|
|
Nachrichten US-Atom-U-Boot gefährdet Wilhelmshavener Bevölkerung Das amerikanische atomgetriebene U-Boot "Springfield" besuchte vom 21.-27. August Wilhelmshaven. Da das U-Boot, das im Marinestützpunkt festmachte, atomar angetrieben ist und vermutlich auch scharfe Atom-Sprengköpfe an Bord hat, bestand eine akute Gefährdung der Wilhelmshavener Bevölkerung. Dementsprechend erließ die Bezirksregierung folgende Anordnung an unterschiedliche Stellen: "Polizeiliche Schutzmaßnahmen bitte ich in eigener Zuständigkeit anzuordnen. Entsprechendes gilt auch für die Vorsorgemaßnahmen im Katastrophenschutz. (...) Ich bitte Sie, (...) die integrale Gammadosis mit Festkörperdosimetern zu messen und anschließend dem Niedersächsischen Umweltministerium zu berichten. (...) Ich beauftrage Sie hiermit, (...) die notwendigen Wasseruntersuchungen durchzuführen." Seit das erste atomar angetriebene U-Boot 1954 vom Stapel lief, gab es über 700(!) offizielle Unfälle auf Schiffen und U-Booten mit Nuklearbetrieb, und die Kette von Atomunfällen auf See und in Häfen reißt nicht ab. Die "Springfield", die mit atomar bestückten Tomahawk-Marschflugkörpern ausgerüstet werden kann, ist eine tickende Zeitbombe, und war dies mitten im Hafen dieser Stadt. Doch weder Stadtverwaltung, noch Presse, noch Militär hielten es für nötig, die Bevölkerung über diese Gefahren zu informieren. Statt dessen wurde der Besuch des U-Bootes gefeiert, die Atomkraftwerke an Bord jedoch wurden verschwiegen. Trotz der Resolution vom 16. Juni 1983, in der der Stadtrat, auf Drängen des heutigen Oberbürgermeisters Menzel, eine "kommunale atomwaffenfreie Zone" beschlossen hatte, schwieg auch der Rat der Stadt, obwohl dieses Boot mit allergrößter Wahrscheinlichkeit Atomwaffen an Bord hatte. Um diese Resolution noch einmal allen Ratsmitgliedern, die ja auch zuletzt beim Besuch der "USS Jacksonville" 1995 nicht reagierten, ins Gedächtnis zu rufen, zitieren wir hier die wichtigsten Passagen, in der Hoffnung, dass beim nächsten Besuch eines atomar angetriebenen Schiffes mit Massenvernichtungswaffen die Bevölkerung aufgeklärt wird, sowie an offizieller Stelle Protest eingelegt wird, damit Ratsbeschlüsse und -resolutionen nicht zur Farce werden: "Die Stadt Wilhelmshaven unterstützt im Rahmen ihrer Zuständigkeit und der gesetzlichen Möglichkeiten keinerlei Maß- nahmen, die der Lagerung, Stationierung und dem Transport von atomaren und sonstigen Massenvernichtungsmitteln dienen. Die Verwaltung wird aufgefordert, diesen Willen der Stadt bei allen konkreten Anliegen gegenüber den zuständigen Organen durchzusetzen."(ft)"Die Stadt Wilhelmshaven unterstützt im Rahmen ihrer Zuständigkeit und der gesetzlichen Möglichkeiten keinerlei Maß- nahmen, die der Lagerung, Stationierung und dem Transport von atomaren und sonstigen Massenvernichtungsmitteln dienen. Die Verwaltung wird aufgefordert, diesen Willen der Stadt bei allen konkreten Anliegen gegenüber den zuständigen Organen durchzusetzen."(ft) Als eine Wilhelmshavener Bürgerin sich beim Grünflächenamt erkundigte, wann das Beet an ihrer Straße gereinigt werden würde, antwortete der zuständige Sachbearbeiter vorwitzig mit den Worten: "Im Jahre 2000, wenn ich wieder Planstellen habe." Als diese Bürgerin sich dann anbot, das Beet selbst zu reinigen, verbunden mit der Bitte, dass die Grünabfälle aber abgeholt werden müssten, da die braune Tonne diese Mengen nicht schluckt, antwortete der Sachbearbeiter, dass er wichtigere Anrufe zu erledigen hätte. Sie sollte sich noch einmal melden, wenn die Pflanzen gefährlich und bedrohlich werden. (ft) Ganze 13 Leute versammelten sich anlässlich des Antikriegstages am 1. September 1998 auf dem Wilhelm-Krökel-Platz um gegen Krieg und Faschismus zu demonstrieren. Angesichts