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Aber Kriegsverbrechen ohne Zahl Konfrontiert mit ständig neuen Meldungen von zivilen Opfern des US-Bombenkriegs in Afghanistan sagte US-Verteidigungsminister Rumsfeld, nachdem er den Inhalt der Meldungen nur noch schwach dementieren konnte: »Die Verantwortung für jedes einzelne Opfer in diesem Krieg, mögen es unschuldige Afghanen oder unschuldige Amerikaner sein, liegt in den Händen von Taliban und AI-Qaida.« Hinterbliebene und überlebende Opfer, sollte das heißen, hätten sich an ihre Führung zu halten, die einen so schrecklichen Terrorismus in die Welt gesetzt hätten. In Wahrheit hat die afghanische Bevölkerung mit der Herrschaft von Taliban und Al-Qaida wenig, die USA aber alles zu tun. Es waren die USA und ihr Geheimdienst CIA, die Al-Qaida mit Bin Laden an der Spitze gegründet und finanziert haben. Es waren die USA, die 1996 den Taliban in den Sattel halfen, weil sie sich davon staatlichen Schutz für ihre Erdölpipelines versprachen. Opfer war damals wie heute die afghanische Bevölkerung, die nun dafür zu büßen hat, daß die Pläne der USA nicht aufgegangen sind. Truppenaufmarsch - Waffeneinsatz - Einsatzbefehle: Die Strategie des Bombenterrors Die vielen toten Zivilisten und die weitgehende Zerstörung der zivilen Infrastruktur sind nicht Kolalateralschäden einer auf Terroristengruppen gezielten Strategie, sondern logische und angestrebte Folge eines umfassenden Bombenkrieges gegen die afghanische Bevölkerung. Schon die von den USA und Großbritannien aufgebotenen Truppenverbände und Waffen beweisen dies. Nach Angaben des Weißen Hauses wurden bereits in den ersten beiden Wochen des Krieges rund 29.000 US-Soldaten, 349 Flugzeuge, eine Marinelandeeinheit (2.200 Mann) und zwei Flugzeugträger-Flottenverbände aktiviert. Dazu kamen schon zu diesem Zeitpunkt 23.000 abrufbereite britische Soldaten sowie britische See- und Luftstreitkräfte. In den nächsten Tagen wurde das Arsenal im engeren Aufmarschgebiet schnell aufgestockt auf 4 Flugzeugträger-Verbände mit 20 Bomberstaffeln, 24 Kriegsschiffen über und unter Wasser mit über 1.700 abschußbereiten Marschflugkörpern und drei Marinelandeinheiten zu je 2.200 Mann. Die USA erprobten zahlreiche neue Geräte wie das Landungsboot LSD 41 und die Global Hawk, einen unbemannten Aufklärer, der über 40 Stunden lang aus großer Höhe auch durch Wolken und bei Nacht gestochen scharfe Videoaufnahmen in Echtzeit auf die Bildschirme der Bomber und Kampfeinheiten senden kann. Truppen und Truppenführung waren also über die jeweiligen Bedingungen und Bewegungen am Boden exakt informiert. Zur Lenkung der Bodenkämpfe und der Lufteinsätze waren überdies mindestens 2000 Mann der US-Spezialeinheiten Delta Force, Rangers, Seals, Green Berets, der 5. Spezialeinsatzgruppe (die afghanische Sprachen beherrscht) und der Air-Force-Spezialoperationen sowie der britischen Sondereinheiten von SAS, Parachutists, Gurkhas und Royal Marines vor Ort im Einsatz. Die Hauptlast an Bomben aber trugen die US-Langstreckenbomber B-2, B-1B und B-52 ins Ziel, die von den USA und von der Insel Diego Garcia im Indischen Ozean aus operierten. Diese Riesenbomber — die B-52 hat eine Flügelspannweite von 56 Metern — hatten Mammutbomben im Ziel