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„Mauscheln
und vernebeln“ WPG-Skandal
und verfehlte Kommunalpolitik im Lokalfunk (iz)
Seit langem beschäftigt sich der GEGENWIND mit den krankhaften Auswüchsen
lokaler Kommunalpolitik. Dazu zählt aktuell der Skandal um die WPG-Pleite, die
mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft in Oldenburg beschäftigt – und
„Radio Jade“, dessen Redakteure wie wir Bewegung in das
„sozialdemokratische Wesen wie vor 100 Jahren“ (Birgit Puvogel) bringen
wollen. Die Auftaktsendung einer angekündigten Reihe kritischer Beiträge ist
es wert, schwarz auf weiß in dieser Zeitung verewigt zu werden. „Radio
Jade ist neben dem GEGENWIND das einzige unabhängige Medium in der Region“
stellte Rüdiger Schaarschmidt in der einstündigen „Direkt
extra“-Sondersendung am 12. April fest. Die kritische Offensive des Senders
erfolgt in dem Bewusstsein, dass Medien, die hier vor Ort etwas Positives
bewirken wollen,
für die unheilige Allianz aus Tageszeitung, der rot-grünen
Mehrheitsfraktion des Rates und der Verwaltungsspitze als „Miesmacher“
gelten, die der Stadt „schaden“ und „mundtot gemacht“ werden sollen. Die
Unabhängigkeit begreift Radio Jade nun als Verpflichtung für „veritas vincet“
– die Wahrheit wird siegen. Mündige BürgerInnen sollen nicht länger für
dumm verkauft werden. „Transparenz ist ein Fremdwort für die herrschende
Politik“, die, so Schaarschmidt in seiner Rahmenmoderation, möglicherweise
bei der Kommunalwahl am 9. September die Quittung dafür erhalten wird. Launig,
emotional, sarkastisch, doch immer am roten Faden der Fakten orientiert begannen
Michael Diers und Birgit Puvogel mit der Aufarbeitung der Skandale um Expo und
WPG. Vieles davon war bereits aus dem GEGENWIND bekannt (umfangreiche Analyse s.
Nr. 167 v. April 2001); wochenlange Recherchen der KollegInnen vom Lokalfunk
haben mittlerweile noch weitere unappetitliche Details aus dem dort zitierten
„Dreckigen Sumpf“ ans Tageslicht befördert. Erfrischend waren für
frustrierte Wilhelmshavener HörerInnen vor allem die Zitate und Kommentare der
Redakteure, die wir nebenstehend (Kasten) auszugsweise abdrucken. Es
kam alles so plötzlich Wie
der GEGENWIND fragt sich auch Radio Jade, wie aus 17 Mio DM WPG-Schulden
(Verlautbarung im November 2000), die der Expo zuzuordnen sind, bis März dieses
Jahres 34 Mio werden konnten. Fragwürdigen Aufschluss gibt ein Zitat aus einem
NDR-Interview mit Kulturdezernent Jens Graul, nach dessen Aussage man seit 1998
so sehr mit der Expo-Vorbereitung beschäftigt war, „dass keine Zeit blieb,
die Rechenschaftsberichte durchzugucken“. Rüdiger Kramp und Jürgen
Groenewold sollen nun als ehemalige Geschäftsführer die Köpfe hinhalten.
Michael Diers fragt berechtigterweise, wo die Vorgesetzten sind, die an den
beiden vorbei maßgebliche Entscheidungen gefällt haben. Um die Verantwortung
lokalisieren zu können, sollen zukünftig Einzelmaßnahmen der WPG vom
Verwaltungsausschuss abgesegnet werden – auf Intervention der Kommunalaufsicht
(Bezirksregierung), die ihrem Sorgenkind Wilhelmshaven schon oft genug die Ohren
lang ziehen musste und den Verantwortlichen aus aktuellem Anlass auch mit
strafrechtlichen Konsequenzen droht. Die Aufsichtsbehörde legte dem Rat auch
nahe, das fragwürdige Sanierungskonzept für die städtische Gesellschaft, das
die Steuerzahler weitere 10 Jahre belasten wird, nur zur Kenntnis zu nehmen.
