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Nachrichten
Auf Einladung der Wilhelmshavener Ortsgruppe der PDS referiert die
Diplomsoziologin und Volkswirtin Ulla Jelpke am Dienstag, den 19. Mai 1998 in der
"Perspektive" über das Thema: "Umgang mit Drogen". Ulla Jelpke wurde
von 1981 - 1989 zweimal zur Abgeordneten für die Grün-Alternative-Liste (GAL) in die
Hamburger Bürgerschaft gewählt. Seit 1990 ist sie Mitglied des Bundestages und
innenpolitische Sprecherin der PDS: Die PDS-Bundestagsgruppe fordert die Legalisierung des
Gebrauchs und des Anbaus von Cannabis sowie die Zulassung einer ärztlich kontrollierten
Abgabe von so genannten harten Drogen an Abhängige. Generell soll nach Auffassung der PDS
auch der Gebrauch von harten Drogen künftig straflos sein. Die Therapiemöglichkeiten in
der BRD müssen, so die PDS, grundlegend verbessert werden. Gleichzeitig fordert die PDS
ein "absolutes Werbeverbot für alle Drogen wie Alkohol, Tabak, Pharmaka und andere
Rauschmittel". Zur Begründung heißt es in dem von Ulla Jelpke im Bundestag
eingebrachten Antrag: "Drogenabhängigkeit ist vor allem ein soziales und
medizinisches und kein strafrechtliches Problem...Die gegenwärtige Drogenpolitik ist nach
Auffassung einer Mehrheit von Fachleuten aus Justiz, Polizei, Psychotherapie komplett
gescheitert...Die gegenwärtige Drogenpolitik produziert in erheblichem Maße selbst die
Probleme, die sie zu bekämpfen vorgibt, indem ein verhängnisvoller Kreislauf von
Kriminalisierung und Abhängigkeit aufrechterhalten wird. Die herrschende Drogenpolitik
setzt auf das Strafrecht, auf die Mittel der Repression. Doch ist erwiesen, dass dies ganz
offensichtlich untaugliche Mittel sind...Wenn Betroffene die Abhängigkeit durch
therapeutische Maßnahmen beenden wollen, müssen vor allem ausreichende Angebote an
Einrichtungen und Programmen z. B. mit Methadon vorhanden sein... Es bedarf einer
grundlegenden Kehrtwende: Legalisierung, Entkriminalisierung und Therapie statt Strafe
sind die Mittel dazu, die seit Jahren von namhaften Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern, Juristinnen und Juristen sowie insbesondere auch von einer Reihe
leitender Polizeibeamter aus Bund und Ländern gefordert werden. (ub)
Abgewendet wurde die drohende Abschiebung eines Mitgliedes des Ausländerbeirates, die in der Sondersitzung des Ausländerbeirates am 31.3.98 auf der Tagesordnung stand. Aram Mkrtchian aus Armenien ist Asylbewerber. Sein Antrag auf Asyl wurde vom Verwaltungsgericht Oldenburg abgelehnt. Die Abschiebung sollte nun erfolgen, obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig war. Da Herr Mkrtchian seinen kranken Bruder betreut, nahm die Ausländerbehörde von der Abschiebung vorerst Abstand, und der Armenier genießt im Moment Duldung. (noa) Was tun? In Wilhelmshaven hat die Partei der Republikaner bei der Landtagswahl ihr bestes Wahlergebnis erzielt. Das ANTIFASCHISTISCHE BÜNDNIS hat Bürgerinnen und Bürger auf der Kundgebung am 1. Mai nach Ursachen und Gründen für den unerwartet deutlichen Rechtsruck bei den Wilhelmshavener Wählern befragt. Das Bündnis hat auch nachgefragt, was zu tun möglich und notwendig ist gegen rechtsradikale Politik. Die gesammelten Meinungen und Anregungen von Kundgebungsteilnehmer/innen werden am 13. Mai um 20 Uhr im Willi-Bleicher-Zentrum, im DBG-Haus in der Kieler Str., vorgestellt und ausgewertet. Im September d. J. wird der neue Bundestag gewählt. NPD, REP, und DVU sehen sich spätestens seit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Aufwind. Dort tönen jetzt Ex-Stasi-Spitzel und jugendliche Hakenkreuzschmierer gemeinsam ihre deutschnationalen und ausländerfeindlichen Parolen von den Parlamentsplätzen. Die bislang heillos zerstrittene rechtsradikale Szene formiert sich anscheinend. Die NPD wird zum Sammelbecken rechtsradikaler Splitterorganisationen und ist seit neuestem wieder besonders für junge Faschisten attraktiv. Der Gründer und ehemalige Spitzenkandidat der Republikaner Schönhuber ist sich mit dem Alleinherr- scher der DVU Dr. Frey einig und wird für den Bundestag und das Europaparlament auf der DVU Liste kandidieren. Nach Informationen der PDS saßen die Vertreter der drei großen faschistischen Parteien jüngst in Berlin an einem Tisch, um