unterzubringen, vor allem Clusterbomben von denen jede einzelne ein Gebiet von der Größe von einem Dutzend Fußballfelder mit Streubomben zerfetzt, sowie sogenannte Joint Direct Attack Munitions (JDAM), tonnenschwere Bomben, die, als »Teppich« abgeworfen, Land und Leute im Umkreis von Kilometern umpflügen. Solche Bomben können gar nicht mit »chirurgischer Präzision« abgeworfen werden, es sei denn, der Chirurgie ginge es präzise um den Tod von Zivilisten und um Massenterror. Daß es eben darum ging, bewies schon der erste Tag der Bombardements, der 7. Oktober. Aus dem Persischen Golf setzten vier Überwasserschiffe und zwei U-Boote insgesamt 50 Marschflugkörper auf die Provinz Kabul in Gang. Vier Zerstörer feuerten aus demselben Gebiet eine Vielzahl von Raketen auf Ostafghanistan. 15 Bomber setzten aus großer Höhe »ungelenkte« 500-Pfund-Bomben ab. Mindestens 10 B-2-Superbomber entluden mindestens 160 2000-Pfund-JDAM-Bomben. Alle Ziele, meldete das Pentagon, wurden getroffen. Wie bei den ausgewählten Waffen und Waffenträgern - es überwiegen nichtgelenkte Bomben aus großer Höhe beziehungsweise schwer zu lenkende Raketen aus großer Entfernung — nicht anders zu erwarten. wurden vor allem auch zivile Ziele getroffen. In Qasba Khan und Bibi Mahru schlugen zwei Marschflugkörper in Wohngebiete und töteten 20 Menschen. Eine Bombe fiel auf das Frauenkrankenhaus in Wazir Akbar Khan und tötete 19 Frauen. Weitere tote Zivilisten gab es in Kandahar, Jalalabad, Herat und der Provinz Nangarhar. Dieses Muster, neben militärischen Zielen immer auch die Zivilbevölkerung ins Visier zu nehmen, wird im Laufe der Zeit noch perfektioniert. Schon am vierten Kriegstag, dem 10. Oktober, kommen neben B-1-, B-2- und B-52-Langstreckenbombern mit l000-Pfund-Clusterbomben zehn Jagdbomber der Flugzeugträger »Enterprise« und »Carl Vinson« zum Einsatz, denen statt konkreter Ziele das Kommando »seek and destroy« mitgegeben wird. Jetzt geht es um »targets on opportunitiy«, Ziele, die den Flugzeugkommandanten geeignet erscheinen. Da im ganzen Krieg kein einziges Flugzeug der Taliban aufgestiegen und nach wenigen Tagen auch die geringe Luftabwehr ausgeschaltet ist, kommen auf US-Seite immer mehr niedrig fliegende »Kanonenboote« (AC-130) zum Einsatz. Für die Piloten dieser »fliegenden Artillerie« gilt ab dem 16. Oktober, daß sie ihre Ziele frei wählen können. Ab diesem Termin gehen den Bomberpiloten nach Einschätzung von US-Experten die militärischen Ziele aus. Das Pentagon teilt offenbar diese Auffassung, denn ab dem 17. Oktober gibt es für Kampfbomber und »Kanonenboote« die Zuteilung allgemeiner »engagement zones«, wo sie nach eigenem Gutdünken ihre Feuerkraft entfalten können; für Bomber wird zusätzlich die »flex-target«-Strategie ausgegeben — wer das vorgesehene Ziel nicht findet, soll seine Bombenlast woanders abladen. Während den US-Strategen die militärischen Ziele ausgehen, nimmt die Zahl der Flugzeuge und Einsätze ständig zu. Am 30. und 31. Oktober praktizieren B-52-Bomber erstmals offiziell die »carpet bombing strategy« — mit 510 500-Pfund-Bomben werden Bombenteppiche vor allem um Kabul und Kandahar gelegt. Der Erfolg ist groß, allein in Kandahar kommen 55 Zivilisten ums Leben. Ab Anfang November werden verstärkt »Daisy