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Gegenwind 189 -April 2003
Schon wieder: Die 12.000er kommen!
Die großen Schiffe, für die der
JadeWeserPort gebaut werden soll, bleiben Träume
In regelmäßigen Abständen werden über
einschlägige Medien riesige Containerschiffe – die sogenannten Mega-Carrier
– mit einer Ladekapazität mal von 12.000, mal von 15.000 und manchmal gar von
18.000 TEU angekündigt. So auch jüngst wieder.
Die deutsche Klassifikationsgesellschaft Germanischer
Lloyd (eine Art Schiffs-TÜV) soll mit einer nicht näher genannten
koreanischen Werft Gespräche über die gemeinsame Entwicklung eines 12.000 TEU
Mega-Carriers aufgenommen haben.
Fest steht schon jetzt, dass der Konstruktionstiefgang dieses Entwurfes nicht größer
sein wird, als sie die derzeit größten in Fahrt befindlichen Container-Jumbos
mit einer Ladefähigkeit von 8.000 TEU aufweisen.
Kein Reeder sei derzeit bereit, Schiffe mit größeren Tiefgängen zu planen,
erklärte dazu der GL-Vorstand Dr. Hans G. Payer am 04. März gegenüber der
Presse...
Payers Erklärung fiel zeitlich zusammen mit der Ankunft des auf seiner
Jungfernfahrt befindlichen Jumbos „Axel Maersk“ in Bremerhaven.
Die „Axel Maersk“ ist mit 352 m Länge und 43 m Breite das größte
Containerschiff der Welt. Die Tragfähigkeit beträgt nach Reedereiangaben zwar
nur 6.600 TEU, dürfte jedoch in Wirklichkeit weit darüber liegen. Experten schätzen
die Stellplatzkapazität auf 9.000 TEU.
Über den Konstruktionstiefgang gibt es zwar keine Angaben, aber er liegt mit
Sicherheit ziemlich genau bei 14,50 m. Er ist der gleiche wie der von den
S-Klasse-Schiffen der Reederei Maersk Sea-Land, die bei gleicher Breite
nur fünf Meter kürzer sind und nach Reedereiangaben 6.400 TEU
Stellplatzkapazität haben.
Auf diesen Maximal-Tiefgang bereiten sich die großen Containerhäfen in der
Nordrange vor. Nicht nur an Elbe und Weser wird eine Fahrwasservertiefung auf 16
m gefordert, damit die Jumbos und zukünftigen Mega-Carrier tideunabhängig mit
der berühmten ‚Handbreit’ Wasser unter dem Kiel die Terminals an der
Nordsee anlaufen können.
Der angebliche Vorteil des tiefen Fahrwassers zum JadeWeserPort ist und bleibt
deshalb ein Bluff.
Übrigens ist – wie wiederholt berichtet – die
Vertiefung von Weser und Elbe auf 16 m für Containerschiffe überflüssig, weil
selbst 12.000 TEU-Schiffe diese Tiefe nicht benötigen:
- Für die Konstruktionstiefgänge wird das höchst zulässige
Ladegewicht errechnet. Das Ladegewicht ergibt sich aus dem Produkt der
Stellplatzkapazität multipliziert mit dem TEU-Durchschnittsgewicht. Dabei
wird in der Regel ein Gewicht eines Containers von 14 t zu Grunde gelegt...
Aus Statistiken wird jedoch ersichtlich, dass das tatsächliche
Gewicht bei etwa 11 t liegt. Diese Zahl wurde im letzten Jahr in Bremerhaven
noch unterschritten:
Der Jahresumschlag lag dort bei knapp 3 Mio. TEU mit einem Gesamtgewicht von
etwa 30 Mio. Tonnen; das TEU-Durchschnittsgewicht lag also gerade mal bei 10 t
pro Container.
Ein 12.000 TEU Mega-Carrier wäre also selbst bei voll ausgefüllter
Stellplatzkapazität um 36.000 bis 48.000 t unterausgelastet – was als
geringerer Tiefgang (schätzungsweise 13 m) zu Buche schlagen würde.
Damit kommen selbst diese Schiffe in einem großen Tide-Zeitfenster die Elbe und
Weser hoch.
- Darüber hinaus kommen diese Schiffe in Hamburg und
Bremerhaven nur teilbeladen an und verlassen sie auch wieder teilbeladen,
weil sie am Ende der Nordrange liegen; was heißt, dass die Jumbos und
Mega-Carrier von Übersee kommend zunächst Felixstowe, Antwerpen und/oder
Rotterdam anlaufen, um eine Teilladung zu löschen und nach der Bedienung
von Bremerhaven oder Hamburg wiederum Felixstowe, Antwerpen und/oder
Rotterdam anlaufen, um das Schiff wieder für die große Reise voll zu
kriegen.
Jüngster Beleg: Die o.a. „Axel Maersk“ machte in
Bremerhaven fest, um lediglich 1.400 Container an Bord zu nehmen. (jm)
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Stichwort: Containerschiffe
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