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Gegenwind-Archiv - Gegenwind 142 - August 1997 - Gegenwind - Die Zeitung, die man nicht kaufen kann

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Ein Konsulat hat der ‚Global State of Waveland‘ in Wilhelmshaven eröffnet. Diesen Staat hat Greenpeace im Juni ausgerufen. Grund für die Staatsgründung ist der nur 27 Meter breite und 23 Meter hohe Rockall-Felsen im Nordostatlantik. Vier Staaten erheben Anspruch auf diesen Felsen. Großbritannien, Irland, Island und Dänemark wollen in der dann zugehörigen 200 Meilen-Zone Erdölvorkommen ausbeuten. Da es sich rund um Rockall um ein sehr sensibles Meeressystem handelt, besetzte Greenpeace den Felsen und erklärte ihn dann zum souveränen Staat, um der Ölförderung und der damit einhergehenden Verschmutzung und Zerstörung Einhalt zu gebieten.

Über 50 WilhelmshavenerInnen beantragten im Waveland-Konsulat ihre Staatsbürgerschaft für den Felsenstaat. Ihnen wurden außer ihrem Paß auch die Waveland-Deklaration sowie Briefmarken und Banknoten ausgehändigt. Sie unterstützten damit die Aktion der Greenpeace-Gruppe Wilhelmshaven, die das Konsulat führt.

"Wir sind konfrontiert mit einem immer größer werdenden Ungleichgewicht zwischen und innerhalb von Nationen und dem fortschreitenden Niedergang der für uns unverzichtbaren Ökosysteme", hieß es anläßlich der Konsulatseröffnung.

Das Konsulat in der Lessingstr. 1 (Krähenbusch) ist jeden Dienstag ab 20.00 Uhr geöffnet. Hier steht die Wilhelmshavener Greenpeace-Gruppe für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. (ft)


Mißbrauch von Sozialhilfe ist eine beliebte Scheißhausparole für Wahlkampf und Stammtisch. Viele BürgerInnen, die selbst keine Sozialhilfe beziehen, glauben bestens darüber informiert zu ein, wie die soziale Hängematte - insbesondere natürlich von Ausländern bzw. deren Schlepper- banden - ausgenutzt wird. "Statistische Grundlage" dieser menschenverachtenden Pauschalurteile ist in der Regel ein Fall, von dem der Rädelsführer mal gehört hat.

Ratsfrau Ursula Aljets verlangte jetzt aktuelle, konkrete Zahlen und Fakten zum Thema, die Stadtrat Kottek auf der Julisitzung des Rates vorlegte: Unter 532 Ab- und Ummeldungen befanden sich 22 Familien von Sozialhilfe-Empfängern, wovon sich 13 aus der Jadestadt abmeldeten. Nur in 5 Fällen (1%) handelte es sich um zugezogene, der Stadt zugewiesene AussiedlerInnen, die beim Zuzug von Dritten unterstützt wurden, was nicht belegt, daß es sich um eine Anwerbung handelte.

Kottek verwies auf §97 des Bundessozialhilfegesetzes, wonach die Verwaltung zur Zahlung von Sozialhilfe verpflichtet ist, wenn Hilfesuchende sich in der Stadt aufhalten. Laut Gesetz kann die Stadt den Zuzug nicht beeinflussen. Somit ist den anmaßenden Bestrebungen "braver Steuerzahler", sich der vermeintlichen Schmarotzer zu entledigen, statistisch wie gesetzlich der Boden entzogen. (iz)


Ein Ferienpass ist sicherlich eine gute Sache. Für 10.- DM können Kinder und Jugendliche die vielfältigen Freizeitangebote unserer Stadt nutzen. Der Ferienpaß der Stadtjugendpflege ermöglicht es den Kindern, während der Ferien ins Freibad zu gehen, auf den Rathausturm zu fahren, Indoor-Kart zu fahren usw. Er beinhaltet auch den Besuch des U-Bootes. Im GEGENWIND 141 schrieben wir: "Gerade dieses Kriegsmaterial wird das Marinemuseum zu einem Anziehungspunkt werden lassen. Es ist bekannt, der Zuspruch zum Museums-U-Boot beweist es, welche Faszination solcherlei Dinge gerade auf Kinder und Jugendliche ausüben. (...) werden die lieben Kleinen sich an den Kanonen wie Kriegshelden fühlen." Ein solcher Besuch sollte in einem Ferienprogramm der Jugendpflege (!) keinen Platz haben. (hk)


Die Parkraumbewirtschaftung in der City wollte die CDU-Fraktion nachträglich auf die Tagesordnung der Ratssitzung am 16.7.97 setzen. Sie bezog ihren Dringlichkeitsantrag auf die Eröffnung der Nordseepassage Anfang September, also vor der nächstmöglichen Ratssitzung. Die Koalition sah diese Notwendigkeit nicht, so daß der Antrag an der erforderlichen 2/3-Mehrheit scheiterte. (iz)


ANTI-ATOM-CAMP

in Esenshamm

8.-10. August 1997

Sportplatz Kleinensiel

(iz) An bestimmte Dinge sollten wir uns nie gewöhnen. Dazu zählen Atomkraftwerke, die seit den 70er Jahren, gegen den erklärten Willen eines großen Teiles der Bevölkerung, installiert wurden.

