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Gegenwind 189 -April 2003 Internationaler Frauentag Lebensfreude, Toleranz und ein Puzzle (iz) Zum diesjährigen Frauentag – stets am 8. März – gab es im Pumpwerk ein feines Fest mit Musik, Tanz und Literatur / Kabarett von Frauen aus der Region für Frauen aus der Region. Zu Beginn war es noch schwach besucht, gegen 22 Uhr füllte es sich einigermaßen, aber es blieb der Verdacht, dass die Mehrheit sich lieber „Deutschland sucht den Superstar“ reinzog. Leider haben diejenigen so manchen wirklichen Superstar im Pumpwerk verpasst. Wer am späten Vormittag des nächsten Tages wieder fit war, fand sich im Rathaus zum Empfang ein. Überwiegend waren dort ältere Frauen, die am Vorabend nicht mit abgetanzt hatten. Einige SPD-Frauen hielten tapfer während der ganzen Veranstaltung ein Transparent „Frauen wollen Frieden“. Angenehm war, dass sich die zu solchen Empfängen üblichen Redner fern hielten. Statt dessen gab es zunächst Grußworte der städtischen Frauenbeauftragten Jutta Niedersen-Marchal, der im Übrigen Dank für die gesamte gelungene Organisation gebührt. Anlässlich der viel besuchten Ausstellung zu Afghanistan erinnerte sie daran, dass die Mehrheit der Opfer moderner Kriege Frauen und Kinder sind. Sie berichtete von der Veranstaltung am Vorabend, die „von Lebensfreude und Toleranz geprägt war“. Bürgermeisterin Ursula Aljets sprach in ihrer Rede („ich weiß nicht, ob das im Jahr 13 nach dem Fall der Mauer schon möglich ist“) einen späten Dank an Clara Zetkin aus, die 1910 den Weltfrauentag ins Leben rief, und würdigte sie in einer kurzen Biografie: „Clara Eißner, geboren 1857, legt 1878 als eine der
ersten Frauen das Lehrerinnenexamen ab. Sie heiratet den russischen Sozialisten
Ossip Zetkin, dem sie durch Exil und Leiden folgt. Sie arbeitet in Paris als Wäscherin.
Nach dem frühen Tod ihres Mannes kehrt sie mit den Kindern nach Deutschland zurück
und wird 1907 zur Frauen-Sekretärin der Sozialistischen Internationale gewählt.
In dieser Funktion ruft sie 1910 den Weltfrauentag ins Leben. Ihr Leben war von großen existenziellen Sorgen geprägt.
Deshalb hat sie sich für Gleichberechtigung, Frieden und Sozialismus
eingesetzt. Ohne Frauen wie sie wäre unsere westliche Gesellschaft in Bezug auf
die Rechte der Frauen noch nicht so weit.“ Im Anschluss präsentierte Aljets ein kleines Puzzle:
„Frauen in unserer Gesellschaft". Die Teile hatte sie in den letzten
Tagen gefunden. „Ob sie zusammenpassen? Ich weiß es nicht! Trotzdem wurden, so Aljets, in den letzten Jahren viele
Verbesserungen erreicht. „Denken Sie nur an unser Rathaus. Früher keine oder
kaum Amtsleiterinnen - heute: die wichtigen Ressorts Soziales und Öffentliche
Ordnung von Frauen geleitet und sie geben übrigens das meiste städtische Geld
aus! Zum Thema Afghanistan gab es später einen beklemmenden
Bericht von Frau Haydare Nafisa, die jetzt mit ihrem Mann und zwei Kindern in
Wilhelmshaven lebt. Sie hatte 3 Jahre in Kabul in einem von Russen gebauten
Kindergarten gearbeitet. Nach den ersten grausamen Erlebnissen von Raketenbeschüssen
verkaufte die Familie alles, was sie besaß, um sich Pässe für die Flucht zu
beschaffen. Über Moskau kam sie nach Berlin, wo die Eltern erst mal mit
Handschellen gefesselt und verhaftet wurden. Am Bahnhof erhielten sie Hilfe von
einem jungen Afghanen und fanden ihre Kinder in einem Kinderheim wieder. Über
Varel und Braunschweig kam die Familie schließlich nach Wilhelmshaven, wo sie
viel Hilfe von Marianne Janz und Jutta Brünlow erhielt. Zunächst wohnten sie 3
Monate im Wohnheim Marienstraße, dann 3 Monate am Banter Deich. Insgesamt 9
Jahre mussten sie von Sozialhilfe leben, was sie sehr unglücklich machte, da
sie es immer gewohnt waren, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Doch
als Asylbewerber erhielten sie keine Arbeitserlaubnis in Deutschland. 1999
erhielten sie dann endlich das Bleiberecht. Sie arbeitete zunächst in einem
amerikanischen Schnellimbiss, ihr Mann als Maler und Lackierer. Ein Jahr später
wurden sie deutsche Staatsbürger und betreiben jetzt, wieder als Selbständige,
einen kleinen Laden in der Marktstraße. Wollen Sie über diesen Beitrag diskutieren? Hier klicken: Diskussionsforum Stichwort: Frauentag Vorherige Seite Titelseite Nächste Seite
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