der 13 bekannten Gesichter zögerte Monika Schwarz, mit ihrer Rede zu beginnen. "Euch brauch' ich das doch nicht zu erzählen - ihr seid doch diejenigen, die immer aktiv sind", begründete sie ihr Zögern. In ihrer dennoch gehaltenen Rede zeigte Monika Schwarz auf, dass es keinen Grund dafür geben darf, den Widerstand gegen den Krieg aufzugeben. Auf allen Kontinenten wird Krieg geführt - von Afghanistan bis Zimbabwe. Deutsche Waffen werden nicht nur in der Türkei gegen die Kurden, sondern auch an vielen anderen Schauplätzen eingesetzt. "Die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen machen Angst vor dem Ergebnis der Bundestagswahlen", sagte Schwarz im Hinblick auf die Erfolge rechtsextremer Parteien in Deutschland. Nach der Kundgebung verabschiedeten sich die Teilnehmer per Handschlag und gingen ihre Wege. (hk) Ein stiller "Sturm" zog im Sommer über den Rosenhügel, wo die Landesbühne wiederum open-air die Theaterferien überbrückte. Von den Vorläufern "Mephisto" und "Merlin" über den "Schimmelreiter" ist die Bühne immer kleiner und sind die Töne immer leiser und unspektakulärer geworden - jedoch keinesfalls schlechter. Kein Vergleich mit der wunderschönen Inszenierung des "Sommernachtstraums" im Oldenburger Schlosspark (jetzt schon im 3. und wahrscheinlich leider letzten Jahr), aber für Wilhelmshavener Verhältnisse ein bemerkenswerter Shakespeare. Scheinbar nicht fürs hiesige Publikum: Die Vorstellungen waren im Schnitt alles andere als ausverkauft. Allein am Wetter kann es nicht gelegen haben - das war in Oldenburg auch nicht besser -, zumal die Pausenverpflegung zusätzlich zur heißen Bratwurst auch noch Glühwein bot und danach Gelegenheit zum Aufwärmen bei einer Tanzeinlage mit Darstellern und Publikum bestand. Hoffentlich lässt sich die Landesbühne trotz mangelnder Resonanz nicht entmutigen, den vom Intendanten Gerhard Hess gepriesenen Freizeitwert unserer Stadt auch zukünftig im sommerlichen Stadtpark aufzuwerten. (iz) Spielzeitrevue light gab's am Abend des diesjährigen Theaterkarussells am 22.8. Wenige Versatzstücke der kommenden ersten Saison unter dem neuen Intendanten Gerhard Hess wurden eingebaut in eine Story über die Entstehung eines Theaterstücks. Jedoch blieben "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" dieser Selbstinszenierung dem geneigten Besucher ein wenig verborgen, wirkte die Komik manchmal doch etwas gequält (mag sein, weil kurzfristig improvisiert) und der Applaus entsprechend höflich. Der Intendant wirkte als Conférencier auf den ersten Blick auch nicht sonderlich charismatisch, was sein fachliches Können aber nicht voreilig in Frage stellen soll. Vor allem aber präsentierte das "Theater hinter den Kulissen" sich so, wie Heini Schmidt es sich vorstellt bzw. gern hätte (und nicht so trocken, streng und intrigant, wie gut unterrichtete Kreise die Realität der Branche - grundsätzlich, nicht nur an der Landesbühne Wilhelmshaven - beschreiben). Immerhin, die Idee einer Rahmenstory war ganz gut, und einige der gezeigten Kostproben erwiesen sich als wahre Leckerbissen, die neugierig machen auf das Programm der nächsten Monate. (iz) AKW ESENSHAMM Die Spitze des Eisbergs Störfall am 6. Juni 1998 Strahlende Castorbehälter Diskussionsveranstaltung am Donnerstag, 4.9.1998 um 20 Uhr in Rodenkirchen, Hotel Hülsmann, Stadlander Platz 2 (Ecke B 212/ B 437) Referent: Dipl.-Physiker Lothar Hahn, Atomexperte des Ökoinstituts Darmstadt. Veranstalter: Arbeitskreis Wesermarsch, Regionalkonferenz der Bürgerinitiativen Umweltschutz. Der Arbeitskreis Wesermarsch ruft zu einer Mahnwache am Tag des demnächst drohenden Wiederanfahrens des AKW Esenshamm auf. Die Mahnwache soll um 10 Uhr vor dem AKW beginnen. Telefonische Rückfragen: 04401-3813 oder 0441-2048614.
