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Gegenwind 189 -April 2003
Der Letzte macht das Licht
aus!
Offener Brief des
Arbeitskreises Jugendkriminalität im Kriminalpräventionsrat Wilhelmshaven zur
aktuellen Jugendpolitik in unserer Stadt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
der AK Jugendkriminalität hat sich im Rahmen seiner letzten Sitzung mit der
desolaten Situation im Jugendbereich auseinandergesetzt.
Situationsbeschreibung
1.
Qualifikation/Bildung/Berufliche Eingliederung junger Menschen
Anfang 2003 sind beim Arbeitsamt Wilhelmshaven mehr als
1.000 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldet.
Das Arbeitsamt stellt spätestens ab Herbst keine finanziellen Mittel mehr für
berufsvorbereitende Lehrgänge zur Verfügung.
Betroffen sind Grundausbildungslehrgänge, Lehrgänge zur Verbesserung der
beruflichen Bildungs- und Eingliederungschancen, Förderlehrgänge im
Reha-Bereich und Behindertenwerkstätten. Hauptschulabschlusskurse finden
ebenfalls nicht mehr statt.
Die ersten Jugendwerkstätten wurden bereits geschlossen und weitere sind von
der Schließung bedroht.
Schon geschlossene oder von erheblichen Kürzungen
bedrohte Jugendwerkstätten in Wilhelmshaven und unmittelbarer Umgebung:
- Zetel (geschlossen)
- Bockhorn (Schließung im Juni 2003)
- Varel (Schließung im Juni 2003)
- Schortens (Reduzierung um 50%)
- Jugendwerkstatt l des Vereins Beratung, Kommunikation und Arbeit
- Jugendwerkstatt der Arbeitsplatzinitiative für Frauen
2. Schulische Bildung
Drohende Schließungen von allgemeinbildenden Schulen im Stadtgebiet. Fehlende
feste Stellen im Bereich Schulsozialarbeit. Unzureichende Angebote bei
Schulverweigerung. Fehlende Förderung von benachteiligten Kindern und
Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
3. Freizeit und Sozialarbeit
Missverhältnis zwischen Personalschlüssel und geforderten Öffnungszeiten der
Kinder- und Jugendeinrichtungen.
Im Streetworkbereich wird von bisher drei Stellen
ab September nur noch eine Stelle besetzt sein. Damit ist eine pädagogisch-präventive
Arbeit nicht mehr möglich. Vgl. hier auch die Ergebnisse des Jugendforums Südstadt.
Kulturelle Freizeitaktivitäten im Kulturzentrum Pumpwerk sind durch die neue
Miet- und Benutzerordnung für freie Gruppen, Vereine und Initiativen nicht mehr
bezahlbar.
Drohende Schließung des Freizeitzentrums Nord, Multikulturelles Zentrum Point
und Spritzenhaus in Fedderwarden.
Was bedeutet dies für die Jugend in
Wilhelmshaven?
- Keine Aussicht auf Qualifizierung und den Abbau von
Bildungsdefiziten
- Keine Aussicht auf berufliche Integration
- Keine Aussicht auf sozialpädagogische Betreuung
- Keine Aussicht auf soziale und gesellschaftliche
Integration
- Keine Aussicht auf die Bildung einer beruflichen
Perspektive
- Keine Aussicht auf eine Lebensperspektive
- Keine Aussicht auf eigene Finanzierung des
Lebensunterhaltes
- Keine Aussicht auf Beschäftigung bei Behinderung
- Keine Aussicht auf einen verwertbaren Schulabschluss
- Keine Aussicht auf Teilhabe am kulturellen und
gesellschaftlichen Leben
- Keine Aussicht auf sinnvolle und sinngebende
Freizeitbeschäftigung.
Konsequenz
Laut der aktuellen Kriminalitätsstatistik belegt
die Stadt Wilhelmshaven bei allen Altersgruppen der Kinder, Jugendlichen und
jungen Erwachsenen Spitzenplätze in Niedersachsen!
Der Arbeitskreis geht von einer weiteren Verschärfung dieser Situation aus!
Dies bedeutet:
- Zunehmende Orientierungs- und Perspektivlosigkeit
- Zunehmende Anzahl arbeitsloser Jugendlicher und junger
Erwachsener
- Zunehmendes Abgleiten in Kriminalität und/oder
Drogenkonsum
- Zunehmende Gewaltbereitschaft
- Zunehmende Verwahrlosung
- Zunehmende Verunsicherung und Angst in des Bevölkerung
- Zunehmende negative Außenwirkung für die Kommune
In Wilhelmshaven werden
wirksame zielgruppenspezifische Angebote und Strukturen geopfert, die später mühsam
und zu einem hohen Preis wiederaufgebaut werden müssen!
Der Arbeitskreis Jugendkriminalität appelliert daher im
Namen der betroffenen jungen Menschen und der Einrichtungen der
Jugendsozialarbeit und der Jugendberufshilfe an alle Verantwortlichen in Politik
und Verwaltung der Stadt Wilhelmshaven:
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Stichwort: Jugendpolitik
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