ihre Strategien bezüglich der in diesem Jahr noch anstehenden Wahlen abzustimmen. Die Ergebnisse der letzten Kommunal- und Landtagswahlen lassen darauf schließen, dass sich das rechtsradikale Wählerpotential in Wilhelmshaven verfestigt. (siehe auch Gegenwind 145) Die im ANTIFA BÜNDNIS WILHELMSHAVEN organisierten Antifaschisten/innen wollen auf der Veranstaltung am 13. Mai ihr weiteres Verhalten und Vorgehen gegenüber den Rechten diskutieren. Das Bündnis trifft sich regelmäßig jeden Mittwoch um 20 Uhr im DGB-Haus. (ub) Das antifaschistische Bündnis ist seinem Ziel, zur Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz in Wilhelmshaven ein Denkmal zu errichten, einen wesentlichen Schritt näher gekommen. Das von einem Wilhelmshavener Künstler entworfene Denkmal - das Fragment eines Schiffsrumpfes aus Spanten und Planken, als Symbol für Kriegsmarine, Untergang und Tod, mit einem Gedenktext auf den Planken - soll ca. 15.000.- DM kosten. Annähernd 10.000.- DM sind beim Antifaschistischen Bündnis bis dato an Spendengeldern eingegangen, so daß der Auftrag zur Errichtung des Denkmals jetzt vergeben wird. Die zuständigen Gremien der Stadt haben der Errichtung des Denkmals bereits zugestimmt. Es wird seinen Platz auf dem damaligen Schießstand an der Fortifikationsstraße (heute Freiligrathstraße) neben der Jugendherberge haben. Recherchen der Antifa-Wilhelmshaven hatten ergeben, dass dort 54 Menschen wegen Wehrkraftzersetzung, Gehorsamsverweigerung und Desertion nach der "Volksschädlingsverordnung" auf Befehl der nationalsozialistischen Militärjustiz noch kurz vor Kriegsende erschossen wurden (Der Gegenwind berichtete ausführlich). Der noch fehlende Restbetrag für das Denkmal soll bis zu Fertigstellung zusammenkommen. Deshalb an dieser Stelle nochmals die Angabe des Spendenkontos: M. Klöpper Antifa, Bank für Gemeinwirtschaft, Konto-Nr.: 2265516502, BLZ: 28010111. (ub) Wir gratulieren dem Wattenmeerhaus zum einjährigen Geburtstag, der eher eine Wiedergeburt ist. Das erste Konzept, mit dem die Einrichtung vor einem Jahr mit langwierigen, teuren Vorinvestitionen unter Leitung von Willm Prasse seine Tore öffnete, hatte sich schnell als Totgeburt erwiesen. Mit gerade 30.000 Menschen kam nur ein Fünftel der erwarteten Besucher, im Oktober 97 drohte das finanzielle Fiasko. Die neue Leiterin, Maria Röbbelen, trat ein schweres Erbe an. Das Image des Hauses hatte, auch durch die unappetitlich öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen um Leitung und Konzept, einschließlich Trennung von Prasse, schwere Schlagseite erlitten, was vor allem nach hochtrabenden Vorschusslorbeeren ziemlich peinlich war. Die Mannschaft war verunsichert, zumal neben Prasse auch andere von personalpolitischen Konsequenzen betroffen waren. Vor allem galt es, rechtzeitig zur Saison mit einem Minimum an zeitlichen und finanziellen Ressourcen ein neues, besuchernahes Konzept aufzustellen und zumindest in sichtbaren Ansätzen zu verwirklichen. Diese Hürden haben Frau Röbbelen und ihr Team bravourös gemeistert dieser Eindruck drängte sich jedem auf, der zur mutig anberaumten Geburtstagsparty am 9. Mai 1998 die Eingangshalle betrat. In diesem vielleicht wichtigsten Teil des Nationalpark-Zentrums sind die Änderungen am deutlichsten. Stellte sich vormals ein Schilderpfosten abschreckend wie ein erhobener pädagogischer Zeigefinger dem Interessierten als erstes in den Weg, taucht man nun direkt in die Welt der Sinne ein Farben, Bilder, Formen, Gerüche, Geräusche des Wattenmeeres, die sich direkt selbst erfahren lassen was Alt und Jung an diesem Tag mit Begeisterung taten. Die nächste Abschreckung, die Infotheke mit Kasse und Verkaufsstand, die vorher die Eingangshalle dominierte und verschandelte, ist nun dezent und gut platziert neben den Aufgang zur eigentlichen Ausstellung gerückt. Und wer sich trotzdem erst mal ins Café verzieht, sitzt nicht mehr unter Gummibäumen, als ginge es hier um den tropischen Regenwald, sondern zwischen Buschlahnungen, quasi mitten im Deichvorland. Die Eintrittspreise waren an Tag diesem (familienfreundlich) auf die Hälfte gedrosselt auch über deren grundsätzliche Gestaltung sollte man sich Gedanken machen (s. GEGENWIND-Besucherbefragung Dezember 97). In der eigentlichen