Dass das Konzept wider besseres Wissen doch verabschiedet wurde, deutet Diers
so, dass gewisse Mandatsträger sich vor genaueren Recherchen vor allem
innerhalb „einer gewissen Partei“ fürchten. Unterm
Strich sind auch Kramp und Groenewold fein raus. Diers` Feststellung, sie seien
nach der Expo „in den Ruhedienst gestellt“ worden, ist vordergründig ein
sprachlicher Ausrutscher. Vor dem Hintergrund, dass sie weitere zweieinhalb
Jahre Bezüge erhalten – allein Kramp, wird vermutet, 450.000 DM –, trifft
Diers den Nagel auf den Kopf. Blankes
Entsetzen Während
besagter Ratssitzung am 21.3., in der auch die WPG-Schulden diskutiert wurden,
erfasste Birgit Puvogel das gleiche „blanke Entsetzen“, das jeden außenstehenden
Beobachter dieser Zusammenkünfte befällt und sich in unserer Rubrik
„Ratssplitter“ regelmäßig widerspiegelt. In der sogenannten Bürgerfragestunde
hatte ein aufgeweckter Jadestädter den Teilskandal um die „Botel GmbH“
anhand von 30 Fragen aufgedröselt. (Die städtische Beteiligung an diesem
Gastronomiebetrieb hat den
Steuerzahlern allein über 1,1, Mio DM Schulden beschert). Die
angesprochenen Ratsmitglieder kommentierten die Anfrage durch Gähnen, Kopfschütteln
oder Flucht aus dem Ratssaal, unter dem Vorwand anderweitiger Termine – kurz
gnadenlose Arroganz. „Das hat was mit Strukturen zu tun, einer bestimmten
Denke der letzten 30 Jahre“, resümiert Puvogel spürbar fassungslos. Auch
Diers erkennt, dass die Verantwortlichen nur an sich und ihre Pfründe denken
– mit dem Ergebnis, dass Nachrücker fehlen, um die Zukunft aller BürgerInnen
dieser Stadt zu sichern. Zum
Abschluss der Sendung rief Radio Jade die HörerInnen auf, dieses unabhängige
Medium für eine kritische Auseinandersetzung mit einer bürgerfeindlichen
Kommunalpolitik aktiv und konstruktiv zu nutzen. Dem können wir uns – ergänzt
durch ein entsprechendes Angebot an unsere LeserInnen - nur anschließen. Zitate „Öffentliche
Auseinandersetzung gibt es kaum in der grünen Stadt am Meer.“ (Schaarschmidt) „Die
Lokalzeitung versucht mit allen Mitteln, die Richtung der Politik zu bestimmen,
und die meisten Politiker laufen ihr hinterher.“ (Schaarschmidt) „Die
Schulden der WPG seien kein Wahlkampfthema, erklären WZ und SPD unsisono. So
wird versucht, BürgerInnen für unmündig zu erklären.“ (Schaarschmidt) „Die
Nicht-Aufarbeitung von Skandalen hat Methode in 30 Jahren SPD – bis auf einen
Betriebsunfall.“ (Diers) „Als
Journalistin und Stadtplanerin bin ich
tief besorgt. Mit vernetztem Denken und sozialer Kompetenz wären die Wohnstadt
West und andere Dinge nicht passiert.“ (Puvogel) „Da
erhält ein Mr. Nishen aus Berlin 3 Mio DM - für nichts.“ (Diers zu
dubiosen Planungsaufträgen der WPG) „Ach,
wir sind schon zu Ende? Ich habe ja noch 30 Jahre (SPD-)History vorzutragen.“
(Puvogel) „Würde
ich einem mittelalten Bürger in der Fußgängerzone das Wort ‚Sonnemann’
zurufen, müsste ich mir 2 Stunden Hasstiraden anhören.“ (Puvogel) „Das
muss man erst mal bringen.“ (Diers zu einem WZ-Beitrag über Expo und
WGP, wonach allen Beteiligten, jedoch ausdrücklich nicht dem leitenden
WPG-Mitarbeiter Jürgen Groenewold gedankt wurde.) „Lassen
wir das noch 20 Jahre so weiterlaufen, dann ist das Ding komplett gegen die Wand
gefahren. Daran habe ich, die ich noch 30, 40 Jahre hier leben will, überhaupt
kein Interesse.“ (Puvogel) „Ein
Schelm, wer Arges dabei denkt.“ (Schaarschmidt zu der Tatsache, dass
weder der Programmhinweis noch eine ergänzende Pressemitteilung zu dieser
Sendung in der WZ abgedruckt wurden; Anm. d. GEGENWIND-Redaktion: Eine Woche später
druckte die WZ den Programmhinweis – an dem Abend lief auf dem Sendeplatz ein
Bericht über das IGS-Musical ...) „Mauscheln
und Vernebeln“ (Schaarschmidt zur Politik lokaler Meinungsmacher)
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