PERSPEKTIVE feiert 15. Geburtstag Haben Sie schon einmal versucht, Kulturarbeit in Wilhelmshaven zu machen? Schon die Vorstellung davon treibt den meisten den Angstschweiß ins Gesicht. Das Team der PERSPEKTIVE macht schon seit 15 Jahren Kulturarbeit in Wilhelmshaven. Natürlich hat das Team in dieser langen Zeit personell gewechselt, doch die Idee ist über die Generationen vererbt und verfeinert worden. 2. Wilhelmshavener Kunstwoche 22 KünstlerInnen der Region präsentieren ihre Werke vom 26. September bis zum 3. Oktober in der Perspektive, der Galeriewerkstatt Kunst & Klatsch, dem "Poller" und der Galerie M. "Dieses Projekt soll in unserer multimedial überfluteten Zeit die 'höchstens dreidimensionalen Künste' wie Malerei, Fotografie und Bildhauerei aus ihrem Nischendasein herausholen. Die Idee der 'dezentralen Gemeinschaft' ist hierbei eine zusätzliche spannende Erfahrung für den kunstinteressierten Besucher", so die Pressemitteilung. Die Kunstwoche wird am 26. September um 20 Uhr in der Perspektive eröffnet. Die weiteren Vernissagen folgen am Sonntag, 27. September um 11 Uhr in der Galeriewerkstatt Kunst und Klatsch und um 15 Uhr im "Poller". In allen beteiligten Galerien ist der Gesamtkatalog und das offizielle Programm erhältlich. Wenn Sie die derzeit in der Schellingstraße Kulturschaffende kennen lernen wollen, sind Sie zur Geburtstagsparty am 5. September 1998 herzlich eingeladen. Ab 14 Uhr wird bei Essen und Trinken allerlei Kulturelles geboten. Die in der PERSPEKTIVE beheimateten Gruppen und Stammtische werden sich mit Infoständen und Aktivitäten vorstellen. Ab 20 Uhr wird bei Life-Musik gefeiert und über das kulturelle Vereinsleben gelästert... Leserbrief Ein riesiges Defizit Zum Artikel "Wie man die Geschichte privatisiert" Gegenwind 147 Beim aufmerksamen Lesen des Artikels zum "Deutschen Marinemuseum" fiel mir eine Aussage auf, der widersprochen werden muss. Nämlich, dass die Geschichte der Wilhelmshavener jüdischen Bürger nicht aufgearbeitet wurde. Dieses stimmt so nicht, denn es gibt eine sehr gute Publikation des Historischen Arbeitskreises des DGB über dieses Thema (Heft 2, H. Büsing). Ob diese Veröffentlichung verlässlich und ausreichend ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. In Verbindung damit, aber auch mit vielen anderen Dingen in der Vergangenheit, fiel mir immer wieder auf, dass es hier in Wilhelmshaven ein riesiges Defizit in der Aufarbeitung der Jahre 1933 1945 von offizieller Seite gibt. Warum sind die Hefte des o.a. Arbeitskreises so wenig bekannt? Warum werden in Jubelschriften der Stadtteile nicht auch die vielen Lager mit Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen erwähnt? Warum wird nicht seitens der Stadt für das Denkmal der Opfer der Militärjustiz geworben und gesammelt? (Wobei mich brennend interessiert, wie weit die Aktion des Antifa fortgeschritten ist.) Man könnte noch viele Fragen stellen, aber ich fürchte, es wird keine Antworten darauf geben. Ich bin der Meinung, gerade wegen der jüngsten Wahlerfolge rechter Parteien, dass Nichtwissende unbedingt darauf hingewiesen werden sollten, was alles unter dem Einfluss rechter Ideen entstehen kann. Ein Philosoph sagte einmal: "Wenn man sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist man verurteilt sie zu wiederholen." Da ist was Wahres dran. Reiner Fenske Memelerstr. 11 60 Jahre Reichspogromnacht - "Das Eichmann-Experiment" Unter diesem Titel wird mit einer Veranstaltungsreihe Ende Oktober/ Anfang November in Wilhelmshaven ein schwarzes Kapitel deutscher Geschichte aufgeschlagen. Eine Reihe politisch und kulturell engagierter Jadestädter reagiert damit auf das immer noch und immer wieder alltägliche faschistische Erbe unserer Gesellschaft, das sich in Gewalthandlungen und Wahlverhalten widerspiegelt. Tatort Wilhelmshaven/ Rüstringen heißt die Auftaktveranstaltung Ende Oktober in der Perspektive. Hartmut Büsing (Historischer Arbeitskreis des DGB) stellt in Texten und Bildern die Geschichte der Rü-stringer und Wilhelmshavener Juden vor: "... soviel unnennbares Leiden erduldet ..." - aus dem Blickwinkel des kleinen Mannes. "In unserer