Cutters« eingesetzt, PKW-große 15.000-Pfund-Bomben, die an Fallschirmen zu Boden gelassen werden, drei Meter über dem Erdboden explodieren und einen Zerstörungsradius von 500 Metern aufweisen. Als Ziel dieser Einsätze wird angegeben, »den Feind in die Kapitulation zu terrorisieren« (»terrorize the enemy into surrender«). Für Massenvernichtungsmittel, die aus großer Höhe an Fallschirmen herabgelassen werden, ist »der Feind« nicht eine präzise Frontlinie oder ein Munitionsdepot, sondern die Bevölkerung in den »engagement zones«, von den Pentagonspezialisten auch »killing zone« oder »kill box« genannt. Ihren Terror gegen die Bevölkerung verbreiteten die US-Truppen auch gezielt mit Hilfe kleinerer, punktgenauer Waffen. In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober legten AC-130-»Kanonenboote« das Dorf Chowkar Kariz, 40 Kilometer nördlich von Kandahar, in Schutt und Asche. Dabei töteten sie 93 Bewohner, die weder Waffen noch irgend etwas mit den bewaffneten Auseinandersetzungen zu tun hatten. Auf Anfrage erklärte der Pentagonsprecher: »Diese Leute sind tot, weil wir sie tot haben wollten.« Die Bombardierung von Städten, Dörfern und zivilen Einrichtungen Die US-Regierung hat versucht, die Informationen über ihre Kriegführung und insbesondere über zivile Opfer möglichst vollständig zu kontrollieren. Satellitenfotos der Firma Space Imaging. die Angriffe auf Zivilisten und zivile Ziele dokumentierten, hat das Pentagon (laut »Spiegel«) aufgekauft und verschwinden lassen. Das Kabuler Büro des arabischen TV-Senders Al Jazeera, der wiederholt US-kritische Beiträge gesendet hatte, wurde ebenso zerbombt wie das Büro von CNN in Kandahar. Als gemeldet wurde, daß im Zusammenhang mit den Flächenbombardements um Tora Bora am 1. Dezember die Dörfer Kama Ado und Khan-e-Mairjuddin zerstört und Hunderte der Bewohner getötet worden waren, behauptete der Sprecher des Oberkommandos: »Dies ist einfach nicht geschehen.« Ein Reporter des Londoner »Independent« fand indes die Krater, wo früher eines der Dörfer stand, frische Gräber mit Leichenteilen sowie Bombenfragmente mit der Aufschrift »Surface Attack Guided Missile AGM 114«. Trotz der Unterdrückung und Manipulation der Medien durch die US-Regierung wurden allein für die Zeit vom 7. Oktober bis zum 6. Dezember mindestens 336 Bombardierungen von Zivilisten und zivilen Einrichtungen gemeldet. Mindestens 3.767 Menschen kamen dabei ums Leben. Bis zum Ende des Jahres wurden nach diesen Berichten noch einmal mehr als 200 Zivilpersonen getötet. Anfang Januar, als die letzten Al-Qaida-Einheiten nach Angaben des Pentagon entweder in den Bergen eingekesselt sind oder sich in wilder Flucht absetzen wollen, bombardieren die USA das Dorf Qalaye Niazi in Ostafghanistan und töten 107 Bewohner. Der US-Sprecher erklärt, es habe sich um ein legitimes Ziel gehandelt, weil sich in dem Dorf ein Munitionslager der A1-Qaida-Kämpfer befunden habe. Der Autor des Dossiers über die zivilen Toten, Marc W. Herold, hält die von ihm addierte Zahl von knapp 4.000 »für eine ernsthafte Unterschätzung der tatsächlichen zivilen Verluste«. Selbstverständlich konnten die Medien unter den vom Pentagon geschaffenen Bedingungen nur einen Bruchteil der Wahrheit erfassen, zudem verzichteten