist, erhebliche
Steuervorteile und vergoldet die Bilanzen. Eine gute Woche später erschien ein Leserbrief von Herrn Wilfried Dubrau in der Wilhelmshavener Zeitung, aus dem wir auszugsweise zitieren: „Die derzeitige Unruhe unter den
Mitarbeitern des Wohnungsbauunternehmens ist verständlich. Die Unruhe der ca.
18.000 Menschen, die Mieter der Wohnungsbaugesellschaft ‚Jade’ sind, liegt in
der Luft. Offenbar wird man die Geister, die man rief, nicht mehr los. Der Verkauf des kommunalen
Wohnungs-Unternehmens aus rein fiskalischen Gründen etwa zur Haushaltssanierung,
stand im Vordergrund. Zwar kann man Hedgefonds nicht dafür tadeln, dass sie den
Liquiditätsengpass der öffentlichen Haushalte für ihre Zwecke nutzen. Gleichwohl
ist der Kommune vorzuhalten, ob sie sich durch den Verkauf ihrer sozialen
Fürsorge und der Grundversorgung benachteiligter Bevölkerungsgruppen mit
bezahlbarem Wohnraum fahrlässig entzieht. Letztlich wird das Thema
Wohnraumversorgung in Zukunft angesichts der zu erwartenden Altersarmut wieder
an Bedeutung gewinnen. Ob ein Geschäftsführer, der die seinerzeitigen Privatisierungen von öffentlichen Unternehmen und den Weiterverkauf an Hedgefonds ‚durchgezogen’ hat, wirklich Respekt und Anerkennung verdient, sei auch dahingestellt. (Die Wilhelmshavener Zeitung brachte am 21. Juli 2005 einen entsprechenden Jubelartikel über Peter Cordes, dem Geschäftsführer der Jade, Anm. der Red.) Letztlich sind große Zweifel erlaubt, ob die Mieter nicht am Ende der diversen Bindungsverträge zum ‚Freiwild’ werden, ob der Verkauf des ‚Tafelsilbers’ der Stadt zum Mittel der Haushaltssanierung weitsichtig war und ob nicht der Rentabilitätsgesichtspunkt alle anderen Gesichtspunkte wie den Versorgungsauftrag, breite Schichten der Bevölkerung mit preiswerten Wohnraum zu versorgen, schlagen wird.“ Was bedeutet das nun alles? Es war leichtfertig, ein so tief ins soziale Gefüge einer Stadt greifendes Unternehmen wie die Jade in private Hände zu legen. Der Zwang und der Wille zur kommunalen Entschuldung darf nicht dazu führen, dass man einen Großteil der Möglichkeiten zur sozialen Steuerung des kommunalen Gemeinwesens aus der Hand gibt. Denn die Jade ist ja nicht nur einfach eine Wohnungsbaugesellschaft – sie steckt mit im Stadtumbau West, ist Treuhänderin und Sanierungsträger der Stadt Wilhelmshaven und somit Träger des Förderprogramms ‚Soziale Stadt’ für die westliche Südstadt. Organisationen wir RAN, WiWA oder auch die SOS-Jugendberatung und viele andere Gruppen und Institutionen Wilhelmshavens sind mit in das so lange funktionierende System der WoBau Jade eingebunden, ein System welches mehr als Bauen und vermieten von Wohnungen beinhaltete. Es ist nicht verwunderlich, dass die Cerberus-Gruppe immer wieder im Zusammenhang mit Münteferings „Kapitalismuskritik“ von den Gesellschaften, die wie Heuschrecken über das Land herfallen, es abgrasen um dann voll gefressen das nächste Objekt in Angriff zu nehmen, genannt wurde. Ein solches Verhalten ist nun mal diesen Hedgefonds eigen. Und außer unserem Oberbürgermeister wissen das auch alle. Gegenwind 210 - August 2005 Vorherige Seite Titelseite Nächste Seite
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