Wattenmeerhaus
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Gegenwind-Archiv - Gegenwind 144 - Februar 1998 - Gegenwind - Die Zeitung, die man nicht kaufen kann

Watt wurmt dat Volk?

Gegenwind-Umfrage zum Wattenmeerhaus

(red) Knapp ein halbes Jahr nach seiner Eröffnung steckt das Wattenmeerhaus in einer großen Krise. Der Trägerverein hat den Leiter Willm Prasse Knall auf Fall entlassen und ringt um neue Konzepte. Der GEGENWIND will die Zukunft der Einrichtung unterstützen und befragte dazu Einheimische und Gäste.

Vorab: Wir erdreisten uns nicht, unsere Umfrage als empirisch unantastbar vorzustellen. Im Sommer wäre der Stichprobenumfang erheblich größer geraten, und insbesondere Touristen sind zur Weihnachtszeit knapp; wir haben uns jedenfalls bemüht, sowohl vor der Haustür (Südstrand) als auch anderswo (z. B. in der Nordseepassage und im Umland) Meinungen einzufangen. Diese Meinungen können konstruktive Anstöße für den erfolgreichen Strukturwandel des Wattenmeerhauses geben. Deshalb möchten wir die Ergebnisse kundtun, behalten uns jedoch vor, die Umfrage im Sommer mit größerem Stichprobenumfang zu wiederholen.

Bekanntheitsgrad

19 Fragen zum Haus und seinem Umfeld sollten unsere Interviewpartner beantworten. Die Eingangsfrage lautete: Kennen Sie das Wattenmeerhaus (WMH)? Wenn nicht, erübrigte sich der Fragebogen, aber als Aussage zum Außenmarketing des Hauses wurde diese Gruppe notiert: es waren 20 von 70 angesprochenen Personen.

Die Anschlussfrage (an die anderen 50): Waren Sie schon mal dort? Wenn nicht, konnte trotzdem oder gerade (unbefangen) ein Teil der Fragen zu Erwartungshaltungen beantwortet werden.

50 Personen kannten das WMH, 30 davon waren schon ein- oder mehrmals da gewesen. Bislang scheint Mundpropaganda die beste Werbung zu sein: 2/3 der Befragten, die schon dort gewesen waren (im folgenden "Besucher" genannt) waren auf Empfehlung von Freunden oder Bekannten dort gewesen. Jene, die vom Haus gehört haben, ohne bisher dort gewesen zu sein (im folgenden "Interessierte"), haben zum größten Teil aus der Zeitung davon erfahren. Werbung bzw. Hinweisschilder der Stadt spielen bei beiden Gruppen eine nachgeordnete Rolle.

Eindrücke

Die Besucher konnten sich nun äußern, wie sie das Angebot empfunden hatten (Mehrfachaussagen möglich), wie sie das Haus besucht hatten: allein, zu zweit, als Gruppe/ Familie, mit oder ohne Führung, und wie sich das Haus mit oder ohne Führung erschließen lässt. Daraus abgeleitet wurde die Frage nach weiteren Besuchen bzw. Empfehlungen an Dritte gestellt.

8 Besucher sahen ihre Erwartungen erfüllt, 18 angenehm überrascht und nur 2 enttäuscht. 1/3 empfand das Angebot als "lehrreich", 80% als "interessant". Nur 2 Personen bewerteten es als ausgesprochen "kindgerecht", 11 als "erwachsenengerecht", mehr als die Hälfte empfand das Angebot als "für alle geeignet".

40% waren mit Familie dort, 40 % allein oder zu zweit, 1/3 hatte einen Gruppenbesuch hinter sich. Von denen, die das Haus ohne Führung besichtigt hatten (90%), konnten 2/3 "mit der Darstellung was anfangen".

3/4 der Besucher würden das Haus nochmals besuchen und über 80% es auch weiterempfehlen bzw. mit Freunden/Bekannten nochmals dorthin gehen.

Eintrittspreise

Wir fragten, ob der Eintrittspreis als gerechtfertigt empfunden wird bzw. was die Besucher zu zahlen bereit wären. Hinzu kamen deren Vorstellungen über die derzeitige Finanzierung.

Derzeit zahlen Erwachsene 8 DM (bei Ermäßigung 5), Familien 18 DM, Gruppen ab 10 Personen DM 6 pro Person (Zuschlag für Führungen je 2 DM). Für die Jahreskarte zahlen Erwachsene 60 DM.

Über die Hälfte der Besucher empfand den Eintrittspreis als nicht gerechtfertigt. Die persönliche Zahlungsbereitschaft (Erwachsene) lag zwischen 0 DM ("Besuch sollte kostenlos sein") und 10 DM - für die deutliche Mehrheit (Mittelwert) lag die Schmerz- grenze beim "Heiermann" (5 DM).

Wer finanziert das Wattenmeerhaus (Mehrfachnennungen)? 60% sehen die Stadt in der Pflicht, je etwa die Hälfte das Land bzw. die Umweltverbände, nur 3 Befragte sehen auch den Bund in der Verantwortung, 1/3 sagten "alle gemeinsam". 20% waren der Ansicht, das Haus trage sich (auch) durch Einnahmen.

"Was fanden Sie im Wattenmeerhaus besonders positiv?"

"Einige gute Ideen und Objekte; die Dachterrasse; Brief des ertrunkenen Seemannes; Vogelwärterhütte; Krabbenkutter (besonders für Kinder); knappe, informative Texte; es ist ausführlich; Computer; großzügige Räumlichkeit; Lernen durch Anfassen und Entdecken; vieles ist so aufgebaut, dass es neugierig macht; klare Darstellung der Objekte"

Tatsächlich sind im Trägerverein Bund, Land, Stadt und der Umweltverband WWF engagiert - also alle gemeinsam, ergänzt durch Sponsoren/Stiftungen. Entscheidend ist jedoch auf Dauer der Finanzierungsanteil durch Einnahmen - deswegen verursacht es dem Verein solche Bauchschmerzen, dass statt der kalkulierten 150.000 Besucher im ersten Jahr nur 50.000 kamen.

Erwartungen und Bewertungen

Die Befragten konnten äußern, ob und wie aktuelle/ brisante Umweltthemen im WMH dargestellt werden sollen, ob sie andere Nationalpark-Informationseinrichtungen kennen und wie sie diese ggf. im Vergleich zum WMH bewerten. Sie konnten darlegen, was sie im WMH besonders positiv oder negativ fanden und - ganz wichtig - Änderungs- und Verbesserungsvorschläge äußern.

Die deutliche Mehrheit aller Befragten (80%) erwartet eine klare und fachbezogene Stellungnahme des WMH zu aktuellen Themen (wie z. B. geplanter Ausbau der Kaiserbalje mitten im Nationalpark) - was bedeuten würde, neben der Dauerausstellung zeitnah und kurzfristig eine Zusatzausstellung, Diskussionsveranstaltungen o. ä. zu organisieren. (Diese Erwartung wird durch die Beobachtung untermauert, dass die stets aktuellen bzw. brisanten Ausstellungen von "Greenpeace" in der Regel sehr gut besucht sind). Nur 3 Personen sprechen sich für neutrale Haltung aus (wie im bisherigen Konzept - "der Besucher soll sich eine eigene Meinung bilden") bzw. 2 für "gar nicht äußern".

Über die Hälfte aller Befragten haben schon andere Nationalpark- oder sonstige Umweltinformationseinrichtungen besucht. Von 16 Personen, die das WMH und andere Einric