die großen Medien der USA auf jeden Versuch einer kritischen Berichterstattung und gaben sich einer »uneingeschränkten Solidarität« mit der Kriegführung und der Propaganda des Weißen Hauses hin. Thomas Friedman, von deutschen Medien gern zitierter außenpolitischer Kommentator der »New York Times«, übertraf sogar die Pentagon-PR: »Es erweist sich, daß viele dieser afghanischen >Zivilisten< darum beten, noch eine Ladung von B-52ern abzubekommen, damit sie von den Taliban befreit werden, Verluste oder nicht.« Das Beten wurde erhört. Der Direktor des Hamburger Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Dieter Lutz, vermutet »Zehntausende von toten Zivilisten in Afghanistan.« Zu den bevorzugten Zielen, die von den US-Bombardements ebenso »versehentlich« wie regelmäßig getroffen wurden, zählten Moscheen und Krankenhäuser. Die Sultanpur Moschee in Jalalabad wurde am 10. Oktober verheerend getroffen, 70 Menschen fanden den Tod. Noch während der Rettungsarbeiten wurde die Moschee ein zweites Mal angegriffen; diesmal wurden 120 Menschen getötet. Auch die Moscheen in Kunduz (23 Tote), Herat (100 Tote), Paktia (»unspezifizierte Anzahl von zivilen Opfern«), Kala Shah Pir (45 Tote), West-Herat (9 bis 20 Tote), Ost-Jalalabad und Khost wurden bombardiert. Bomben fielen auf Krankenhäuser und Kliniken in Kabul (19 Tote), Kandahar (13 Tote), Daman-Kandahar (5 Tote), Herat, Uruzgan (18 Tote) und Paktia. Massenmord unter Aufsicht amerikanischer und britischer Truppen In vielen Fällen erübrigte sich der spezielle Angriff auf Moscheen, Kliniken oder Schulen, da der ganze Ort zerstört wurde. So in Karam, wo das Dorf nebst Schafherde und 200 Bewohnern vernichtet wurde. Die Dörfer Shah Aga und Asmanze (Provinz Kandahar) wurden dem Erdboden gleichgemacht, 300 Bewohner getötet. Unter den Bombenteppichen auf Kunduz und die umliegenden Dörfer wurden weit über tausend Menschen begraben. Bei dem wochenlangen »carpet bombing« von Tora Bora kommen die Medienbeobachter mit dem Zählen der Toten nicht mehr nach und begnügen sich in der Regel mit dem Registrieren des nicht enden wollenden Bombenregens, den laut Bericht des Center for Defense Information »B-1B, B-52-Bomber aus Diego Garcia; AC-130H und F-l5Es aus Oman; F-14, F/A-18 und AV-8B Kampfbomber von Schiffen im Persischen Golf« ablassen. Die Militärexperten geben auch bekannt, daß drei Angehörige der US-Spezialeinheiten getötet und 19 verletzt wurden — durch einen fehlgeleiteten US-Luftschlag. Denn längst bewegen sich Tausende dieser Spezialkräfte im Land, Taliban und Al-Qaida sind bis auf eine kleinere Region in der Provinz Nangarhar besiegt. Doch die USA intensivieren noch ihre Bombenangriffe. Wenn Zivilisten versuchen, dem Inferno auf Traktoren oder mit Privatwagen zu entkommen, werden sie von Flugzeugen oder Spezialeinheiten erbarmungslos aufs Korn genommen. Wer sich bewegt, ist für die US-Flieger ein Feind. So wird auch Ende Dezember ein Konvoi beschossen, der sich auf dem Weg nach Kabul zur Inauguration der neuen, vom Westen eingesetzten Regierung befindet. 