Nachrichten
Aktuelle Ausgabe Zurück Nachrichten Öltanker Marinemuseum Betonköpfe Grüne/CDU Prävention Wattenmeerhaus Kaiserbalje

Gegenwind Logo

Gegenwind-Archiv - Gegenwind 144 - Februar 1998 - Gegenwind - Die Zeitung, die man nicht kaufen kann

Nachrichten

Mit großer Verspätung erscheint diese Ausgabe des GEGENWIND. Den Letzten gab’s Ende Oktober – und das, obwohl wir es uns zum Ziel gesetzt haben, ca. alle 6 Wochen unsere LeserInnen mit Informationen zu versorgen, die sie sonst nirgends bekommen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir von vielen Leuten schon totgesagt wurden.

Die Gründe für das späte Erscheinen sind schnell aufgezählt: Es fehlte nicht an Themen, aber es mangelte uns an guten Themen. So standen wir vor der Frage: Trotzdem rauskommen und Flagge zeigen oder aber abwarten, bis wir eine ordentliche Ausgabe zusammen haben? Wir entschieden uns für die zweite Alternative. Ein weiterer Grund lag in der Belastung einzelner Redaktionsmitglieder in anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Die Redaktion wird in diesem Jahr alles daran setzen, den 6 Wochen-Turnus einigermaßen einzuhalten. An Themen wird es uns in diesem Jahr wohl nicht mangeln, denn es tut sich einiges in Wilhelmshaven. (red)


Die Behauptung, dass die Wilhelmshavener Immobilienhändler Hartmut Heger und Robert Baar inzwischen 6 Gaststätten (u.a. Antonslust und die Ratsherrnstuben in einer Holding unter ihren Fittichen haben (Gegenwind 140, Seite 2) und dass "Robert Baar und der millionenschwere Faschist an einer Gaststätten- Holding beteiligt sind" zu der auch die Gaststätte Antonslust gehört (Gegenwind 141, Seite 3) widerrufen wir.

Die Gaststätten werden von der Gastronomie-Beherbergungs-Saalbetriebe GmbH und nicht von der Hotel- und Gastronomie GmbH betreut. (red)


Verdient gemacht hat sich Elli Abrahams für das deutsche Volk. Die heute 84-jährige rettete kurz vor Kriegsende vier holländischen Zwangsarbeitern aus dem Wilhelmshavener KZ das Leben, und brachte sich damit selbst in Lebensgefahr. (Der Gegenwind berichtete darüber). Am 3.12.1997 bekam Elli Abrahams dafür das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. An der Feierstunde nahmen auch die von Elli Abrahams geretteten Holländer teil. (ft)


Halali auf Norderney Es geschah im Oktober 1997, und wenn einige gut informierte Natur- und Menschenschützer nicht eingegriffen hätten, wäre der Vorfall bis heute der Öffentlichkeit verschwiegen worden: Aus den Reihen einer übermütigen 5köpfigen Jagdgesellschaft fielen Schrotschüsse auf einen Zivildienstleistenden der Nationalpark-Wacht. Roland K. stellte die Grünrocke zur Rede, als die ersten Schüsse seine Holzhütte trafen und er seine Propangasflaschen gefährdet sah. Die Antwort traf ihn schmerzhaft auf dem Rückweg zur Hütte - der Arzt diagnostizierte später die Verletzung am Oberschenkel. Zusammen mit zwei Polizeibeamten stellte der Getroffene die Jäger in einer nahe gelegenen Salzwiese. Dort mussten sie ihre Personalien offen legen (was sie dem Zivi verweigert hatten) - und ließen durch Pöbeleien in Gegenwart der Beamten keinen Zweifel aufkommen, dass es sich nicht um ein Versehen gehandelt hatte.

Den Beteiligten, sollte man meinen, müsste sofort und unwiderruflich der Jagdschein bzw. die Erlaubnis zum Waffenbesitz entzogen werden. Abgesehen von einer Strafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Und zwar allen, denn die Gruppe - darunter ein hochrangiger Kirchenvertreter und ein ehemaliger ostfriesischer Landtagsabgeordneter - weigerte sich, den Schuldigen zu benennen. Was sich übrigens durch Erzwingungshaft bewerkstelligen ließe, wenn man wollte. Da aber selbst der fürsorgepflichtige direkte Vorgesetzte des Zivis beim Staatlichen Amt für Insel- und Küstenschutz in Norden darauf drang, den Vorfall nicht "hochzuspielen", stünde der körperlich und seelisch Getroffene mit seinen Verletzungen ziemlich allein da. Wenn nicht Außenstehende die Presse informiert hätten - auch der "Spiegel" berichtete ausführlich - so dass wir den Hergang aus verschiedensten Berichten rekonstruieren konnten.

Gegen einen konstruktiven Dialog zwischen Befürwortern und Gegnern des Naturschutzes ist nichts einzuwenden. Mit dieser "Aktion" hat sich die Jägerschaft, die sich selbst gern als Speerspitze des Naturschutzes und der Bürgernähe verkauft, ins eigene Knie geschossen - und zwar die ganze Zunft, solange sie sich nicht von diesen fünf Querschlägern distanziert. (red)


Noch eine Falschmeldung erschien im letzten Gegenwind. Wir veröffentlichten eine Postkarte an die Redaktion, in der wir als "mieses übles Redaktionsteam‘ beschimpft wurden. Als Verfasser des Textes gaben wir Markus Harms an. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass er nicht der Verfasser war. Die Redaktion entschuldigt sich bei Markus Harms und bei unseren LeserInnen. (red)


Pappelappapp Bestürzt nahmen viele Wilhelmshavener/innen die Fällung "ihrer" Pappel an der Ecke Ebert-/Virchowstr. zur Kenntnis. Viele inspizierten den verbliebenen Stumpf, um festzustellen, dass der Stamm alles andere als tot gewesen war. Die zuständigen Behörden räumten daraufhin ein, nur die Äste seien abgestorben (und somit verkehrsgefährdend) gewesen - als Folge der Grundwasserabsenkung, die zum Bau der gegenüberliegenden Nordseepassage erforderlich gewesen war.

Da fragen sich Naturfreund/innen: Hätten nicht die Bauherren bzw. Betreiber der Passage als Verursacher und Nutznießer Abhilfe schaffen müssen? Heutzutage lassen sich durch baumchirurgische Maßnahmen - vom gezielten Rückschnitt bis zur statischen Unterstützung - solche stadtbildprägenden Baumriesen noch lange Zeit erhalten. Zumindest solange, bis ein gleichzeitig gepflanzter Nachwuchsbaum so stattlich geworden ist, dass er den Ahnen in ökologischer und ästhetischer Hinsicht ersetzen kann. Die längs des Neubaus vorgesehenen (südländischen) Krüppelplatanen sind kein ernst zu nehmender Ersatz!

Je nachdem, wie tief der bürgernahe Investor in die Tasche greift, ließe sich statt eines einjährigen Schösslings auch ein größerer Baum pflanzen, der keine hundert Jahre braucht, bis er zum Blickfang wird. Technisch heutzutage kein Problem, einen größeren Baum erfolgreich zu verpflanzen; finanziell für den Ersatzpflichtigen in der Größenordnung "Portokasse" - woran hapert es also? Der unverständliche Kahlschlag lässt Raum für Spekulationen: Verstellte der grüne Blickfang den wirtschaftlich vorteilhaften Blick auf den "Menzelturm" gegenüber mit der daran angebrachten Werbung? (iz)