eigenen Stadt können wir anfassen, begreifen, daß der Weg nach Tre-blinka und Auschwitz auch von hier aus seinen Anfang nahm." Weiterhin werden Ausschnitte gezeigt aus dem Film "Wilhelmshaven - Marinehauptstadt der NS" von Heiko Pannbacker und Hartmut Peters (Antifaschistisches Bündnis Wilhelmshaven). Heute Abend: Lola Blau heißt das "Musical für eine Darstellerin" von Georg Kreisler, das Sigrun Kaethner-Böke am 30. und 31. Oktober (jeweils 20 Uhr) in der Perspektive präsentiert. Ins Dunkel geschrieben sind Texte von Walter Mehring, Erich Mühsam, Paul Zech, Else Lasker-Schüler, Nelly Sachs, Lola Landau, Selma Meerbaum-Eysinger und Ingeborg Bachmann, interpretiert von Sigrun Kaethner-Böke (Rezitation und Gesang), Carlo Menzel (Oboe) und Marten Mayer (E-Piano) am 6.11. um 20 Uhr in der Perspektive. Spuren der Vergangenheit zeigen sich in der Überwindung persönlicher Probleme, von Identitätsstörungen und einem gestörten Verhältnis zur eigenen Lebensgeschichte selbst in der dritten Generation. Wolfgang Neumann, Diplompsychologe und Psychotherapeut an der Uni Bielefeld, beschäftigt sich am 7.11. um 20 Uhr in der Perspektive mit der Gefühlsverarbeitung und Gefühlstradierung nicht verarbeiteter psychischer Spuren der NS-Vergangenheit. Sein Vortrag richtet sich an alle Interessierten und in erster Linie an jene ohne fachpsychologische Vorkenntnisse. Das Eichmann Experiment von Tilman Hanckel ist das Kernstück der Veranstaltungsreihe, wofür Ignaz Bubis, Vorsitzender des Zentralrates der deutschen Juden, die Schirmherrschaft übernahm. 1960 liefen an der Yale University die Experimente Stanley Milgrams zur Erforschung des Phänomens Autorität - Gehorsam an. 1960 begannen in Jerusalem die Verhöre Adolf Eichmanns. In dem Dokumentarspiel wechseln Verhörszenen und Experimente. Eingeschobene Gesprächsszenen weisen auf das gemeinsame Ziel hin, den Mechanismus des blinden Gehorsams zu erkennen und zu verhindern. Premiere ist am 8.11. um 20 Uhr, weitere Aufführungen am 9. und 10.11. um 10 Uhr und um 16 Uhr jeweils im Pumpwerk In den vergangenen Jahren hatten sich die Organisatoren der Freizeit GmbH nicht gescheut, just zum Jahrestag der Reichspogromnacht das Kleinkunstfestival im Pumpwerk zu starten - im härtesten Fall mit einer Comedy-Veranstaltung. Wiederholt wurden die Verantwortlichen u. a. vom Gegenwind und dem Antifaschistischen Bündnis auf diese Geschmacklosigkeit hingewiesen, u. a. mit einer Protestveranstaltung der Antifa direkt vorm Eingang des Pumpwerk. Unter den zur Kleinkunstpremiere geladenen Gästen befanden sich viele "Vips", die ansonsten gern ihr Geschichtsbewußtsein zur Schau stellen, von denen einige vielleicht wenige Minuten vorher "der Form halber" der Gedenkfeier am Synagogenplatz beigewohnt hatten ... Die Veranstalter begründeten das immer mit Vergeßlichkeit, man müsse das Kleinkunstfestival ja so lange vorher planen ... sie erhielten den Tip, das Datum der Reichspogromnacht pauschal in den Kalender einzutragen. Das scheint nun endlich etwas genützt zu haben (iz) In den vergangenen Jahren hatten sich die Organisatoren der Freizeit GmbH nicht gescheut, just zum Jahrestag der Reichspogromnacht das Kleinkunstfestival im Pumpwerk zu starten - im härtesten Fall mit einer Comedy-Veranstaltung. Wiederholt wurden die Verantwortlichen u. a. vom Gegenwind und dem Antifaschistischen Bündnis auf diese Geschmacklosigkeit hingewiesen, u. a. mit einer Protestveranstaltung der Antifa direkt vorm Eingang des Pumpwerk. Unter den zur Kleinkunstpremiere geladenen Gästen befanden sich viele "Vips", die ansonsten gern ihr Geschichtsbewußtsein zur Schau stellen, von denen einige vielleicht wenige Minuten vorher "der Form halber" der Gedenkfeier am Synagogenplatz beigewohnt hatten ... Die Veranstalter begründeten das immer mit Vergeßlichkeit, man müsse das Kleinkunstfestival ja so lange vorher planen ... sie erhielten den Tip, das Datum der Reichspogromnacht pauschal in den Kalender einzutragen. Das scheint nun endlich etwas genützt zu haben (iz)
|
|
|
Gegenwind - Wilhelmshavener Zeitung für Arbeit*Frieden*Umweltschutz - gegenwind.whv@t-online.de Telefon: 04421/994990 |