Ausstellung gibts nun viel zum "selber machen", was sich vorher allzu sehr auf das Suchen von Texttafeln reduzierte. Auch ohne die neue Klanginstallation ist zu spüren, dass hier ein frischer Wind weht. (iz) Greenpeace präsentiert: Multivisionsschau: Im Zeichen des Wassers Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Ob als Eis oder Dampf: Wasser begegnet uns in vielfältiger Gestalt. Wasser schafft die Voraussetzungen fürs Klima. Wasser nährt Tiere und Pflanzen. Ohne Wasser ist der Mensch in kürzester Zeit zum Verdursten verurteilt. Sauberes Wasser aber wird zunehmend zum Luxusgut, denn Wasser wird verschwendet, verschmutzt und vernachlässigt. Weltweit ist Wasser das unterschätzte Umweltproblem Nr. 1. Der Kampf um ausreichende Vorräte reinen und sauberen Wassers droht für die nächsten Jahrzehnte zu einer der brisantesten Auseinandersetzungen der Menschheit zu werden. Schon heute leiden weite Teile der Weltbevölkerung unter Wassermangel. Die Multivisionsschau "Im Zeichen des Wassers" entführt in die faszinierende Welt des feuchten Elements: Sie nimmt uns mit auf eine Wanderung von den Wasserlöchern der Oasen im Jemen bis in die feuchten Regenwälder Brasiliens. Sie zeigt uns das mikroskopische Leben in einem Wassertropfen ebenso wie den Umgang mit Abwasser in den modernen Industriegesellschaften. Die Schau des oberösterreichischen Fotografen und Abenteurers Alois Indrich wird mittels computergesteuerter Multivisionstechnik über sechs Diaprojektoren präsentiert. "Das nächste Jahrhundert wird das Jahrhundert des Wassers sein: Wer es hat, wird reich, wer es vergeudet, ein Dummkopf, und wer es verschmutzt, ein Verbrecher sein." (Alois Indrich) "Im Zeichen des Wassers" am 29.6.98 im Pumpwerk, am 30.6.98 in der Aula des Gymnasiums am Mühlenweg, jeweils um 20 Uhr. Ein schönes Stück Deutschland Minilandschaften in Toiletten und Spülsteine gepflanzt, triefend vor Teer. Der blaue Badesee entpuppt sich als Kloake, die goldgelbe Dünenlandschaft als schmutzige Lüge... Alfred Grimm hasst verlogene Idyllen. Wirklichkeit ist für den Beuys-Schüler eine unerschöpfliche Fundgrube, in die er kopfüber eintaucht, um lustvoll darin zu wühlen. Die Schätze, die der Künstler hebt, sind oft skurril, manchmal auch banal. Er sortiert sie, arrangiert sie und komponiert aus ihnen eine Wirklichkeit, die bei aller Nähe zur Trivialität keinen Platz für Unwahrheiten lässt. An zwei Ausstellungsorten in Wilhelmshaven wird ab 24. Mai 1998 das Werk des Künstlers Alfred Grimm zu sehen sein: Aktzeichnungen und Objekte zum Thema "Ein schönes Stück Deutschland" in der Perspektive (Eröffnung um 17 Uhr) und Objekte und Bilder im Wattenmeerhaus (Eröffnung um 11 Uhr). Kahlschlag droht lt. WZ vom 29.4.98 dem CVJM-Internat. Nachdem der Berufsförderungslehrgang mittels unterschiedlicher Maßnahmen für das laufende Schuljahr Einsparungen in Höhe von 5 % gegenüber vorherigen Jahren beinahe unbeschadet überstanden hat (vgl. unsere Berichterstattung in den Ausgaben 139 bis 141), versetzte das Landesarbeitsamt den Trägern berufsvorbereitender Maßnahmen einen neuen Schlag. Nur noch viermal 60 und einmal 90 Lehrgangsplätze an den insgesamt fünf Standorten sollen im Lehrgangjahr 1998/99 besetzt werden. Die noch vor einem Jahr geäußerte Hoffnung, nach einer "Durststrecke" werde es wieder Förderungsmittel in gewohnter Höhe geben, schrumpft. Unverständlich ist den CVJM-Beschäftigten, wo die 3,7 Milliarden DM abgeblieben sind, die 1997 bei der Bundesanstalt für Arbeit bereitlagen, aber nicht abgerufen worden sind. Ein Teil dieser Summe wäre in die Berufsförderung geflossen, wenn die Arbeitsämter mehr Handlungssicherheit gehabt hatten. Jede Gesetzesänderung veranlasst die betroffenen Behörden erst einmal zur Vorsicht, bis die Ausführungsbestimmungen klar sind. Hier haben nun Arbeitsämter nicht alle Mittel ausgeschöpft, die sie hätten verwenden können. Die Reduzierung um etwa 100 Lehrgangsplätze trifft in Wilhelmshaven nicht nur den CVJM, der damit 25 % weniger Jugendliche zugewiesen bekommt, sondern auch etliche SchulabgängerInnen, die nach Vollendung ihrer allgemein bildenden Schulpflicht besondere Förderung brauchen, sie aber nicht bekommen werden. (noa)
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