Einer der ältesten deutschen Reaktoren steht in Esenshamm, wenige km Luftlinie von Wilhelmshaven entfernt. Dadurch, daß wir uns bei Fahrten durch die Wesermarsch an seinen Anblick gewöhnt haben, ist er nicht weniger gefährlich geworden. 1972 geplant, wäre er mit seiner Betonhülle von nur 80 cm (moderne Meiler: 200 cm) z. B einem Flugzeugabsturz schutzlos preisgegeben. Auch ohne mechanische Einwirkungen von außen stellt er ein unkalkulierbares Risiko dar: Wird der Reaktorkern für nur 60 Sekunden nicht gekühlt, entsteht durch technisch nicht aufzuhaltende Kettenreaktionen ein SUPERGAU, wie er sich 1986 in Tschernobyl ereignete - mit anderer Reaktortechnik, aber den gleichen vernichtenden Folgen für alles Leben im Umkreis sowie Verseuchung von Menschen, Tieren, Pflanzen, Wasser, Luft und Boden über Hunderte bis Tausende von Kilometern.

Auch dadurch, daß wir heute den Kindern von Tschernobyl Hilfe bis hin zur kurzzeitigen Erholung in deutschen Reinluftgebieten gewähren, wird der Reaktor in Esenshamm für uns und unsere Kinder nicht weniger bedrohlich. Durch eine Vielzahl von Schwachstellen ist er besonders anfällig. Statt einer Analyse durch unabhängige Institute, mit der sie den Betrieb sofort stoppen könnte, betreibt unsere Landesregierung unter Ministerpräsident Schröder den "Energiekonsens". Der schützt wirtschaftliche Interessen, nicht aber unser Leben und unsere Umwelt.

Das Atomkraftwerk Esenshamm und alle anderen AKW’s müssen sofort abgeschaltet werden!

Programm des Anti-AKW-Camps:

8.8. ab 16 Uhr Aufbau; abends Plenum und kleine Aktionen; 9.8. vormittags Öffentlichkeitsaktionen in und um Kleinensiel; 14 Uhr Demo vom Camp zum AKW - Zeit für Aktionen; nachts Plenum, Aktionen, Filme und Musik; 10.8. ab 6 Uhr 30 Frühstück am AKW, tagsüber verschiedene Aktionen rund um das AKW; 16 Uhr Abschlußplenum und Ende des Camps.

 

Info: Tel./Fax Jugendumweltbüro Oldenburg 0441-9849905 oder Tel. Arbeitskreis Wesermarsch 0441-777560


Theaterkarussell 1997

Am Samstag, den 23.8.97, ist es wieder soweit: Das Theaterkarussell dreht sich! Der traditionelle Tag der offenen Tür im und ums Stadttheater Wilhelmshaven hält auch in diesem Jahr viele Aktivitäten und Attraktionen für die Besucher bereit.

Die Landesbühne Niedersachsen Nord hat andere kulturelle Einrichtungen und Vereine der Stadt eingeladen, diesen Tag mitzugestalten. Ihr Kommen haben u. a. die Niederdeutsche Bühne, die Künstlerin Traudl Knoess, die Galerie M, der Zauberer Michello, die Stadtbücherei, der Historische Arbeitskreis des DGB, das Ballettstudio Stoffers, der Freundeskreis für künstlerischen Tanz, das Jugendzentrum "Point", der Jugend- und Kinderclub der Landesbühne, die Jonglage-Gruppe des Wilhelmshavener Turnerbundes sowie die Volksbühne zugesagt. Auch Radio Jade wird sich an diesem Fest beteiligen.

Geplant sind Tanzvorführungen, mysteriöse Führungen durch das Theater, Besichtigungen der Werkstätten, Kostümversteigerungen, Lesungen im "Märchenzelt", das Kindertheater "Ruckepack - von Eskimos Eisbären Schneeriesen" und vieles mehr. Für die Gaumenfreuden sorgen in erster Linie die Vereine der Spanier und der Türken sowie das Team des Theatercafes "Mephisto".

Beginnen soll das bunte Treiben um 14 Uhr. Um 20 Uhr startet die Spielzeitrevue der Landesbühne auf der Hauptbühne im Stadttheater. Gezeigt werden Ausschnitte, Lieder, Szenen ..."Appetithäppchen" auf die Spielzeit 97/98. Eine Abschlußfeier auf dem Theaterinnenhof rundet den Tag ab. Der Eintritt zu allen Programmpunkten des Tages ist frei.


Menzel mal DreiEndauscheidung im von der Freizeit veranstalteten OB-Doppelgängerwettbewerb.

Nur 2 Bewerber gelangten in die Endausscheidung auf der Suche nach einem Doppelgänger für unseren Oberbürgermeister. OB Menzel (vorne links) ließ sich mit den beiden ablichten. Die 5köpfige Jury (Oskar Matull, Yvonne Erdmann, Wilfrid Adam, August Desenz und Volker R.Eissing-Babatz) wird es nicht leicht haben.


Stinksauer zeigte sich CDU-Ratsherr Rolf Fehnders über die Art und Weise, in der ihm seine Parteikollegen den Vorsitz im Sportausschuß entzogen hatten. Was Fraktionsvorsitzender Biester vorab dem Rat der Stadt als "Umbesetzung" verkündet hatte, kommentierte der geschaßte Amtsinhaber mit "abgeschossen" und "die Aasgeier sitzen in den Bäumen." SPD-Beigeordneter Neumann nutzte das nachfolgende peinliche Schweigen, um den von der Opposition selbstgeschnitzten Keil noch tiefer zu treiben, indem er dem "Kollegen Rolf" herzzerreißend für sein Engagement dankte.

Fehnders‘ Enttäuschung ist verständlich und Neumanns Rhetorik nachvollziehbar – nur ist die öffentliche Ratssitzung der falsche Ort, um schmutzige parteipolitische Wäsche zu waschen: Ein weiteres Highlight aus dem Stadtkabarett (Eintritt frei!), wo sachbezogene Diskussionen meist eine untergeordnete Rolle spielen. (iz)

 

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