65 Menschen werden getötet. Das Pentagon behauptet, die offiziellen Regierungsgäste und Stammesältesten hätten das Feuer auf die Flugzeuge eröffnet. Neben gezielten Schlägen gegen die Infrastruktur des Landes - Staudämme, Kraftwerke, Telefonstationen. Stromleitungen werden regelmäßig in allen Gegenden des Landes zerstört - richten die USA ihre Angriffe auf Einrichtungen der internationalen Organisationen in Afghanistan. Bombardiert werden: u das Gebäude der Technischen Beratung der UN in einem Vorort Kabuls (6 Tote); u die Warenhäuser des Roten Kreuzes in Kabul, wobei der Großteil der gelagerten, dringend benötigten Waren vernichtet wird; u das Warenhaus der Welternährungshilfe in Herat; u die Klinik des Roten Kreuzes in der Provinz Kandahar; u die Gebäude der Entminungskommission der UN in Kandahar; u das Gebäude der UN-Entminungskommission in Gardez; u fünf Lastwagen der Welternährungshilfe in Kandahar. Der Bombenterror der USA treibt NGOs und UN-Organisationen aus dem Land, so daß die ohnehin miserable Versorgungssituation hoffnungslos wird. Ohne Zweifel der von den US-Strategen beabsichtigte Effekt. Auf die Bombenkampagne angesprochen. erläuterte Admiral Michael Boyce, der Chef des britischen Militärstabs, schon Anfang November: »Das Volk des Landes wird so lange ausgequetscht, bis es selbst begreift, daß dies anhalten wird, bis die Führung gewechselt hat.« Bomben auf Zivilisten und zivile Einrichtungen waren und sind Teil der Militärstrategie. Die Massaker von Mazar-i-Sharif und im Süden von Kabul Als nach wochenlangen Bombardements Mazar-i-Sharif am 9. November in die Hände der Nordallianz fiel, veranstalteten deren Truppen ein Massaker unter Gefangenen und Bewohnern der Stadt, dem »mehrere hundert« Menschen zum Opfer fielen (James Ridgeway in »Village Voice«). Nach Berichten des Roten Kreuzes wurden zwischen 400 und 600 Leichen gefunden. Offenbar waren viele der Talibankämpfer exekutiert worden. Der Sprecher des Internationalen Roten Kreuzes in Kabul, Bernard Barrett, sah sieh genötigt, darauf hinzuweisen, daß »standrechtliche Erschießungen durch die Genfer Konvention verboten (sind)«. Der Massenmord geschah unter der Ägide US-amerikanischer und britischer Truppen, deren Spezialkommandos längst die militärische Führung der »Nordallianz« übernommen hatten. Ihre aktive Rolle erwies sich unmittelbar darauf bei der Niederschlagung des Aufstandes im Festungsgefängnis Kalai Dschanghi im Westen von Mazar-i-Sharif. Film- und Tonaufnahmen belegen, daß US-Agenten dort Gefangene unter Foltermethoden verhörten. Einer der US-Agenten wurde bei dem Gefangenenaufstand nach Informationen des Pentagon der erste »KIA« der US-Truppen - »killed in action«. Als seine Einheit wurde angegeben: »CIA Directorate of Operations«. Im Verbund mit rund 40 Mann britischer Spezialkräfte organisierten die CIA-Agenten die blutige Niederschlagung des Aufstandes vom Boden aus, den Rest besorgten US-Kampfflieger und -hubschrauber aus der Luft. Nach Auskunft der »Nordallianz« wurden fast alle der 700 Gefangenen getötet. Massaker waren beim Vormarsch der »Nordallianz« in allen Gebieten Afghanistans an der Tagesordnung. »Sie feierten sich mit Exekutionen«, überschrieb ein Reporter der »New York Times« seinen Augenzeugenbericht aus der Umgebung Kabuls. Südlich von Kabul schlachtete der USBündnispartner unter dem Kommando des damals von der »Nordallianz« als neuer Präsident vorgesehenen Burhanuddin Rabbani 1.700 Gefangene ab. Rabbanis Verbände »wurden auch von britischen und amerikanischen Militäreinheiten in Kabul beraten«. (James Ridgeway). Langzeitfolgen: Hungertode, Flüchtlingselend, Minenopfer »Global Exchange«, ein US-amerikanischer gemeinnütziger Verein, schickte im Dezember 2001 eine Frauendelegation nach Afghanistan, um die Ergebnisse des US-Kriegs vor Ort zu studieren. Der Befund: »Die US-Bombenkampagne hat zwar geholfen, das Unterdrückerregime der Taliban zu besiegen, aber sie hat die humanitäre Krise in zwei Richtungen extrem zugespitzt. Erstens sind Hunderttausende aus Angst vor den Bomben aus ihren Dörfern geflohen und haben die Massen der Flüchtlinge noch verstärkt. Zweitens haben die humanitären Organisationen ihre Belegschaften aus dem Land abgezogen und haben ihre Programme eingestellt oder erheblich reduziert.« Die Forschungsdirektorin des »Center for Economic and Social Rights« stellte nach einer Inspektionsreise zur selben Zeit fest, daß sich die Ernährungskrise nach dem Sieg der USA enorm verschärft hat. Die Organisation beklagt, daß »etwas falsch sein muß, wenn die US-Regierung Afghanistan und seine Nachbarn so unter Druck setzt, daß sie die Einrichtung größerer neuer US-Militärstützpunkte erlauben, aber nicht freies Geleit für humanitäre Hilfe für hungernde Zivilisten«. Über fünf Millionen Flüchtlinge existierten bereits als Folge der vorangegangenen beiden Afghanistankriege. Der US-Krieg hat weitere zwei Millionen in die Flüchtlingslager Pakistans getrieben, wo sie am Rande des Hungertods vegetieren. In Afghanistan litten nach Einschätzung der UN zu Beginn des US-Feldzugs fünf bis sieben Millionen Menschen Hunger. Ihre Lage wurde drastisch verschärft: Im Bombenhagel war an die Bestellung der Wintersaat nicht zu denken, landwirtschaftliche Arbeit war lebensgefährlich und die Hilfsorganisationen stellten ihre Arbeit ein. Wenn die Propagandanebel gelichtet werden können, wird sich herausstellen, daß Hunderttausende Afghanen zu Langzeitopfern des US-Kriegs wurden. Viele Hungernde werden vorher erlöst, denn die Flächenbombardierungen haben Afghanistan in weiten Gebieten zu einem Minenfeld gemacht. Jeder B-52-Bomber kann bis zu 30 Clusterbomben tragen, in jeder stecken statistisch 303 Blindgänger. Vorsorglich haben die USA die Entminungseinheiten der UN bombardiert, so daß Gewähr besteht, daß die Millionen Blindgänger aus US-Bomben noch auf Jahre hinaus die afghanische Bevölkerung dezimieren werden. Allein in Laos, weniger zerbombt als Vietnam oder Kambodscha oder jetzt Afghanistan, sind seit dem Ende der US-Aggression vor 30 Jahren mehr als 12.000 Menschen durch Blindgänger von US-Clusterbomben getötet worden. Zu den politischen und ökonomischen Hintergründen des »Kriegs gegen den Terror« siehe die neusten Publikationen des ISW - Institut für sozialökologische Wirtschaftsforschung München: ISW-Report 49: Krise und Krieg (Weltwirtschaftskrise - Globaler Imperialismus »Krieg gegen den Terror«), ISW-Spezial 15: Krieg ums Erdöl (Zwischen Kaspischem Meer und Nahem Osten entscheidet sich die Zukunft des globalen imperialismus) ISW - Johann-von-Werth-Str. 3, 80639 München. Fon: 089/130041; Fax: 1689415; isw_muenchen@t-online.de
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